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Klingelbeutel
Christen finden sich nicht mit dem Tod ab

Moers. Zu den Feiertagen reflektiert Pfarrer Stefan Maser über die Ereignisse und Bilder des Jahres. Für ihn ist das Fest der Auferstehung Ermutigung, sich nicht der Ausweg- und Hoffnungslosigkeit in die Arme zu werfen.

Ostern, Sieg des Lebens über den Tod! Seit Ostern sucht Gottes Treue Wegbereiter, um Hand und Fuß zu gewinnen in dieser Welt!" Während ich alte und neue Ostergedanken bewege, gibt es auch draußen in der Natur wieder Osterboten. Meine jüngeren Kinder und ihre Freunde spielen vor meinem Fenster im ersten Grün und zwischen gelben Osterglocken. Gleich wird meine Frau sie hereinrufen, noch wird es abends schnell kalt. Mit diesem Bild kommen mir andere Bilder dieses Jahres in den Sinn, von Kindern und ihren Eltern an Bahngleisen und Grenzzäunen, in Zelten zwischen Schlamm und Abfällen. Dabei sind einige Bilder, die ich meinen Kindern weder zeigen noch erklären kann. Eines von einem Neugeborenen, das sein erstes Bad an einem Winterabend aus einer Plastikflasche über einer Pfütze bekommt. Was tun Christinnen und Christen, weil sie Ostern glauben? In Griechenland versorgen kleine evangelische Gemeinden gestrandete Menschen an verzweifelten Orten mit Lebensmitteln, Holz für die offenen Feuer, an denen sie sich wärmen, und menschlicher Anteilnahme. Sie tun viel mehr, als man nach ihrer Mitgliederzahl und Finanzkraft für möglich halten würde. Ich werde mich genau erkundigen, was sie uns zu sagen haben und was sie von unseren evangelischen Kirchen und Gemeinden in Deutschland erwarten. Den nächsten neuen Nachbarn aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak, mit dem ich zusammentreffe, werde ich fragen, um wen er sich noch ängstigt. Weil Menschen, die ihm am Herzen liegen, immer noch in Gefahr oder sonst einer unerträglichen Lage sind. Christinnen und Christen sind "Protestleute gegen den Tod". Sie können sich nicht mit ihm abfinden. Vor allem nicht in der vermeidbaren, meist von Menschen verursachten Gestalt der Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Einfach als logische Konsequenz aus Ostern.

STEFAN MASER, PFARRER IN DER EV. KIRCHENGEMEINDE HOERSTGEN

Quelle: RP
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