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Moers
Blues-Klassiker von "alten Männern"

Moers. Die Essener Blueskombo spielte leidenschaftlich die traurig klingende Musik, die ihr Leben ist. Von Peter Gottschlich

Frontmann Lone Cat Erichson bezeichnet seine Kombo schon einmal scherzhaft als Vampirband. "Die Herren liegen musikalisch das ganze Jahr in ihren Särgen", schmunzelt der 68-jährige Keyboarder und Sänger, der den Spitznamen Pate trägt. "Wenn ein Auftritt ansteht, öffnen die Herren ihre Holzkisten, stehen auf und gehen in den Proberaum. Dann saugen die Herren beim Konzert das Blut, das sie brauchen, um wieder in ihren Särgen zu verschwinden und schlafen zu können."

Weil sie fünf oder sechs Mal im Jahr kollektiv ihre Särge öffnen und sich erheben, nennen sich die Musiker "Aufstand alter Männer". Am Freitagabend waren sie unterwegs, um in der Röhre mit der Musik Blut zu saugen, die so herrlich traurig klingt.

Weil sie gerade vom Friedhof weggelaufen waren, starteten die Musiker aus Essen und Mülheim mit dem Bluesklassiker "You got me runnin'" von Jimmy Reed und dem Traditional "St. James Infirmary". "Diese Stücke haben schon Tausende vor uns gespielt", meinte Lone Cat Erichson mit tiefer und rauchiger Stimme. "Sie sind einfach so traurig und schön."

Das stellten die sechs Musiker auch bei den anderen Songs unter Beweis, die sie beim zweistündigen Konzert präsentierten. Dabei saßen vier ständig saßen, obwohl sie sich "Aufstand Alter Männer" nennen: Neben dem dem Paten als Frontmann Gromus Gromotka an der Gitarre, Cony Barck am Bass und "Onkel" Wolf Huhn an der Trommel. Dieser ist mit 55 Jahren der Benjamin in der Band, der genauso alt ist wie der Gitarrist und Sänger Ludi Ettrich. Letzter steht wie Mundharmonikaspieler Bill Bergemann.

Die Musiker lieben die Klassiker des Blues, die ihr Leben sind, zum Beispiel "Drive my blues away" oder "Gimme a penny" oder "Walking through the park", die von Muddy Waters stammen, dem König des Chicago Blues. Sie spielen leidenschaftlich die Bluesklassiker "Easy money", "Somebody changed" oder "Divin duck", was die Zuschauer am Freitagabend in der "Röhre" mit Applaus honorieren.

Als Rabatt, wie sie ihre Zugaben nennen, gaben sie in der Moerser Kulturkneipe den Bluesstandart "Key to the highway", um mit dem Schlüssel zur Autobahn wieder zu ihren Särgen zurückzukehren, nachdem sie genug Blut, sprich Applaus, gesaugt hatten. "Wenn die Herren Lust haben, stehen sie zum nächsten Konzert wieder auf", meinte Lone Cat Erichson, als sie sich von der Bühne verabschiedeten. Manchmal stehen sie übrigens gemeinsam auf, wenn sie kein Konzert geben, sondern eine Platte einspielen, wie 2012 "Kansas" oder 2014 "Easy lovin".

Quelle: RP
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