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Moers
Bunte Stifte für mehr Menschlichkeit

Moers: Bunte Stifte für mehr Menschlichkeit
Zahlreiche ehrenamtliche Helfer wurden von Hayat Ketfi (2. v. r.) und Amar Azzoug (r.) geehrt. FOTO: Klaus Dieker
Moers. "Verbundenheit in Vielfalt" - unter diesem Motto zeichnete der "Bunte Tisch Moers" zwei besondere Männer aus und würdigte die Arbeit zahlreicher weiterer Menschen, die sich für Integration und Menschlichkeit engagieren. Von Ulrike Rauhut

Kein förmlicher Festakt, sondern eine emotionale, inspirierende Feier voll echter Herzenswärme ist die Preisverleihung im evangelischen Gemeindehaus in Meerbeck am Freitagabend. Und so wundert es nicht, dass nicht der offizielle Hauptanlass als Höhepunkt des Abends empfunden wird, sondern was unter "Diverse Ehrungen" auf dem Programmblatt steht: Das große Dankeschön an all die ehrenamtlichen Helfer, die eigentlichen Helden des Alltags. Zum Beispiel Monika Liermann. Die 39-jährige begleitet seit Anfang des Jahres den 23-jährigen Ousmane Sylla aus Guinea. Aus wechselseitigem Sprachunterricht wurde Freundschaft. Als Ousmane auf der Bühne seine selbstverfasste Dankesrede auf Monika abliest, ist sie überwältigt, stolz und gerührt. Wie die anderen Ehrenamtlichen ist sie für ihren Schützling da. Wenn er abends alleine in seiner kleinen Wohnung sitzt, zwar raus aus der Enge der Gruppenunterkunft, aber plötzlich allein mit seinen schmerzvollen Erinnerungen, dann kann er Monika anrufen. Wenn sie Zeit hat, kommt sie vorbei. Sie reden und sie gehen zusammen spazieren. Dafür hat sie wahrlich einen Orden verdient. Nach und nach kommen sie alle auf die Bühne. Bis dort mehr Menschen stehen, als im Saal sitzen: Die Ehrenamtler und die Kooperationspartner des Bunten Tisches. Alle diejenigen, die, so der Vorsitzende Amar Azzoug, mithelfen, die Gesellschaft herzlicher zu gestalten. Sie bekommen einen Orden mit einer Friedenstaube und der Gravierung "Ehrenamt für Menschlichkeit" sowie eine weiße Rose überreicht. Und schließlich bedankt sich der ganze Saal mit "Standing Ovations" bei Azzoug und seinen Mitarbeiterinnen Hayat Ketfi, Adell Sliwa und Christina Tannous .

Mit dem "Bunten Stift" zeichnet der Bunte Tisch seit 2003 Menschen in Moers aus, die sich für das bessere Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen einsetzen und die Philosophie des Vereins verbreiten helfen. Er ist die Miniatur eines Kunstwerkes, das vom jordanischen Bildhauer Nazih Oweis gemeinsam mit Jugendlichen kreiert wurde. Der Preis wird an zwei besondere Männer verliehen: Ibrahim Yetim und Freddy Fischer. Als Landtagsabgeordneter und Mitglied des Moerser Rates hat Yetim seit Mitte 2014 die Schirmherrschaft über das Projekt "Bildung - ein Grundrecht für alle" übernommen, durch das Flüchtlinge in speziellen Qualifizierungsmaßnahmen zu einem Berufsabschluss geführt werden. Yetim, so Hans-Gerd Rötters in seiner Laudatio, sei ein Mann der Tat, der das Motto "Integration durch Bildung" selbst vorgelebt habe. Denn der Sohn türkisch-kurdischer Einwanderer arbeitete zunächst unter Tage, bevor er sein Abitur nachholte und studierte. Der Geehrte selbst verwies auf den unermüdlichen Einsatz des Bunten Tisches und forderte, alle Organisationen in Moers sollten sich verbinden und gemeinsam für die Integration von Flüchtlingen arbeiten.

Freddy Fischer (l.) mit Laudator Michael Passon FOTO: Dieker, Klaus (kdi)

Fischer, der in Essen eine erfolgreiche Firma hat, unterstützt mit seiner Stiftung bundesweit 43 Projekte. Die Arbeit des Bunten Tisches in seiner Wahlheimat Moers liegt ihm ganz besonders am Herzen. Fischer, ein "Engel mit Ecken und Kanten", wie ihn sein Freund und Laudator Michael Passon nennt, gebe nicht nur Geld. Er begebe sich auf Augenhöhe mit den Menschen, höre zu und packe an. Es sei seine besondere Gabe, Menschen für wichtige Hilfsprojekte zu begeistern. "Friendraising" nenne das der gebürtige Westerwälder. "Der Bunte Tisch ist ein Juwel, denn hier ist die Liebe als Kraft spürbar", sagt Fischer. Die hier initiierten Projekte haben Strahlkraft und Vorbildcharakter für das ganze Land.

Einen passenden Rahmen bekam der bewegende Abend durch den Geschichtenerzähler und Entertainer Dr. Ibrahima Ndiaye. Der mehrfach ausgezeichnete Senegalese aus dem Saarland gab mit viel Witz und mitreißender Musik Einblicke in die afrikanische Kultur. Auch die Schülerin Kelly Ayaba trug mit ihrem Gesang zum Gelingen der Feier bei.

Laudator Hans-Gerd Rötters (l.) mit Ibrahim Yetim FOTO: Dieker, Klaus (kdi)
Quelle: RP
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