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Moers
Comedy Arts, die zweite: Blödeln mit Oropax

Moers. Das Humorspektakel wartete am zweiten Festivaltag mit witzigen Musik-Komödianten und zwei altbekannten Sprachakrobaten auf. Das Chaostheater "Oropax" blödelte sich im besten Humor-Sinne durch sein Programm. Von Anja Katzke

Eine Stunde vor dem Einlass bildet sich ein lange Schlange vor der Festivalhalle. Zwei Stunden, bevor das Programm überhaupt startet. Die Moerser Combo "Herrensalon" unterhält die wartenden Comedy-Arts-Fans, die sich die besten Plätze sichern wollen. Drinnen lässt sich das Festival derweil beim offiziellen Empfang gerade selbst ein bisschen feiern. Das Team freut sich, dass zumindest in diesem Jahr das finanzielle Korsett nicht ganz so eng geschnürt ist wie in den Vorjahren. Wenke Seidels Hilferuf 2016 war gehört worden. Nachdem die Geschäftsführerin des veranstaltenden Jugendkulturvereins Bollwerk 107 die finanzielle Situation deutlich gemacht hatte, reagierte die Stadt und stellte Mittel aus dem Topf "Demokratie stärken" sozusagen als Moerser Signal zur Verfügung. Das freute Seidel, obwohl sie ja eigentlich auf die direkte Erhöhung des Zuschusses gehofft hatte.

Kultureinrichtungen wie das Bollwerk 107 würden eine klare Haltung vertreten - gegen Rechts. "Wer lacht, hat keine Angst", zitierte sie auf dem Empfang die "Zeit". Humor stärke die seelische Widerstandskraft. Bürgermeister Christoph Fleischhauer betonte, dass der Hilferuf des Comedy Arts Festivals zwar "ein gewisses Ringen" ausgelöst habe. "Aber Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt", begründete der Bürgermeister die Unterstützung. Er wendete sich zugleich aber an die Sparkasse am Niederrhein als größter Festivalsponsor mit der Bitte, dies auch weiterhin zu sein: "Das wäre so wichtig für die Stadt." Das Chaostheater "Oropax", das schon mehrfach auf dem Comedy Arts Festival aufgetreten ist und nach eigener Aussage gefühlte anderthalb Wochen in seinem Leben in Moers verbracht hat, gab eine Kostprobe auf das, was die Zuschauer später in der Halle erleben konnten: schrägen Humor, lustige Sprachakrobatik und herzhaft sinnfreie Blödelei.

Ein Entertainer mit großer Berliner Klappe führte das Publikum durch das Programm: Archie Clapp. Ja, das sei sein richtiger Name, betonte er. Zum Vergnügen des Publikums erklärte er: "Es ist ein altdeutscher Name und leitet sich von Anarchie ab." Clapp stellte sich als Kleinkünstler in zweiter Generation vor. Sein Vater sei Reality-Zauberer und vorwiegend bei Saturn tätig. In die Herzen der Zuschauer spielten sich zwei Musikclowns mit Gitarre, Geige und Luftballons. "Die Mikroband" spielte sich durch die klassischen Partituren - aber immer mit einem Augenzwinkern: Sie zerfledderte die Werke berühmter Komponisten und setzte sie neu zusammen. "Bald 50 und spielt noch immer mit Puppen": Eröffnet wurde das Comedy Arts Festival am Donnerstag mit einem Solo des Puppenspielers René Marik. Der freche Satz stammte von Eisbär Kalle, der den Puppenspieler in die Pfanne haute. Oder der sich eben selbst. Drei Jahre Bühnenpause hatte sich der Künstler gegönnt. Mit seinem Best-of-Programm tourt er zwar seit einiger Zeit durch die Lande, hat aber inzwischen auch "ein paar Stoffreste" aussortiert. Wie es Maulwurf und Co. in der bühnenfreien Zeit erging, das präsentierte Marik dem Publikum in Einspielfilmen während der Show, die er fortsetzungsweise laufen ließ: Der Maulwurf macht eine Umschulung zum Piloten und fliegt - hochkantig raus. Der freche Eisbär Kalle verdingt sich als Attraktion in Bärlins kleinstem Streichelzoo. Und Frosch Falkenhorst ist auf Expedition in Nepal. Klar, dass er seinen Freunden zur Hilfe eilt.

Quelle: RP
 
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