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Moers
Blick in die Zukunft der Landwirtschaft

Moers. Professor Dr. Enno Bahrs von der Universität Hohenheim sprach auf dem "Forum Landwirtschaft". Von Dirk Möwius

Mit der Kernaussage "Größer heißt längst nicht immer wirtschaftlicher" dürfte Professor Dr. Enno Bahrs, Leiter des Instituts für landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universität Hohenheim, so manchem Landwirt vom Niederrhein aus dem Herzen gesprochen haben.

Als Gastreferent auf dem "Forum Landwirtschaft" der Volksbank Niederrhein im Sonsbecker Waldrestaurant Höfer beschrieb er vor über 130 Landwirten in seinem Vortrag zum Thema "Zukunftssicherung: Ist größer immer effizienter?" eine Trendwende.

In der Vergangenheit hätten Erweiterungen in Betrieben die Produktion insgesamt kostengünstiger gemacht. "Gegenwärtig können die Produktionskosten durch eine Erweiterung nicht automatisch gesenkt werden, sie wirken sich teilweise sogar gesamtkostensteigernd aus", stellte er fest.

Betriebsgröße und Wachstum seien kein Selbstzweck, sondern wichtig, um dem landwirtschaftlichen Nachwuchs Perspektiven zu ermöglichen. Bahrs schränkte ein, dass Wachstum in einzelnen Regionen Westdeutschlands aus ökologischen Gründen schwierig sei. Einzelbetrieblich und auch volkswirtschaftlich seien größere Betriebe im Schnitt effizienter."Ökologisch sind große Betriebe hingegen bei bestimmten Faktoren ineffizienter als kleine. Und in Nischen können auch kleine Betriebe betriebswirtschaftlich sehr effizient sein", lautete sein Resümee.

Eröffnet hatte das "Forum Landwirtschaft" Guido Lohmann. Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Niederrhein betonte, dass die Landwirtschaft nach wie vor in Deutschland eine sehr hohe volkswirtschaftliche Bedeutung habe.

Bei stetig steigender Produktivität in den letzten Jahrzehnten liege die Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor deutlich vor anderen Bereichen wie etwa Bergbau, Papiergewerbe oder Pharmaindustrie.

Diese enorme Produktivitätsleistung führe allerdings bei den Landwirten nicht folgerichtig auch zu höheren Erlösen, sondern bedeute nichts anderes, als immer mehr zu immer günstigeren Preisen zu produzieren. Das wirtschaftliche Umfeld sei derzeit geprägt von einem rasanten Verfall bei den Ferkel- und Schlachtschweinepreisen wie auch bei der Milch.

In Anbetracht dieser Situation appellierte Guido Lohmann an die Bereitschaft der Verbraucher, mehr Geld für gute Produkte auszugeben. "Wenn jeder von uns bereit wäre, nur einige Cent mehr auszugeben, würden nicht so viele junge Betriebsleiter vor der Entscheidung stehen, den Familienbetrieb weiterzuführen oder der Landwirtschaft den Rücken zuzukehren."

Zwischen den Verbrauchern mit ihren steigenden Anforderungen an die Landwirte und der Akzeptanz der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit klaffe ein großes Loch. In den Köpfen der Menschen herrsche heutzutage leider zu häufig ein falsches Bild von der Landwirtschaft vor. "Unsere landwirtschaftlichen Betriebe sind nicht nur Produzenten qualitativ hochwertiger Lebensmittel. Für sie stehen auch Nachhaltigkeit, Energieerzeugung, Erhalt von Kulturlandschaften und Umweltschutz im Fokus.

Die Forderungen nach vermehrter Transparenz, Rückverfolgbarkeit und dem steigendem Tierwohl seien selbstverständlich nachvollziehbar und absolut erstrebenswert, müssten sich aber auch für die Landwirte lohnen", so Guido Lohmann.

Quelle: RP
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