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Moers
Das kriegt man im Kreishaus nicht zu sehen

Moers: Das kriegt man im Kreishaus nicht zu sehen
Um diese Gemälde geht es: "Der Froschkönig" und "Die drei Grazien" von Marianne Pütz. "Nackte Menschen zu Objekten auf Bilder zu reduzieren - auch wenn es Kunst ist - gehört nach Ansicht der Verwaltung nicht in eine öffentliche Verwaltung", teilte die Kreisverwaltung gestern mit. FOTO: pütz
Moers. Die Moerser Palette musste zwei Gemälde aus der Ausstellung "Sechzig mal Achtzig" entfernen, weil die Kreisverwaltung Aktbilder ablehnt. Die Künstlerin Marianne Pütz ist sprachlos. Von Josef Pogorzalek

Marianne Pütz ist seit 20 Jahren künstlerisch aktiv und hat schon manche Ausstellung bestritten. So etwas wie jetzt hat sie aber noch nie erlebt: Zwei ihrer drei Gemälde, die sie zusammen mit anderen Künstlern der "Moerser Palette" im Kreishaus Wesel zeigen wollte, mussten noch vor Eröffnung der Ausstellung "Sechzig mal Achtzig" entfernt werden. "Ich habe am Tag vorher Bescheid bekommen, dass die Bilder abgehängt wurden, weil sie anstößig seien", erzählte die Moerserin gestern.

"Sprachlos" sei sie gewesen, als sie das erfuhr, sagte Pütz weiter. "Ich konnte es einfach nicht glauben." Die Nacktheit hat in der Kunst bekanntlich eine lange Tradition. Pütz hat sich bei ihren beiden Gemälden von großen Künstlern inspirieren lassen. So geht ihr Gemälde "Die drei Grazien" auf ein Vorbild von Peter Paul Rubens zurück. Bei ihrem Bild "Der Froschkönig", auf dem eine nackte Frau in einem Froschteich steht, spielt Marianne Pütz mit einem Motiv, das sie der berühmten "Geburt der Venus" von Sandro Botticelli entlehnt hat.

FOTO: Pütz

Sie bedaure es, wenn sie mit den Bildern jemanden verletzt haben sollte, sagte die Künstlerin. "Das wollte ich nicht." Andererseits fühle sie sich auch in ihrer Kunst beschnitten. Und dass Menschen im 21. Jahrhundert sich an solch harmlosen Gemälden stören können, verwundere sie sehr.

Die Kreisverwaltung teilte gestern mit, "mit Rücksicht auf die unterschiedlichsten Besucher und Besucherinnen keine Aktbilder, Aktfotos zur Schau zu stellen. Das Kreishaus ist ein öffentlicher Raum und keine private Galerie. Die Menschen, die ins Kreishaus kommen, kommen nicht wegen der Bilder, sondern weil sie persönliche Anliegen haben." Und weiter: "Nackte Menschen zu Objekten auf Bilder zu reduzieren - auch wenn es Kunst ist - gehört nach Ansicht der Verwaltung nicht in eine öffentliche Verwaltung." Die Moerser Palette habe die Einstellung der Kreisverwaltung gekannt. Die Künstlervereinigung habe deshalb damit rechnen müssen, dass das Aufhängen der Akte nicht akzeptiert wird. Dazu Marianne Pütz: "Unsere Auswahlkommission hat in den Bildern nichts Anstößiges gesehen."

"Dass Künstler und Künstlerinnen die Möglichkeiten haben, im Kreishaus ihre Kunstwerke auszustellen und somit ihnen die Chance geboten wird, ihre Kunstwerke einem breiteren Publikum zu zeigen, wird allseits befürwortet", schrieb die Kreisverwaltung weiter. Von Marianne Pütz ist in der Ausstellung nun lediglich ein Stillleben geblieben. Wo die "Drei Grazien" und der "Froschkönig" hingen, prangten jetzt Lücken mit dem Hinweis "abgehängt", sagte Pütz. Was wieder wie moderne Kunst anmutet.

Quelle: RP
 
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