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Moers
Bundesverdienstkreuz für Renate Tschirner

Moers: Bundesverdienstkreuz für Renate Tschirner
Renate Tschirner gestern in der Moerser Neustraße. Heute erhält sie in Düsseldorf das Bundesverdienstkreuz. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Die 78-jährige Moerserin gründete 1980 den Elternkreis drogengefährdeter Jugendlicher. Von Jürgen Stock

Die Stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann wird heute Abend den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland in der Düsseldorfer Villa Horion an Renate Tschirner verleihen. Damit würdigt die Bundesrepublik das vielfältige soziale und kulturelle Engagement der 78-Jährigen, die bereits Trägerin des Ehrenrings der Stadt Moers ist.

Tschirner ist in Moers vor allem als Gründerin eines Elternkreises drogenabhängiger und drogengefährdeter Jugendlicher bekannt. Als ihre Tochter in den 70er-Jahren in die Drogenszene geriet, musste Tschirner feststellen, dass es in Moers keine Anlaufstelle gab, wo sie hätte Hilfe finden können. Gemeinsam mit ihrem Ehemann rang sie sich dazu durch, unter anderem in dieser Zeitung über ihre Probleme zu berichten und ihre Telefonnummer zu veröffentlichen. Daraufhin meldeten sich Eltern mit ähnlichen Problemen. Zunächst trafen sich die Betroffenen in den Privaträumen der Eheleute. 1980 gründete sich dann der Elternkreis als eingetragener Verein mit Renate Tschirner als erster Vorsitzenden.

Tschirners Engagement beschränkte sich nicht auf Bemühungen, das Theapie- und Beratungsangebot in Moers zu verbessern. Nach ihrer Wahl in den Rat 1979 wurde sie zwei Jahre später als Delegierte zu einem internationalen Kongress über Drogen nach Den Haag geschickt. Sie erinnert sich noch genau an die Reaktionen, die ihre Äußerungen über sogenannte weiche Drogen dort hervorriefen: "Während die Experten auf mich losgingen, spendeten mir die holländischen Eltern betroffener Jugendlicher Beifall." Seitdem bestehen enge Kontakte zwischen niederländischen Eltern und dem Moerser Elternkreis.

Im Auftrag des Bundesverbandes der Elternkreise, den sie mitbegründete, bereiste sie ganz Deutschland, um anderen Betroffenen zu helfen. Besonders gern erinnert sie sich an ihre Treffen mit Marianne von Weizsäcker, der Ehefrau des damaligen Bundespräsidenten, die die Schirmherrschaft über den Bundesverband übernommen hatte. Viele Jahre lang arbeitete sie zudem als Jugendschöffin und als Schiedsperson am Amtsgericht Moers. "Das hat mir sehr viel Lebensweisheit gegeben", sagt Tschirner.

Im fortgeschrittenen Alter erfüllte sie sich dann einen Lebenstraum: Sie ging auf die Bühne. "Als junges Mädchen wollte ich immer Schauspielerin werden", sagt sie. So half sie mit, eine Senioren-Theatergruppe zu gründen. 2003 feierte das Stück "Bilanz" im Moerser Schlosstheater Premiere. 17 der 18 Vorstellungen waren ausverkauft.

Quelle: RP
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