| 00.00 Uhr

Unsere Woche
Caritas heißt Nächstenliebe

Moers. Die Caritas baut ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe am Niederrhein aus. Das steht dem Verband gut zu Gesicht. Schließlich heißt Caritas auf Deutsch: Nächstenliebe.

Eine der schönsten Weihnachtsfeiern, die ich in diesem Jahr erlebt habe, war eigentlich gar keine, obwohl sie im Saal einer evangelischen Kirchengemeinde in Meerbeck stattfand. Dort vergab die Flüchtlingshilfsaktion "Bunter Tisch" den "Bunten Stift", eine Auszeichnung, die nur in unregelmäßigen Abständen verliehen wird. Preisträger in diesem Jahr waren der Unternehmer Freddy Fischer und der Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim. Keiner im Saal hatte einen Zweifel daran, dass beide die Ehrung verdient hatten.

Niemand, einschließlich der beiden Geehrten, hat aber bedauert, dass bei dieser Veranstaltung die Preisträger nicht im Mittelpunkt standen. Am eindruckvollsten war es, mitzuerleben, wie viele Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialer Stellung im vergangenen Jahr ehrenamtlich den Menschen geholfen haben, die als Flüchtlinge in unser Land gekommen sind.

Das, was dort auf der Bühne zu erleben war, hatte nichts mit notorischem Gutmenschentum, sehr viel aber mit praktizierter Nächstenliebe zu tun. Amar Azzoug, der Vorsitzende des Bunten Tisches, erinnerte an die Ankunft der ersten Gäste der erst tags zuvor Hals über Kopf eingerichteten Landesnotunterkunft in Kapellen. Damals rechnete die Hilfsaktion mit einem Einsatzzeitraum von drei Wochen. Daraus ist jetzt schon beinahe ein halbes Jahr geworden.

Niemand hätte damals daran geglaubt, dass es möglich sein würde, ein derartiges Engagement über einen so langen Zeitraum aufrechterhalten zu können. Das ist bewundernswert, zumal da ja nicht nur die üblichen Kümmerer am Werk sind, sondern sich breite Schichten der Bevölkerung in dieses einmalige soziale Hilfsprojekt einschalten.

Jetzt aber kommt es darauf an, diese soziale Bewegung zu verstetigen. Das hat die Caritas erkannt. Die katholische Hilfsorganisation hat in diesem Jahr allein für den linksrheinischen Teil des Kreises Wesel 100 zusätzliche Kräfte zur Betreuung der Flüchtlinge eingesetzt.

Das beweist Weitblick. Selbst wenn die Zustromzahlen zurückgehen, wird uns das Flüchtlingsproblem noch auf Jahre hinaus erhalten bleiben. Fraglich ist nur, ob es der Caritas auch in Zukunft gelingen wird, die benötigten Fachkräfte anzuwerben. Aber vielleicht gelingt es ja, einige der Betreuer unter den Flüchtlingen selbst zu rekrutieren. Damit würde man Menschen einen Job geben und deren besondere sprachlichen und kulturellen Qualifikationen sinnvoll nutzen.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Unsere Woche: Caritas heißt Nächstenliebe


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.