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Moers
Der Altstadt droht ein Händler-Exodus

Moers: Der Altstadt droht ein Händler-Exodus
Susanne Wewers hat erst vor einem Jahr eine Filiale ihrer Edel-Second-Hand-Boutique "Mandragora" in der Altstadt eröffnet. Jetzt schließt sie ihren Laden wieder: "Ich weiß von mindestens drei Nachbarn, dass sie auch in den nächsten zwei Monaten schließen wollen", sagt sie. FOTO: Christoph Reichwein
Moers. Geschäfte zwischen Kirchstraße und Hanns-Dieter-Hüsch-Platz klagen über einen massiven Besucher-Rückgang. Rund ein halbes Dutzend Ladenlokale steht leer; weitere Einzelhändler wollen dem Viertel den Rücken kehren. Von Jürgen Stock

Ein friedliches Bild am späten Dienstagvormittag. Vor dem Gänsebrunnen an der Ecke Kirch- und Friedrichstraße sonnen sich auf dem halbkreisförmigen Mäuerchen zwei junge Männer, augenscheinlich afrikanischer Herkunft. Eine ältere Dame führt ihren Hund spazieren. Ein idyllisches Bild, das allerdings den zahlreichen Händlern im Viertel die Sorgenfalten ins Gesicht treibt: Ihnen ist es erheblich zu ruhig geworden. Sie klagen über massive Umsatzeinbrüche.

"Hier ist doch tote Hose", sagt Susanne Wewers, die an dem von Platanen gesäumten Platz die Edel-Second-Hand-Boutique "Mandragora" betreibt. Vor einem Jahr hat sie hier eine Filiale eröffnet, weil sie im Hauptgeschäft am Kastellplatz zu wenig Ausstellungsfläche für die Designerklamotten von Gucci, Prada & Co. hatte. Jetzt hat von der Idylle die Nase voll: An ihrem Schaufenster weisen große Prozent-Zeichen auf den laufenden Ausverkauf hin. Ende des Monats will sie hier raus sein, und dann wieder nur noch vom Kastellplatz aus marken- und preisbewusste Kundinnen beraten. Da, so Wewers, laufe das Geschäft weiter sehr gut.

Wie ein kleiner Spaziergang durchs Altstadtdreieck zeigt, ist sie nicht die Einzige, die für sich dort keine geschäftliche Zukunft mehr sieht. Etliche Lokale stehen leer; in weiteren hängen Schilder von Immobilienmaklern "Zu vermieten", steht darauf. Weitere werden wohl in Kürze hinzukommen. "Ich weiß von mindestens drei Nachbarn, dass sie auch in den nächsten zwei Monaten schließen wollen", sagt Wewers.

Eine der Nachbarinnen ist Sylvia Hüsch. Vor fünf Jahren zog sie mit ihrem Accessoires-Geschäft "Anno 1903" aus Schwafheim ins Altstadtdreieck. Zunächst residierte sie in bester Lage hinter dem "Extrablatt" an der Ecke Pfeffer-Kirchstraße. Dann verkleinerte sie sich ein paar Häuser weiter an der Kirchstraße. Doch auch von dort will sie weg, wieder zurück nach Schwafheim, wo die Kunden noch direkt vorm Haus parken können. "Die Frequenz ist in jüngster Zeit extrem zurückgegangen", sagt die Unternehmerin. "Anfang des Jahres hatte ich noch gedacht, es läge am Wetter." Dann kam die Sonne, doch die Kunden blieben weiter aus.

Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Niederrheinischen Einzelhandelsverbandes, verweist auf die immer noch hohe Attraktivität von Moers auf Einkaufsstadt. "Mit 1-B-Lagen tun wir uns allerdings schwer." Er sieht mehrere Ursachen für die derzeitigen Probleme im Altstadt-Dreieck. So habe das Viertel früher auch Zulauf aus dem Wallzentrum bekommen. Mit den Leerständen dort, seien auch Besucher weggeblieben. Zudem habe sich die Struktur der Betriebe von Handel zu Dienstleistungen verändert. Auch das wirke sich negativ auf die Kundenfrequenz aus. Tatsächlich hat das Altstadtdreieck derzeit die vermutlich höchste Dichte an Friseurbetrieben in der gesamten Innenstadt. Zudem fehlten mit der Schließung der Buchhandlung Spaethe und dem Weggang des Reiseausstatters Funk zwei wichtige Frequenzbringer. Während bei Spaethe der Verein "Künstler in leerstehenden Immobilien" Einzug hielt, befindet sich im ehemaligen Funk-Laden der Raumausstatter Stilvoll. Inhaber ist Joachim Bringsken, der sein Engagement bislang noch nicht bereut hat. Seine eigentümliche Mischung aus Möbeln, Deko-Artikeln und Golf-Bedarf scheint bei den Kunden anzukommen. "Wir wollen jetzt von 260 auf 320 Quadratmeter erweitern", sagt Bringsken. Als Sprecher der Altstadt-Händler will er sich künftig in der Immobilien-Standortgemeinschaft für sein Viertel einsetzen.

Obwohl er persönlich keinen Grund zum Klagen hat, sieht er die weitere Entwicklung mit Sorge: "Jeder Weggang führt zu weiterem Leerstand. Und das steigert sicher nicht die Attraktivität."

Quelle: RP
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