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Rheurdt
Chormusik drückt die Sehnsucht nach Frieden aus

Rheurdt. Ernste Töne im Gemeindezentrum: Das Ensemble Opella Nova interpretierte Gesänge über den Krieg. Von Peter Gottschlich

Möglicherweise lag es am Zeitpunkt: Wenn am 1. Mai das frische Grün ausschlägt und Frühlingsgefühle erwachen, fällt es offenbar Menschen schwer, sich noch einmal in die Passionszeit zurückzuversetzen, um Gesänge und Gedichte zum Thema "Krieg und Frieden" zu hören. Vielleicht waren deshalb nur 35 Zuhörer in das evangelische Gemeindezentrum in Rheurdt gekommen, um das a-Cappella-Ensemble Opella Nova zu hören. Die fünf Ensemblemitglieder zeigten, wie sich die Spur langer und unerbittlicher Kriege durch alle Jahrhunderte zieht, die Menschen vernichten und Überlebende traumatisieren. Sie spürten auf, wie Komponisten und Poeten diese Spur des Leidens immer wieder aufnahmen, um mit ihr leben und nicht von ihr erdrückt zu werden.

Als in Deutschland von 1618 bis 1648 der 30-jährige Krieg jeden dritten Menschen in den Tod riss, dichtete Johann Wilhelm Simler zu einer Melodie des Barockkomponisten Adam Steigleder "O Frid, o Frid, wo findt man Dich, Europa nach dir sehnet sich." Paul Gerhardt schrieb zu gleichen Zeit sein "Bittlied um Schutz Gottes in bisherigen gefährlichen Kriegszeiten" oder Heinrich Schütz komponierte "Verleih uns Frieden gnädiglich". Die fünf Ensemblemitglieder, die in Dortmund und Umgebung leben, brachten das Leid dieses Krieges sehr eindringlich nahe, wie nicht nur Pfarrer Jürgen Kunellis meinte.

Ähnlich wie der 30-jährige Krieg hinterließ der Erste Weltkrieg tiefe Spuren. So verfasste Bertolt Brecht den Text "Gegen den Krieg", der von Hanns Eisler vertont wurde. Gerade bei dieser Zwölftonmusik konnten die fünf Sänger zeigen, warum sie erfolgreich die Folkwang-Hochschule in Essen, die Kirchenmusik-Hochschule in Herford und das Musikinstitut der Universität Dortmund erfolgreich besucht haben: Bettina Auf'm Kolk (Sopran), Susanne Riediger (Mezzosopran), Beate Jordan (Alt), Adrian Kroneberger (Tenor) und Thomas Stenzel (Bass).

Eine noch schrecklichere Spur hinterließ der Zweite Weltkrieg, über den zum Beispiel Ingeborg Bachmann in ihrem Gedicht "Alle Tage" reflektiert. Diese Spur nahm auch Knut Nystedt auf, um mit seinem Lied "Peace I leave with you" biblisch darauf zu blicken. Oder auch Hanns Dieter Hüsch spürte sie auf, als er sein Gedicht "Ich setze auf die Liebe" schrieb, die den Hass besiegt. Am Ende applaudierte das Publikum bewegt.

Quelle: RP
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