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Moers
Den Straßenrissen auf der Spur

Moers: Den Straßenrissen auf der Spur
FOTO: Dieker Klaus
Moers. Eine Fachfirma ermittelt den Zustand der Straßen von Moers. Die Ergebnisse fließen in die Planung von Baumaßnahmen. Von Josef Pogorzalek

Der orange Mercedes Sprinter mit Erfurter Kennzeichen fällt auf. Auf dem Dach trägt er ein Gestell mit Kameras, an der rechten Seite hat er einen auffälligen Vierkant-Anbau, am Heck sitzen vier große Blitzlampen, die je nach Geschwindigkeit des Fahrzeugs ein wahres Lichtgewitter erzeugen. In diesen Tagen ist der Spezialwagen unterwegs auf den Straßen von Moers. Es gehört der in Erfurt ansässigen Firma Lehmann und Partner, die damit den Zustand der Straßen von Moers untersucht. Die Stadt möchte wissen, wo Schäden vorliegen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Planung von Straßenbaumaßnahmen.

Insgesamt 432 Kilometer lang ist das Straßennetz der Stadt. "Nach dem Neuen Kommunalen Finanzmanagement gehört es zum Vermögen der Stadt", erläutert Nadine Beinemann, im Rathaus zuständig für Straßen- und Verkehrsplanung. Und das Vermögen gilt es zu pflegen. Eine Straßenbefahrung mit dem Spezialfahrzeug fand zuletzt 2009 statt, als das kommunale Haushaltswesen durch das NKF reformiert und modernisiert wurde. Derzeitige Straßenbau-Arbeiten, etwa die gerade abgeschlossene Sanierung der Klever Straße, resultieren aus den damaligen Erkenntnissen.

Spezialfahrzeuge wie die von Lehmann und Partner sind selten. In ganz Deutschland gebe es vier oder fünf, sagt Hermann Beuchel, der als Fahrer und Techniker entsprechend herumkommt. Er kennt nicht nur die Straßen von halb Europa, sondern auch andere asphaltierte Flächen: "In Toulouse haben wir mal im Auftrag von Airbus eine Flugzeug-Landebahn geprüft." Beuchel und seine Kollegen haben das komplette Autobahnnetz Bayerns abgefahren. Und in Benin, Westafrika, haben sie die Technik auf einen Jeep verfrachtet, um dortige Pisten unter die Lupe zu nehmen.

Die Technik hat's in sich. In dem Kasten an der Seite des Sprinters steckt zum Beispiel ein Laserscanner, der die Straße abtastet und Spurrinnen vermisst. "Er wurde im Fraunhofer-Institut Freiburg/Breisgau entwickelt und kostet allein 270.000 Euro", sagt Beuchel. Mehrere Spezialkameras erfassen die Straße und den Bürgersteig. Damit lassen sich neben der Beschaffenheit von Asphalt und Pflaster auch andere Daten erheben, etwa zu Schildern, Leitplanken oder Straßenbäumen. Zwei Kameras am Heck fotografieren alle 70 Zentimeter die Fahrbahn-Oberfläche. Jedes Mal wenn die Kameras auslösen, leuchten synchron dazu die über einen eigenen Generator gespeisten Blitzlichter auf. Jedes Foto erhält mithilfe von GPS-Antennen eine Zeit- und Positionssignatur. Die Straßenschäden lassen sich so auf zehn Zentimeter genau örtlich eingrenzen. Die Einzelbilder werden später zu größeren Fotos zusammengesetzt und Fahrbahnrisse darauf gekennzeichnet. "Gute Bereiche markieren wir blau, schlechte rot", erklärt Beuchel. Die Auswertung der Fotos erfolgt per Menschenhand und Menschenauge. Noch gebe es kein Computerprogramm, das deren Genauigkeit erreicht.

Links: Hermann Beuchel legt ein Testbild aus, um die Funktionstüchtigkeit der Kameras am Untersuchungswagen zu prüfen. Unten: Das Fahrzeug steckt voller Technik. Am Monitor überzeugt sich Beuchel vom Fortschritt der Straßenuntersuchung. FOTO: K. Dieker

Von den 432 Moerser Straßenkilometern kann Beuchel 320 per Fahrzeug erreichen. 60 davon, wo es die Stadt auf Hauptverkehrsstraßen besonders genau wissen will, fährt er in beiden Richtungen ab. Ansonsten reicht die Prüfung in einer Richtung aus, weil beide Fahrbahnen erfahrungsgemäß in etwa gleich abgenutzt werden.

Zwei Millionen Euro pro Jahr kann die Stadt für Straßenunterhaltung und Straßenbau erübrigen. Um alle Schäden zu beheben, reicht das natürlich nicht aus. Wollte man alle Straßen innerhalb von zehn Jahren in einen guten Zustand bringen, wären 36 Millionen Euro nötig, hieß es nach der letzten Straßenuntersuchung 2009. Wegen gestiegener Bau-Preise wäre die Summe heute wohl deutlich höher. 70.000 Euro zahlt die Stadt an Lehmann und Partner für die Straßencheck. Neben einem Bericht liefern die Gutachter auch Handlungsempfehlungen. Daraus erstellt die Verwaltung Prioritätenlisten für Straßenbau-Vorhaben. Das letzte Wort darüber, wann wo was gebaut wird, hat die Politik.

Quelle: RP
 
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