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Jeanette Von Der Leyen
Das Kammermusikfest hat viele Spielorte

Jeanette Von Der Leyen: Das Kammermusikfest hat viele Spielorte
Sie macht die Konzertorte fest, kümmert sich darum, dass die Programmhefte rechtzeitig fertig sind und der Ticketverkauf läuft, und während des Festivals übernimmt sie den Taxi-Dienst: Jeanette von der Leyen. FOTO: kdi
Moers. Die Neukirchen-Vluynerin ist hinter den Kulissen für die Organisation des Musikfestivals am Kloster Kamp zuständig - ehrenamtlich.

Frau von der Leyen, eine Besonderheit des Kammermusikfests Kloster Kamp ist neben seinen offenen Proben, dass die Konzerte nicht nur auf dem Kamper Berg, sondern an unterschiedlichen Spielorten in der Region stattfinden. Wie ist diese Idee entstanden?

Jeanette von der Leyen Im gewissen Sinne spielte da wohl damals auch der klösterliche Gedanke eine Rolle: Nachdem die Zisterzienser das Kloster Kamp gegründet hatten, zogen sie ja von dort aus ins Land, um an vielen anderen Orten neue Tochter-Klöster zu errichten. Das Kammermusikfest bringt ebenfalls die Musik an ganz verschiedene Spielorte. Gleichzeitig möchten wir unserem Publikum zur Musik gerne auch besondere Häuser in der Region präsentieren, die sonst nicht frei zugänglich sind. Schloss Ossenberg in Rheinberg öffnet sich zum Beispiel nur zum Kammermusikfest. Wir geben gerne auch Konzerte im Martinstift, um in Moers präsent zu sein. Es gibt in der Region so viele wunderbare Orte, an denen man die Musik erklingen lassen kann. Ungewöhnliche Orte bedeuten aber auch viele verwaltungstechnische Hürden.

Inwiefern?

Leyen Es müssen bei den Behörden die Genehmigungen eingeholt, sogar Bauanträge gestellt werden. Auf Schloss Bloemersheim hängt zum Beispiel schon eines der Baustellen-Schilder mit dem roten Punkt, weil wir den Ort mit dem Abschlusskonzert temporär einer anderen Nutzung unterziehen. Dies zu regeln, gehört zu meinen Aufgaben.

Das Kammermusikfest gastiert dieses Jahr zum ersten Mal in der Niederrheinschule an der Friedrich-Heinrich-Allee in Kamp-Lintfort. Was macht diesen Ort so besonders?

Leyen Der Kamp-Lintforter Kulturdezernent Dr. Christoph Müllmann hat uns in einem Gespräch auf das Gebäude aufmerksam gemacht. Die Schule hat eine wunderschöne Aula, in der trotz einer Renovierung der Charme der 1920er Jahre erhalten ist. Der Raum mit seinen großen, hohen Fenstern, einer Bühne und dem schönen alten Parkett hat einfach Charakter und eine vorzügliche Akustik. Katharina Apel, die mit Ehemann Alexander Hülshoff das Kammermusikfest Kloster Kamp künstlerisch leitet, meinte nach einem Besuch begeistert: Warum sind wir nicht schon viel früher auf die Idee gekommen?

Wissen Sie etwas über die Geschichte des Gebäudes zu berichten?

Leyen Nachdem in Kamp-Lintfort im Jahre 1918 eine Mittelschule, zunächst als Vorschule in dem Gebäude der einklassigen Lintforter Schule an der Schulstraße gegründet worden war, wuchs diese Schule schnell, und es musste ein neues Gebäude geschaffen werden - die gedankliche Geburtsstunde der heutigen Niederrheinschule. In die Planung dieses Gebäudes wurde von Anfang an eine Aula als würdiger und repräsentativer Rahmen für Schul- und sonstige Feiern aller Art geplant. Ostern 1929 waren die Arbeiten an dem Gebäude abgeschlossen. Die Niederrheinschule ist heute eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung. Mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 wird sie in die Trägerschaft des Kreises Wesel als Teilstandort der Janusz-Korczak-Schule in Voerde übergehen.

Steht denn in der Aula der Niederrheinschule ein Klavier bereit?

Leyen Nein, das Klavier, wir haben einen Yamaha-Flügel geliehen, wird erst geliefert. Wir haben ein auf solche Transporte spezialisiertes Speditionsunternehmen beauftragt, den Flügel in Viersen abzuholen. Im Saal muss dafür extra ein Podest gebaut werden, weil der Bühnenaufgang viel zu klein ist, um ihn hoch zu hieven. Das ist schon sehr aufwendig. Allerdings finden einige der offenen Proben ebenfalls in der Aula statt, so dass sich der Aufwand am Ende relativieren wird.

Wie viele Zuhörer passen in die Aula?

Leyen Es stehen etwa 180 Plätze zur Verfügung. Für das Konzert in der Niederrheinschule am Freitag, 12. August, gibt es sogar noch Eintrittskarten - wie auch für das Eröffnungskonzert am 10. August im Audimax der Kamp-Lintforter Fakultät der Hochschule Rhein-Waal. Als Gebot der Höflichkeit muss ich jedoch darauf hinweisen, dass die Aula in der Niederrheinschule nicht barrierefrei zu erreichen ist.

Das Kammermusikfest organisieren Sie lediglich zu dritt mit den künstlerischen Leitern Apel und Hülshoff. Beginnt jetzt, zwei Wochen vor dem Start, die heiße Phase?

Leyen Die wichtigsten Dinge sind bereits erledigt: Die Programmhefte sind gedruckt, die Hotelzimmer für die Künstler gebucht. Ich bin gerade dabei, das Abholen der Künstler zu koordinieren. Sie kommen ja kurz vor dem Festival aus allen Himmelsrichtungen in Düsseldorf an. Während des Kammermusikfests werde ich mit einigen Helfern die Taxi-Dienste übernehmen. Ich hoffe, ich kann so viele offene Proben wie möglich miterleben.

Es ist Urlaubszeit, viele verreisen. Und Sie engagieren sich ehrenamtlich für die Musik.

Leyen Es macht Spaß und gibt mir Kraft und Motivation. Ich habe beim Kammermusikfest Kloster Kamp die Aufgabe gefunden, die mir liegt: die Organisation. Und die Hülshoffs sind tolle Partner. Meine Familie weiß schon, dass sie mich kaum zu Gesicht bekommen wird. Diese Woche ist meine Ferienzeit.

ANJA KATZKE FÜHRTE DAS INTERVIEW

Quelle: RP
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