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Klingelbeutel
Danke, dass wir geben können

Moers. An diesem Wochenende feiern Christinnen und Christen in unserem Land das Erntedankfest. Die Altäre in den Kirchen sind zu den Gottesdiensten wunderschön mit Erntegaben geschmückt, ein buntes Bild aus Brot, Obst, Gemüse, Feld- und Gartenfrüchten, von der jeweiligen Küsterin oder einem Frauenkreis liebevoll zu einem Gesamtbild komponiert. Wir haben allen Grund, dankbar dafür zu sein, dass für das leibliche Wohl in unserer Gesellschaft so gut gesorgt ist.

In den zurückliegenden Monaten wurden hier Hunderttausende von Flüchtlingen aufgenommen, untergebracht und versorgt. Eine große Leistung der gesamten Gesellschaft in unserem Land. Das darf uns freuen. Und wir dürfen dankbar auch darauf zurück blicken, dass das möglich war, dass wir genug hatten, die Aufnahme so vieler fremder Menschen in Not zu stemmen.

Umso grausamer sind die Bilder, die uns Tag für Tag wieder via Fernsehen aus Syrien erreichen. Jetzt, da ich durch unser Flüchtlingscafé, unser "Café Welcome" in Sevelen, eine ganze Reihe Syrer kenne, auch schon mit Flüchtlingen im Café gesprochen habe, die selbst aus Aleppo kamen und deren Familien zum Teil noch dort leben, geht mir das unsägliche Leid dieses Krieges, der jetzt im fünften Jahr ist, besonders unter die Haut.

Mein Dank gilt an diesem Erntedankfest deshalb vor allem den vielen Menschen überall im Land und konkret in meiner direkten Umgebung, die sich mit großem zeitlichem und persönlichen Einsatz, mit Kraft und guten Ideen um die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan gekümmert haben und weiter kümmern. Auch sie bekommen viel zurück für das, was sie tun. So hat vor einigen Wochen ein syrischer Musiker im Café Welcome danach gefragt, ob ihm jemand eine Geige besorgen könne. Es war möglich. Ein pensionierter Musiker, der in Rheurdt wohnt, und früher bei den Duisburger Symphonikern spielte, gab auf Nachfrage eine seiner beiden Geigen leihweise ab. Wie wunderschön kann unser syrischer Freund darauf spielen! Anlässlich einer Veranstaltung in Sevelen, bei der er auftrat, konnte auch ich gemeinsam mit anderen das richtig genießen. Wo Gemeinschaft wächst, haben alle etwas davon. Das gilt auch und im Moment gerade für das Miteinander von Flüchtlingen und Deutschen da, wo wir uns in guter Weise aufeinander einlassen.

UNSER AUTOR JÜRGEN KUNELLIS IST PFARRER IN DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE HOERSTGEN.

Quelle: RP
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