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Moers
Datenschützer warnen Mittelstand

Moers: Datenschützer warnen Mittelstand
Ralf Lingrün (Bürgerstiftung, von links ), der Neukirchen-Vluyner Bürgermeister Harald Lenßen, und Unternehmer Joachim Bürger. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Moers. Auf dem sechsten Wirtschaftsforum von Mercedes Nühlen erlebten Gäste aus Politik und Wirtschaft fesselnde Vorträge über den mühsamen Kampf der Datenschützer gegen internationale Geheimdienste und organisierte Kriminalität. Von Jürgen Stock

Robert Mayr ist Vorstand der Datev. Sein Unternehmen, eine eingetragene Genossenschaft, hat 40 000 Mitglieder und verwaltet die Daten von 2,5 Millionen Mittelständlern. Die Datev ist einer der größten Datendienstleister Europas. Die Sicherheitsrichtlinien dort sind so hoch, dass Mayr den Teilnehmern des sechsten Wirtschaftsforums bei Mercedes Nühlen nicht verraten will, wo das Rechenzentrum der Gruppe liegt. Nur so viel gibt Mayr preis: Das Gebäude ist in Schwarz gehalten. Schwarz deshalb, weil diese Spezialfarbe selbst den kleinsten Rest an Strahlung abfiltert, der aus dem Gebäude dringen könnte. "Da drin, so der Experte, "haben Sie absolut keinen Handy-Empfang."

Trotz 350 Besuchern war es am Montagabend in den Verkaufsräumen Nühlen zeitweise mucksmäuschenstill, als neben Mayr der Sicherheitsexperte Jan Lindner (Geschäftsführer Panda Security) und Verfassungsschützer Reinhard Vesper aufzeigten, mit welchen Mitteln Verbrecher und Geheimdienste gleichermaßen versuchen, an die Daten von Unternehmen und Privatleuten zu gelangen.

Datev-Vorstand Robert Mayr, Moderatorin Bettina Feldgen, Verfassungsschützer Reinhard Vesper und Sicherheitsexperte Jan Lindner (von links) auf dem von Nühlen und dem Steuerberatungsbüro Grüter, Hamich & Partner organisierten Wirtschaftsforum in Moers. FOTO: Christoph Reichwein (crei)

Auf die Frage, wer gefährdet ist, hatten die Experten eine ernüchtende Antwort: alle. "Jede Person wird jederzeit angegriffen, das erfolgt automatisch", stellt Vesper fest, der im Düsseldorfer Innenministerium verantwortlich für die Abwehr von Wirtschaftsspionage ist. Er schätzt, dass der durch Datenkriminalität verursachte Schaden bereits die Marke von 100 Milliarden Euro jährlich überschritten hat. Erst im Februar hatte eine internationale Bande durch das Manipulieren von Geldautomaten innerhalb kürzester Zeit eine Milliarde Euro erbeutet. Aber auch am Niederrhein haben Daten-Piraten bereits reiche Beute gemacht. Vesper erzählte von einem Unternehmen aus der Region, das 300 Millionen Euro verloren habe, da ein Mitarbeiter aus seinem sicherheitstechnisch sensiblen Bereich zur Gegenseite übergelaufen sei.

Führende Ausspähnationen, so Vesper, seien Russland und China, deren Dienste sich dankbar auf das reiche Angebot stürzten, das Netzwerke wie Facebook, Xing LinkedIn und vor allem WhatsApp bereithalten. Über WhatsApp, so Vesper, ließen sich beispielsweise spielend die kompletten Kontaktdaten eines Teilnehmers ermitteln: Für Nachrichtendienste sind das Informationen, mit deren Hilfe sich möglicherweise weitere interessanten Zielpersonen ermitteln ließen.

Mercedes-Chef Hans Nühlen, Rechtsanwältin Nicola Fink-Sobirey, Steuerberater Günter Grüter und Sparkassen-Chef Giovanni Malaponti. FOTO: Christoph Reichwein (crei)

Doch was können Privatpersonen und Unternehmen tun, um sich zu schützen? Einige Tipps der Experten kann jeder befolgen: Etwa den, Mails nur verschlüsselt zu verschicken. Sonst, so Vesper, "können Sie den Inhalt besser auf eine Postkarte schreiben." Die auszuwerten mache mehr Mühe. Ein anderer Ratschlag: Daten nur Providern mit Rechenzentren innerhalb der EU anzuvertrauen, wo strengere Datenschutzgesetze als etwa in den USA gelten.

Für Unternehmen gibt es Dienstleister wie Jan Lindners Panda Security, die für zehn Euro pro Rechner und Monat eine permanente Überwachung der Datensicherheit versprechen. Im Verdachtsfall bietet zudem der Verfassungsschutz seine Dienste an. Und das, so Vesper, diskret und unentgeltlich. Ein Teilnehmer daraufhin: "Schön zu hören, dass Sie auf unserer Seite stehen."

Thorsten Kamp, Beigeordneter, Ibrahim Yetim (SPD), Landtag NRW. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Quelle: RP
 
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