| 00.00 Uhr

Moers
"Da hätte jeder genau so helfen können"

Moers. Per Zufall gehörten zwei Ärzte zu den Ersthelfern bei dem schweren Unfall an der Rheinberger Straße. Von Jürgen Stock

Der schwere Unfall in der Rheinberger Straße, bei dem in dieser Woche vier Autoinsassen verletzt worden waren, hat viele Menschen beschäftigt. Ein Aufruf der Polizei an zwei bis dato unbekannte Zeugen, die bei dem Unfall erste Hilfe leisteten, wurde 150.000 Mal auf unserer Facebook-Seite geklickt. Das Ungewöhnliche an dem Unfall: Zwei der Ersthelfer waren ausgebildete Mediziner. Inzwischen haben sich die beiden Ärzte bei der Polizei gemeldet und ihre Aussage gemacht. Einer von ihnen ist Dr. Wilfried Chevreux, Oberarzt in der Inneren Abteilung des Krankenhauses St. Josef in Moers.

"Der Unfall ereignete sich, als ich auf dem Weg von Kamp-Lintfort nach Moers war", erinnert sich der 48-Jährige. "Vor mir drehten gleich zwei, drei Wagen um. Dann sah ich schon die verunglückten Pkw." Anwohner, die einen Knall gehört hatten, hatten zwei Schwerverletzte bereits aus einem der beiden Pkw gezogen, der frontal mit einem entgegenkommenden Wagen kollidiert war.

Für Chevreux ist der Anblick einer Unfallstelle nichts Neues. Zwölf Jahre lang hat der 48-Jährige als Notfallmediziner gearbeitet. "Wichtig ist, sich sofort einen Überblick zu verschaffen. Wie viele Verletzte gibt es, und wie schwer sind die Verletzungen", berichtet Chevreux. Dazu gehört die Einklassifizierung in drei Stufen: Rot für Schwerstverletzte, Gelb für Verletzte, deren Behandlung aber nicht sofort erfolgen muss, und Grün für leichter Verletzte. Dem 48-Jährigen war sofort klar, dass für einen 69-jährigen Duisburger und seine 68-Jährige Frau die höchste Gefährdungsstufe anzusetzen war. Entsprechend bestellte der Arzt über Handy zwei Notärzte und vier Rettungswagen zum Unfallort.

Gemeinsam mit Chevreux kümmerte sich eine bislang unbekannte Frau um die beiden Schwerverletzten. Wie sich rasch herausstellte, war auch die zweite Helferin Ärztin. Möglicherweise eine Anästhesistin, vermutet Chevreux. Und aufgrund ihrer professionellen Vorgehensweise hält er es für möglich, dass auch sie Erfahrungen als Notärztin hatte. Wie sich gestern Nachmittag herausstellte, handelte es sich um eine Ärztin aus dem Bethanien. Wie Chevreux meldete sie sich auf den Zeugenaufruf der Polizei. Bis die Rettungswagen eintrafen, konnten auch die beiden Ärzte nicht viel machen. "Ich habe eine Anamnese über eventuelle Vorerkrankungen erhoben, damit der Notarzt diese Informationen schon einmal hat." Viel mehr, so der Mediziner, sei ohne medizinische Ausrüstung nicht möglich. "Was ich am Unfallort getan habe, war keine Heldentat. Das hätte im Grunde jeder gekonnt", sagt der Arzt.

Im Krankenhaus bestätigte sich später die Ersteinschätzung des Arztes: Der 69-Jährige schwebt immer noch in Lebensgefahr, seine Frau musste wegen der schweren Verletzungen operiert werden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Moers: "Da hätte jeder genau so helfen können"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.