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Klingelbeutel
Das Kirchenjahr geht zu Ende

Klingelbeutel: Das Kirchenjahr geht zu Ende
Claus Brandis. FOTO: huk
Moers. Das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu. Die Sonntage werden bei uns in der Kirche nun von hinten gezählt. Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres heißt es am kommenden Sonntag, dann vorletzter Sonntag und dann letzter Sonntag - oder auch Toten- oder Ewigkeitssonntag. Damit schließt sich ein Kreis und das Ende geht wieder in einen neuen Anfang über, der bei uns in den Kirchen mit dem 1. Advent gefeiert wird. Anfang und Ende. A und O. Auf einer linearen Wegstrecke, so wie wir unser Leben gewohnt sind zu betrachten, markiert die Geburt unseren Anfang und der Tod unser Ende. Fragen nach dem Vorher und Nachher unseres Lebens werden zu Glaubensfragen. Wenn aber das Leben nicht nur linear ist, sondern auch zyklisch? Die Lebensrhythmen sind deutliche Hinweise auf ein solches Verständnis. Die zyklischen Jahreszeiten und die zyklischen Tageszeiten. Saat und Ernte, Frost und Hitze, wie es im 1. Mosebuch heißt. Wenn man hinschaut, erkennt man die zyklischen Rhythmen des Lebens in allen natürlichen Prozessen und damit auch den Kreislaufcharakter allen Lebens. Wo aber sind Anfang und Ende in einem Kreislauf? Jeder einzelne Punkt ist im Kreislauf ein Übergang von Anfang und Ende, von Geburt und Tod. Es gibt ein lineares Verständnis des Lebens und es gibt ein zyklisches Verständnis. Legt man beide übereinander und versucht, sie zu verbinden, erkennen wir das Symbol einer Spirale, die sich zyklisch wiederholt aber je und je sich in neue Höhen oder Tiefen weiter entwickelt. Schauen wir in die ganz natürlichen Lebensformen, die uns umgeben, erkennen wir dieses Prinzip in unzähligen Varianten. Im Lauf des Wassers, im Blütenbild der Sonnenblume, in der gewundenen Struktur des Tannenzapfens, im Naturschauspiel eines Wirbelsturmes aber auch in der faszinierenden Struktur der Galaxien. Überall das gleiche Gestaltungsprinzip. Was ist Tod, was ist Sterben? Es ist ein Prozess, verbunden je und je mit Abschied und Trauer, aber es ist keinesfalls Abbruch oder einfach nur Ende. Es ist eine Transformation im tiefsten Sinne. Eine Entfaltung, ein Wachsen. Ich bin davon überzeugt, dass unser Sterben, unser Tod hier seine tiefste Bestimmung hat.

CLAUS BRANDIS, PFARRER DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE SCHWAFHEIM

Quelle: RP
 
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