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Unsere Woche
Bundestag 2017: Das Rennen ist eröffnet

Moers. Die Ankündigung von Kerstin Radomski, ihren Wahlkreis direkt holen zu wollen, setzt die SPD unter Zugzwang.

Kerstin Radomski tritt 2017 wieder zur Bundestagswahl im Wahlkreis Wesel II an. Die Vorstandsgremien der CDU in Krefeld, Moers und Neukirchen-Vluyn haben ein derart deutliches Votum für die 41-Jährige ausgesprochen, dass die Wahl durch eine Delegiertenversammlung nur noch eine Formsache ist.

Damit haben die Christdemokraten einen perfekten Sinn fürs Timing bewiesen, nachdem Siegmund Ehrmann (SPD) erklärt hatte, 2017 nicht mehr antreten zu wollen. Durch ihren Schachzug verstärkt sich der naturgegebene Bonus der Amtsinhaberin. Mit jedem Tag, der ab jetzt vergeht, ohne dass die SPD einen Kandidaten oder eine Kandidatin präsentiert wird sich beim Wähler der Eindruck verstärken, dass die Partei gar nicht über das nötige Personal verfügt, das in der Lage wäre, höhere Aufgaben auf Bundesebene zu übernehmen. Diesen Effekt sollten sich alle jene Sozialdemokraten durch den Kopf gehen lassen, die selbigen in den Sand stecken und so tun, als ob noch gaaanz viel Zeit bis zur Bundestagswahl wäre. Kalendarisch mag das stimmen, nicht aber politisch. Natürlich machen sich trotz öffentlicher Dementis inzwischen alle Sozialdemokraten zwischen Krefelder Nordwall und Moers-Kohlenhuck so ihre Gedanken, wer's denn am Ende mit der - anfangs selbst in der eigenen Partei unterschätzten - Radomski aufnehmen könnte. Und manch einer ist inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass da gar niemand ist; jedenfalls keiner der bereit wäre, das dräuende Risiko einer Niederlage in Kauf zu nehmen. Da ist manch einem der wohlgenährte Spatz im Landtag lieber als die Taube auf dem Reichstagsdach.

Inzwischen sind schon vereinzelt Überlegungen zu hören, ob man nicht auswärtigen SPD-Leuten mit geschärfterem Profil eine Chance bieten sollte, am Niederrhein anzutreten. Nun, die Genossen, die so etwas erwägen, sollten einmal bei alten CDU-Leuten nachfragen, was denn die Kandidaturen von Heinrich Köppler oder Karl Lamers für die Partei vor Ort bewirkt habe.

Für die Verantwortlichen in der SPD ist eine solche Option ausgeschlossen. Sie wäre eine politische Bankrotterklärung. Die Partei ist darauf angewiesen, auf Gedeih und Verderb einen Kandidaten vor Ort zu finden - und das möglichst schnell.

Die Christdemokraten dagegen können das Thema Bundestag erst mal innerlich abhaken und sich nun in Ruhe überlegen, wie sie die Nachfolge für die Landtagsabgeordnete Marie- Luise Fasse regeln. Da könnte allenfalls ein Luxusproblem dräuen: Dass gleich mehr gute Kandidaten gegeneinander antreten.

Ein schönes Wochenende! juergen-stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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