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Moers
Caritas-Helfer: Freude über Flüchtlinge

Moers: Caritas-Helfer: Freude über Flüchtlinge
FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Moers. Seit Montag herrscht mit der Ankunft von rund 150 Flüchtlingen wieder Leben in den Landesnotunterkünften an der Ernst-Holla-Straße und in Kapellen. Seit Weihnachten standen beide Moerser Heime mit 515 Betten leer. Von Jürgen Stock

Langsam steigen die Temperaturen in der ehemaligen Justus-von Liebig-Schule an der Ernst-Holla-Straße auf zweistellige Werte. Noch vor wenigen Tagen war es hier saukalt. Fast zwei Monate lang war nicht geheizt worden, weil die Landesnotunterkunft zur Aufnahme von Flüchtlingen leer stand. Erst seit die Bezirksregierung Düsseldorf das elfköpfige Betreuerteam der Caritas am vergangenen Freitag über Whatsapp informierte, dass am Montag neue Flüchtlinge in der Unterkunft eintreffen würden, läuft die Heizung wieder. Bis da hatten die dick in ihre Mäntel eingemummten Helfer reichlich Gelegenheit, sich auf die Neuankömmlinge vorzubereiten.

"Als wir hörten, dass endlich wieder Leute kommen, brach bei uns fast schon so etwas wie Jubel aus", berichtet Dörte Dreher-Peiss. Die gelernte Lehrerin, die zuvor drei Jahre lang ein Migrantenprojekt in Wuppertal betreut hatte, hatte sich eigens für den Leiter-Job in der Moerser Einrichtung gemeldet, weil sie die Herausforderung reizte.

FOTO: Dieker, Klaus (kdi)

Vom 20. November bis zum 22. Dezember hatten die Caritas-Leute und viele ehrenamtliche Helfer alle Hände voll zu tun. Das Haus war mit 200 Plätzen voll belegt. Doch dann stoppte der Zustrom an Flüchtlingen nach Deutsachland. Die regulären Aufnahmeeinrichtungen reichten aus, die Neuankömmlinge aufzunehmen.

So beschäftigten sich die Caritasmitarbeiter in den folgenden Wochen vorwiegend mit Teamsitzungen und dem Schreiben von Erfahrungsberichten. Es war schon eine reichlich absurde Situation in den vergangenen Wochen. Während andernorts geschulte Hilfskräfte verzweifelt gesucht werden, durfte die Caritas ihre Leute in Moers nicht für andere Projekte einsetzen, in denen möglicherweise helfende Hände willkommen wären. "Das", sagt Bereichsleiterin Brunhilde Demmer, "wäre eine verbotene Doppelfinanzierung. Da achtet das Land streng drauf, dass wir so etwas nicht machen."

Die Helfer selbst litten am meisten unter der Situation: Laura Standke zum Beispiel hätte nach dem Abschluss ihres Studiums in International Marketing auch einen anderen Job als den bei der Caritas annehmen können. Aber sie wollte bei diesem Projekt dabei sein, ebenso wie Mehdi Pour Bakhsh, der vor drei Jahren selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen war. Andere Teammitglieder, berichtet Demmer, hätten feste Anstellungsverhältnisse aufgegeben, um hier helfen zu können.

Auch die Stadt durfte die Unterkünfte in den vergangenen Wochen nicht zur Unterbringung "eigener" Flüchtlinge nutzen. Immerhin konnte sich Michael Rüddel, Fachbereichsleiter Soziales, damit trösten, dass ihm die 515 Plätze in beiden Einrichtungen bei der Zuweisungsquote angerechnet werden, ob sie belegt sind oder nicht.

Ob die jüngsten Zuweisungen von insgesamt 145 Menschen schon der Anfang des erwarteten Frühjahrszustroms ist, kann kein Mensch vorhersagen. "Wir haben jedenfalls festgestellt, dass die Zusammensetzung der Flüchtlinge eine ganz andere ist als im vergangenen Jahr", sagt Clemens Sprünken, der gemeinsam mit Dreher-Peiss, die Flüchtlingsbetreuung in der Ernst-Holla-Straße leitet. "Dieses Mal kommt rund die Hälfte der Flüchtlinge aus Afghanistan, darunter viele Familien mit Kindern."

Aufgrund der Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr, wissen die Caritas-Mitarbeiter, dass Spracherwerb wichtig ist, alleine aber nicht ausreicht. "Deshalb wollen wir künftig die Deutschkurse mit praktischen Dingen verbinden, zum Beispiel mit Fragen zur Hygiene oder dem Essen." Bereits heute soll in der Turnhalle ein Bauchtanz-Kurs starten, zu dem sich schon viele Frauen angemeldet hätten. Zum Frühjahr hin sollen gemeinsam Blumenkübel gebastelt und mit Heilpflanzen besetzt werden. Eine schöne Idee: Wenn die jetzt angekommenen Flüchtlinge bereits auf die Kommunen im Land verteilt sind, werden immerhin ihre Nachfolger etwas von ihrer Arbeit haben.

Quelle: RP
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