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Moers
Bombenalarm am Bahnhof

Herrenloser Koffer am Bahnhof in Moers gefunden
Herrenloser Koffer am Bahnhof in Moers gefunden FOTO: Rene Anhuth / ANC-NEWS
Moers. Ein herrenloser Koffer auf dem Bahnhofsvorplatz hat in Moers gestern ein Verkehrs-Chaos ausgelöst. Straßen wurden gesperrt, Häuser evakuiert, Züge fielen aus. Eine Bombe wurde nicht gefunden. Von Jürgen Stock

Am Tag vier nach den Attentaten von Paris hat die Angst vor dem Terror auch Moers erreicht -und den Verkehr teilweise zum Erliegen gebracht. Mehr als drei Stunden lang bestimmten am Morgen schwer bewaffnete Polizisten, Rettungswagen und ein Sprengstoffroboter des Landeskriminalamts das Straßenbild vor dem Moerser Bahnhof, ehe kurz nach zehn Uhr klar wurde, dass der vermeintliche Bombenanschlag vermutlich nur ein makabrer Akt illegaler Abfallbeseitigung war.

Die Geschichte des gestrigen Großeinsatzes beginnt kurz nach sechs Uhr morgens. Da überquert Jürgen Klaus (59) auf dem Weg zu seinem Büro bei der städtischen Sanierungsgesellschaft ProSa den Moerser Bahnhofsvorplatz. Dabei fällt ihm ein silberner Alu-Koffer auf, der neben einem Papierkorb steht und offenkundig keinem der Passanten gehört, die sich um diese Zeit dort aufhalten. Als er einige Minuten später noch einmal aus dem Fenster schaut, steht der Koffer immer noch da. Klaus bespricht sich kurz mit seinen Kollegen, dann greift einer zum Telefon und ruft die Polizei an. "Ich wusste ja, dass bald die ersten Kinder erscheinen würden. Da will man sich hinterher nichts vorwerfen lassen müssen", sagt Klaus.

Anschlags-Versuche in der Region

Knappe fünf Minuten später fährt der erste Polizeiwagen vor. Beamte nehmen den Koffer in Augenschein. Als kurz nach sieben der Zug aus Xanten einfährt, ist der Vorplatz schon nach allen Seiten abgesperrt. "Wir mussten zunächst auf dem Bahnsteig bleiben", berichtet Nena Weigand, die auf dem Weg zum Mercator-Berufskolleg ist. "Dann wurden wir durch den Tunnel über die Baustelle auf die andere Seite der Bahntrasse gebracht. Als Nena ihren Freunden zu Hause erzählt, dass sie wegen eines Bombenalarms zunächst nicht zur Schule kommen könne, habe ihr zunächst niemand geglaubt. "Dabei hatte ich nach all dem, was in Paris geschehen ist, wirklich Angst."

Tatsächlich ist die Szenerie die sich nun im Minutentakt vor dem Moerser Bahnhof entwickelt, furchteinflößend. Schwer bewaffnete Polizisten tauchen auf mit Maschinenpistolen in den Händen. Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge gehen in Stellung. Die Wache auf der Essenberger Straße ist direkt um die Ecke.

Da die Lage unklar ist, wird die Umgebung des Bahnhofs evakuiert. Die Nordwest-Bahn von Xanten nach Duisburg muss kurz nach sieben Uhr den Betrieb einstellen. Die Züge fahren nur noch bis Trompet oder Rheinberg. Auch der Autoverkehr über die Homberger Straße wird umgeleitet. Dadurch kommt es auf den Nebenstrecken ringsum zu chaotischen Szenen. "Unsere Busse hatten teilweise bis zu 20 Minuten Verspätung", berichtet Beate Kronen von der Niag. Weil Reisende mit Fahrtrichtung Duisburg nun auf die Schnellbusse ausweichen, spitzt sich auch dort die Situation zu. Die Busse sind teilweise so voll, dass Fahrgäste an den Haltestellen nicht mitgenommen werden.

Währenddessen ist ein Sprengstoffroboter des Landeskriminalamts aus Düsseldorf eingetroffen. Zwei Versuche, mit Hilfe des ferngesteuerten Geräts eine Röntgenaufnahme des Koffers zu machen, scheitern. Schließlich wagt sich gegen zehn Uhr ein Beamter an den Koffer und durchleuchtet ihn. Er ist leer. Als Spezialisten ihn öffnen, entdecken sie, dass er beschädigt ist. Vermutlich, so ein Polizeisprecher, sei das der Grund, warum jemand ihn vor dem Bahnhof abgestellt habe. Der Alarm wird aufgehoben. Die Züge rollen wieder. Nena Weigand macht sich auf den Weg zum Unterricht. Viele Schüler kommen an diesem Tag zu spät. Sollte die Kripo den Kofferbesitzer ermitteln, so die Polizei, werde der wohl die Kosten des Einsatzes bezahlen müssen.

Quelle: RP
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