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Kreis Wesel
Blitzermeldung mit Augenzwinkern

Kreis Wesel: Blitzermeldung mit Augenzwinkern
Das Presse- und Facebookteam der Polizei im Kreis Wesel: von links nach rechts: Björn Haubrok, Kristin Heuken, Daniel Freitag, Timm Wandel. Nicht im Bild: Andrea Margraf. FOTO: Polizei
Kreis Wesel. Die Polizei im Kreis Wesel hat seit fast einem halben Jahre ein Facebook-Seite. Die hat schon mehr als 5000 Freunde. Von Bernfried Paus

"Ich habe heute kein Foto für Dich!" Was Heidi da sagt, ist nicht das Aus für den Traum, Germany's next Top-Model zu werden. Heidi, 29, ist Polizeioberkommissarin. Und sonnt nicht in der Karibik, sondern "fährt heute zum Casting nach Borth und Kamp-Lintfort". Locker flockig, bebildert mit einem passenden Schnappschuss, meldet sich die Pressestelle der Polizei heute Morgen auf ihrer Facebook-Seite und macht Autofahrer darauf aufmerksam, wo sie schön langsam fahren sollten. Nicht nur weil sie Gefahr laufen, als Raser geblitzt zu werden, sondern weil Gas zu geben da ziemlich gefährlich ist.

Die witzigen Blitzer-Meldungen auf der Facebook-Seite der Polizei haben indes ziemlich Fahrt aufgenommen und genießen inzwischen bei Usern fast Kultstatus. Mitte Oktober ist die Pressestelle aktiv ins weit vernetzte soziale Medium eingestiegen. Inzwischen hat die Seite 5137 Follower - und es werden täglich mehr. Rund 200 Likes kommen pro Woche dazu, sagt Daniel Freitag (38), der mit seiner Kollegin Kristin Heuken (29) die amtliche Seite allmorgendlich mit aktuellen Posts bespielt.

"Die digitalen Netzwerke ermöglichen es der Polizei, anders als bisher mit der Bevölkerung in direkten Dialog zu treten, ihre Nöte und Sorgen hautnah zu erfahren", sagt Daniel Freitag. Und sie kann schnell informieren, "wenn's - nicht im Wortsinne zu verstehen - irgendwo brennt". Wie neulich, als in Wesel eine Gasleitung ein Leck hatte, konnten die, die die Seite abonniert hatten, auf dem Smartphone konkrete Warnhinweise lesen.

FOTO: Jochen Tack

Bundesweites Beispiel dafür, dass Facebook auch gerade im Ernstfall helfen kann, war der Amoklauf im Münchener Olympia-Zentrum im Sommer 2016. Damals hat die Polizei die Bevölkerung über die Social-Media-Kanäle in Livezeit gewarnt, den Gefahrenbereich zu meiden und dazu aufgefordert, keine Fotos von der Schießerei zu posten.

"Wir können Gefahrenlagen in Echtzeit kommunizieren und bekommen in der Folge Hinweise und können umgehend reagieren", sagt Freitag über den strategischen Vorteil für die Polizeiarbeit. "Das funktioniert aber nur, wenn man vorher eine Community aufgebaut hat und sie verlässlich pflegt", so Freitag. Dazu gehört, dass die Polizei ihre Seite rund um die Uhr im Blick hat. Wenn die Öffentlichkeitsarbeiter Feierabend haben oder sich im Wochenende befinden, übernimmt die Leitstelle und kontaktiert die Kollegen von der Kommunikationstruppe bei Bedarf. "Das macht man gern, wenn man mit Herzblut dabei ist und einem diese Arbeit Spaß macht", sagt der 38-jährige Beamte, der auch privat auf Facebook unterwegs ist und weiß, wie die Netzcommunity tickt.

Richtig Spaß haben er und seine Kollegen, wenn sie sich witzige Anmoderationen einfallen lassen für die morgendliche Blitzermeldung. Da haben sie am Valentinstag zum "Speeddating mit Nummer 5" bei Kerzenschein eingeladen, der Roboter, der sich, nachdem er von einem Blitz getroffen worden war, selbstständig gemacht hat. 142 Likes an dem Tag sind bisheriger Rekord.

Die Ideen kommen den jungen Polizisten überall. Neulich habe er auf einen Klassiker der Rolling Stones abgerockt, erzählt Daniel Freitag. Aus dem Titel "Paint it black" ließe sich doch was machen, sei's ihm in den Kopf geschossen. Gedacht, getan. "I see your red light, I want it painted black!" hieß es in der Meldung eines Blitzers auf der Bönninghardt - ein äußerst humorvoller Wink mit dem Zaunpfahl. Dazu das Foto mit dem drohenden Rotlicht.

Zeitgemäße Lockerheit und flotte Sprüche erhöhen zweifellos die Sympathiewerte für die Polizei. Aber natürlich ist den facebook-affinen Polizisten bewusst, dass sich insbesondere manch' älterer Kollege schwertut mit dieser Art des öffentlichen Auftritts. Dennoch seien die Resonanzen von außen durchweg positiv. "Wir sind schon sehr bemüht, den Boden der Seriosität nicht zu verlassen, den Bogen nicht zu überspannen und nur rumzualbern", sagt Freitag. Es gehe um Aufmerksamkeit - ein Augenzinkern helfe dabei in er Regel sehr.

Um professionell zu sein, habe die Pressestelle in Wesel das Innenministerium gebeten, "mal drüber zu gucken". Den Hinweis, den Grund für die Wahl des Blitzerstandortes möglichst auch ins Spiel zu bringen, habe man aufgriffen. Am Mittwochmorgen ist in Dinslaken "Nummer 5 auf Nummer sicher gegangen" - "weil auf Schulwegen die lieben Kleinen besonders gefährdet sind".

"Nummer 5" ist gleich eingeladen worden, auch mal nach Moers zu kommen: "Darfst auch in unserem Vorgarten stehen, und etwas Öl bekommst Du auch", schreibt Angela. Sie fügt einen Smiley hinzu.

Quelle: RP
 
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