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Moers
"Das Schlosstheater ist wie für mich gemacht"

Moers: "Das Schlosstheater ist wie für mich gemacht"
Georg Mellert ist neuer Dramaturg am Schlosstheater. Er war zuletzt am Stadttheater in Coburg engagiert. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Georg Mellert ist neuer Schauspieldramaturg am Schlosstheater. Er folgt auf Nicole Nikutowski, die sich auf einen neuen Weg gemacht hat. Von Anja Katzke

Er mag Horváth und Schiller. Doch Shakespeare nimmt ihn aktuell am meisten in Anspruch: Georg Mellert startete vor anderthalb Monaten direkt mit dem Beginn der Proben zu "Richard III." als neuer Schauspieldramaturg am Schlosstheater in Moers. "Richard stellt einen schon vor eine Gratwanderung. Die Frage ist: Verabscheue ich diesen Mann, der brutal und skrupellos nach der Königskrone strebt?

Oder lasse ich mich doch von ihm in den Bann ziehen?", erklärt Georg Mellert und lässt ein vielsagendes Lächeln folgen, weil er vor der Premiere nicht zu viel verraten möchte. Der 37-Jährige ist direkt vom Stadttheater Coburg nach Moers gekommen. Für ihn ist es fast wie eine Zeitreise zurück in die Jugendzeit: "Meine Familie hat ein paar Jahre in Duisburg gelebt, bevor wir ins Sauerland gezogen sind", berichtet Mellert.

Aus der Zeit in Duisburg kennt er das Moers Festival. "Ich mag Jazz und war einige Male auf dem Festival. Es fand noch im Freizeitpark mit dem ganzen Budenzauber drumherum statt." Das ist aber 20 Jahre her. "An die Stadt Moers erinnere ich mich ehrlich gesagt nicht mehr", erzählt er. Ein Kollege in Coburg hatte ihm geraten, nach Moers zu gehen. Und Mellert stellte schnell fest: "Das Schlosstheater ist wie für mich gemacht. Es ist diese Offenheit, Themen zu denken, die mir gut gefällt", betont der Dramaturg. Da verwundert es nicht, dass ihn das erste Gespräch mit dem Intendanten Ulrich Greb überzeugt hatte, die Koffer zu packen und die Zelte am Stadttheater in Coburg abzubrechen.

Theater müsse immer eine Entdeckungsreise sein, findet Georg Mellert. "Ich finde es schön, wenn die Proben offen beginnen und man noch nicht weiß, wie die Figuren am Ende im Stück stehen werden", erläutert er den Reiz des Theatermachens. "Für mich sind es beglückende Momente, wenn man eine Inszenierung zusammen entwickelt hat", sagt der 37-Jährige, der gemeinsam mit Annika Stadler für die Dramaturgie am Schlosstheater zuständig ist. Den Weg ans Theater fand er allerdings erst nach dem Examen. In Berlin hatte Georg Mellert Philosophie und Germanistik studiert. "Ich bin ein Spätberufener", scherzt er.

Damals, in Berlin, sei er durch Zufall in ein Theaterprojekt hineingerutscht, das ein Freund entwickelt habe. "Er hatte einen Roman in der Schublade und daraus eine Lesung realisiert. Da hat's gezündet. Und ich habe mich gefragt: Warum bist Du eigentlich nicht früher darauf gekommen." Nach Hospitanzen unter anderem an der Berliner Volksbühne und die Mitarbeit an freien Theatern, entschied sich Mellert, ein zweites Studium aufzusatteln. An der Universität Frankfurt studierte er Dramaturgie. "Es gibt dort einen speziellen Studiengang für Dramaturgie. Mein Professor Hans Thies Lehmann war super. Er hat eine ganz eigene Herangehensweise ans Theater. Das war eine tolle Zeit", schwärmt das neue Ensemblemitglied am Schlosstheater.

Einen Erstkontakt mit dem Moerser Publikum gab es bereits: Mellert richtet ihm Rahmen des Literarischen Frühstücks Mitte Dezember eine szenische Lesung mit den beiden Schauspielern Pola Jane O'Mara und Frank Wickermann über August Ada Byron King, besser bekannt als Ada Lovelace ein. Auch in der letzten Folge der Reihe "Frequenzen" im Februar ist der neue Dramaturg eingebunden. "Es geht um die große Wanderei." Daneben ist er auch in die Planung der kommenden Spielzeit involviert. Sein Fazit: "Moers ist spannend."

Quelle: RP
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