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Moers
Caritas-Werkstätten finden Partner in Holland

Moers: Caritas-Werkstätten finden Partner in Holland
Anspruchsvolle Auftraggeber: Im Metallbereich werden in der Werkstatt in Panningen auch hochwertige Teile für deutsche Automobilhersteller produziert. Strenge Qualitätskontrolle gehört deshalb zum Arbeitsablauf dazu. FOTO: Andrea Emde
Moers. Die Einrichtungen in Rheinberg, Moers und Rheinhausen kooperieren mit der NLW Group in Panningen kurz hinter Venlo. Von Dirk Möwius

Auf den ersten Blick könnte man bei den Caritaswerkstätten in Rheinberg, Moers oder Rheinhausen zu Gast sein. Die behinderten Mitarbeiter sitzen konzentriert an ihren Arbeitsplätzen, freuen sich aber über den Besuch und erzählen gern, was sie genau machen. Als dann das Signal zur Pause kommt, beginnt schnurstracks die große Wanderung zur Kantine, die hier Restaurant heißt. Und spätestens der Raucherbereich, in dem man neben dem "kopje koffie" (Tasse Kaffee) seine Zigarette genießen kann, zeigt, dass wir im Ausland sind. Genauer gesagt in den Niederlanden, in den Werkstätten der NLW Group in Panningen kurz hinter Venlo. "NLW'' steht für Noord-Limburg West, die Region, die Sitz ist für das Unternehmen "Centrum voor sociaal-maatschappelijke Werkgelegenheid", also ein Zentrum für sozial-gesellschaftliche Beschäftigung.

Die Caritas Wohn- und Werkstätten (CWWN) mit ihren Betrieben in Moers, Rheinberg und Rheinhausen kooperieren seit einiger Zeit mit den Kollegen in den Niederlanden - seitdem sich Norbert Weyers, Kundenberater bei den CWWN, und Dr. Peter Fleuren, Geschäftsführer der NLW Group, durch den Businessclub Maas-Rhein kennengelernt hatten. Denn durch die unterschiedliche Ausrichtung gibt es Aufträge, die entweder auf deutscher oder niederländischer Seite besser abzuwickeln sind.

Erstes Beispiel: Eine kurzfristige Anfrage, über 600.000 Masken mit Star-Wars-Motiven mit Gummis zu versehen, überforderte die Möglichkeiten der Caritas-Werkstätten. Es gab einfach nicht genug Kapazitäten. Die niederländischen Kollegen sprangen spontan ein. Fleuren: "Wir können auch kurzfristig sagen, lasst Eure Arbeit fallen, wir kümmern uns erst um diese Masken." Bei hochwertigen Aufträgen etwa rund um das Thema Holz würden die Niederländer umgekehrt auf die Möglichkeiten am Niederrhein verweisen. So zum Beispiel, als eine Brauerei schnell 50.000 Bretter für die wieder gefragten nostalgischen Holzbierkästen benötigte.

"Eigentlich ist da doch keine Grenze", sagt Fleuren. Und: "Am Ende geht es doch immer um die Menschen." Das passt auch für die CWWN in ihre Strategie, die auch innerhalb Deutschlands mit benachbarten Werkstätten zusammenarbeiten.

Doch was ist anders in den Niederlanden? Die NLW Group ist ein von der Kommune getragenes Unternehmen. Dort finden nicht nur behinderte Menschen Arbeit, auch Langzeitarbeitslose oder andere Menschen, die sich auf dem ersten Arbeitsmarkt schwertun, werden dort beschäftigt. Schwerstbehinderte oder mehrfach behinderte Menschen, die am Niederrhein auch ihren Platz in den Caritaswerkstätten völlig unabhängig von ihrer Produktivität finden, sieht man in der niederländischen Werkstatt nicht. Sie werden in Tagesstätten betreut. Auch das Thema Wohnen mit allen Formen der Betreuung, um das sich die CWWN am Niederrhein intensiv kümmert, gehört nicht zu den Aufgaben der NLW Group. Sie sucht als Dienstleister Aufträge für ihren Betrieb, vermittelt auch gern und in großer Zahl ihre Arbeitskräfte an andere Betriebe. Das gibt es zwar auch am Niederrhein, aber noch eher als Ausnahmefall. In der Panniger Werkstatt haben sich sogar andere Firmen eingemietet, für die dann die behinderten Mitarbeiter auch arbeiten. "Durchaus ein Blick in die inklusive Zukunft", so Norbert Weyers von den CWWN.

Herausragend sind in Panningen, wo im Metallbereich auch hochwertige Teile für deutsche Automobilhersteller produziert werden, zwei Projekte. Zum einen werden die Rollstühle, die in Holland die Kommune beeinträchtigten Bürgern zur Verfügung stellt, dort gereinigt und wieder instandgesetzt. Und ein echter Verkaufsschlager sind unter dem Namen "Solid Gray" leichte und zugleich stabile Rucksäcke der Designer Herman Lijmbach und Jasper de Leeuw. In Panningen werden sie in den von den Kunden gewünschten Farbkombinationen zusammengesetzt und verschickt.

Die deutsch-niederländische Kooperation soll auf jeden Fall fortgesetzt und ausgebaut werden. Denkbar wäre auch ein Treffen der Werkstatträte, so dass auch die behinderten Mitarbeiter kennenlernen, wie auf der anderen Seite der Grenze gearbeitet wird.

Quelle: RP
 
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