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Unsere Woche
Bücher für die Zukunft

Moers. Die Stadt Neukirchen-Vluyn erwägt, die Bücherei in Vluyn zu schließen. Dagegen regt sich im Ortsteil erbitterter Widerstand. Jetzt sind kreative Köpfe gefragt.

Als ich vor vielen Jahren nach Neukirchen-Vluyn zog, war der Förderverein der Stadtbibliothek der erste Verein, dem ich beitrat. Auch wenn unsere Kinder die Bücherei in Vluyn nicht so häufig aufsuchten, wie wir uns als Eltern dies vielleicht gewünscht hätten, war und ist es für uns selbstverständlich, das Lesen als Kulturgut zu fördern. Offenbar denken viele meiner Mitbürger in Vluyn ähnlich: Manche Geschäftsinhaber kommen kaum mit dem Drucken der Formulare für die Unterschriftenlisten nach, mit denen Vluyner, aber auch Neukirchener, Rheurdter und Tönisberger gegen die drohende Schließung der Zweigstelle in Vluyn protestieren. Die Bibliothek ist neben der Kulturhalle und Kirche das Herz des Ortsteils. Ein Treffpunkt für Kinder und ältere Menschen. Ein Pfeiler der Bildung. Muss man sich da als Vluyner Bürger nicht auf die Seite der Protestbewegung stellen?

Die Antwort ist ein klares "Ja, aber". Wir sind gesellschaftlich und moralisch verpflichtet, das Kulturgut "Buch" für die kommende Generation zu erhalten. Aber wir können auch nicht die Realitäten ignorieren. Der Stadt Neukirchen-Vluyn droht ein ähnliches Finanzdesaster, wie es die Stadt Moers bereits erlebt hat. Mit Recht weist die Gemeindeprüfungsanstalt darauf hin, dass zwei nahezu gleichgroße Büchereizweigstellen für eine Stadt wie Neukirchen-Vluyn ein Luxus sind. Alleine für die Bücherei in Vluyn sind 60 000 Euro Miete im Jahr fällig. Das ist nicht gerade wenig, bedenkt man, dass das ehemals der Sparkasse gehörende Gebäude zu Beginn des Jahres angeblich für 350 000 Euro zum Verkauf stand. Verständlich, dass die Stadt nach Lösungsmöglichkeiten sucht. Wie könnten die aussehen?

Ausgeschlossen ist eine Schließung ohne jede weitere Kompensation. Das würden die Vluyner nicht hinnehmen. Schwer vorstellbar ist aber auch eine Verlagerung in die Kulturhalle. Das wäre lediglich ein Feigenblatt, das täglich an das Versagen von Politik und Verwaltung erinnern würde. Warum hat niemand mal den Mut, in die Zukunft zu denken? Neukirchen und Vluyn wachsen allmählich zusammen. Warum also denken Verwaltung und Politik nicht mal über eine Bücherei auf dem Bindestrich nach. Natürlich müsste dann auch die Filiale in Neukirchen aufgegeben werden. Dafür aber hätte die Stadt ein Medienzentrum, wie es sich die Kamp-Lintforter bereits gegönnt haben. Zumindest müsste dieses Modell mal sauber durchgerechnet werden.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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