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Blitzmarathon im Kreis Wesel
Polizisten berichten von traumatischen Erlebnissen

Blitzmarathon: Hier wird im Kreis Kleve kontrolliert
Blitzmarathon: Hier wird im Kreis Kleve kontrolliert
Moers. Die Kreispolizei ist beim Blitzmarathon an 37 Stellen im Kreisgebiet mit Radarmessungen beschäftigt. An den Kontrollstellen berichteten Beamte und ein Polizeipfarrer von ihren traumatischen Erfahrungen mit tödlichen Unfällen. Von Peter Kummer und Jürgen Stock

Die Bundesstraße 57 zieht sich zwischen Xanten-Stadt und Marienbaum schnurgerade durch die Landschaft. Eine Strecke für Raser. Kein Zufall, dass die Kreispolizei beim neunten Blitzmarathon sich dieser Strecke postiert hat hat. Auch der Kamper- und Holderberger Straße in Moers und an der Römer- und Lintforter Straße in Kamp-Lintfort sind Beamte im Einsatz. Insgesamt kontrolliert die Polizei mit ihren Radargeräten an 37 Stellen im gesamten Kreisgebiet.

Einige dieser Messstellen waren Schauplatz tragischer Unfälle. In Moers etwa haben sich der Bezirksbeamte Michael Goralczyk und sein Kollege Bernd Thiesing in Kapellen genau an der Stelle postiert, an dem ein weißes Fahrrad und ein Teddybär immer noch an den Tod der 15-jährigen Merle erinnert, die beim Fahrradfahren von ihrem Hund in den Verkehr gezogen und zweimal überrollt wurde. "Überhöhte Geschwindigkeit war damals zwar keine Unfallursache", erinnert sich Hauptkommissar Goralczyk, "trotzdem wurde nach dem Unfall ein Tempolimit von 70 km/h eingeführt, weil die Straße hier zwar gerade ist, aber recht schmal."

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Auch an der Messstelle an der B 57 starb vor anderthalb Jahren ein junger Mensch. Ein 17-Jähriger war von einem Auto erfasst worden; er erlag später seinen Verletzungen. Zwar ist für eine kurze Strecke die Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 70 Kilometer pro Stunde reduziert. Allerdings halten sich viele nicht daran. Das kann verheerende Folgen haben. Einsatzleiter Norbert Klump holt eine Tabelle aus der blauen Jackentasche, stellt Skalen ein und rechnet vor. Bei 70 km/h beträgt der Anhalteweg 45 Meter. Dann steht der Wagen. Bei Tempo 90 ist der Anhalteweg 67 Meter, und dort, wo das Auto mit 70 km/h schon gestanden hat, ist der "Raser" noch mit 65 km/h unterwegs.

Der Blitzmarathon ist nicht unumstritten. Alles Abzocke, sagen manche. Und: "Ist doch nur eine Showveranstaltung für Innenminister Jäger." Klump sieht das anders. Man wolle die Öffentlichkeit sensibilisieren und auch über die Medien möglichst viele Menschen erreichen. "Wir möchten darauf aufmerksam machen, welche Folgen die nicht angepasste Geschwindigkeit haben kann", sagt er.

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Rund 15.000 Unfälle muss die Kreispolizei im Jahr aufnehmen, bei zehn Prozent davon gibt es Verletzte. Das bedeutet für die Polizisten, die am Unfallort im Einsatz sind, eine hohe seelische Belastung. Dann sind Seelsorger wie Folkhard Werth gefragt: "Ein schwerer Unfall geht den Beamten an die Nieren", weiß er aus eigener Erfahrung. Einige können es abschütteln, andere suchen das Gespräch mit dem Polizeiseelsorger. Nicht nur junge Polizisten kommen zu Folkward Werth, der für die Region von Essen, Duisburg, Oberhausen bis hoch nach Kleve zuständig ist. Auch erfahrenen Polizisten brauchen oft Hilfe. Wie Werth ist auch Kommissarin Anneke Gerdemann an diesem Tag an der B  57 im Einsatz. Sie gehört zur Streifenwagenbesatzung, die zu dem Unfall mit dem tödlich verletzten 17-Jährigen gerufen wurde. Auch wenn sie den Unfall gut verarbeitet habe, wie sie sagt, müsse sie noch immer jedes Mal an das schreckliche Geschehen denken, wenn sie an der Stelle vorbeifährt.

In Moers kann Michael Goralczyk am frühen Nachmittag eine positive Bilanz ziehen: Nur ein Krad und ein Pkw waren mit 17 bzw. 14 km/h geringfügig zu schnell. Die dafür fälligen Verwarngelder: 30 und 20 Euro. Damit bestätigt sich eine Erfahrung, die Goralczyk auch schon privat gemacht hat: Da, wo das weiße Fahrrad am Straßenrand steht, fährt kaum jemand zu schnell. Zudem, so die Erfahrung der Beamten, hätten sich die Autofahrer auf den Blitzmarathon eingestellt. Am Freitag will die Polizei das Ergebnis aller Messstellen mitteilen.

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