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Moers
Der "Bunte Tisch" bittet zu Tisch

Moers: Der "Bunte Tisch" bittet zu Tisch
Beim Essen kommen verscheidne Kulturen sich noch am einfachsten näher. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Vorurteile sind universell. Darüber sind sich Flüchtlinge und Deutsche einig - egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Am einfachsten kommt man sich im Gespräch beim Essen näher. Von Ulrike Rauhut

"Wir gehören zusammen - trotz aller Verschiedenheit" lautet das Motto des Bunten Tisches. Es könnte auch als Überschrift über dem Themenabend stehen, zu dem am Freitagabend in die Kornstraße eingeladen wurde. Das Team und verschiedene Gruppen bereiteten den Gästen einen überaus herzlichen Empfang und luden zum leckeren Buffet. Die Idee zu der Veranstaltung hatte die "Bunte Jugend" im Rahmen des Projekts "Sich begegnen und miteinander gestalten".

Ist es wirklich so leicht, Vorurteile über Bord zu werfen und offen aufeinander zuzugehen? Wie ergeht es Menschen in gemischt-kulturellen Partnerschaften? Wenn das "Fremde" uns plötzlich in der eigenen Familie ganz nahe kommt - sind wir da nicht alle ein bisschen rassistisch? Der 18-jährige Tom und der Vorsitzende des Bunten Tisches, Amar Azzoug, hießen Menschen verschiedener Generationen und Herkunft zu diesem Thema willkommen. Bevor es mit der eigentlichen Diskussion losging, wurde zunächst zusammen gelacht. Denn als Aufhänger diente eine französische Komödie. In dem Film muss sich ein konservatives, katholisches Ehepaar mit der Tatsache abfinden, dass jede seiner vier Töchter einen Partner mit Migrationshintergrund heiratet. Es wimmelt nur so von Klischees und Vorurteilen, auch der Schwiegersöhne untereinander. Selbst die gleiche Sprache und die gleiche Religion schützen nicht davor. Dies wird klar, als die jüngste Tochter den Eltern ihren Verlobten Charles vorstellt, der von der Elfenbeinküste stammt. Obwohl im Film die Situationen absurd-überspitzt dargestellt werden und alles in vollkommener familiärer Harmonie mündet, stellen die Besucher fest, dass hier viel Wahres auf den Punkt gebracht wird.

"Ich fände es komisch, wenn meine Schwester einen Schwarzen heiraten würde", gibt Ali zu, der aus dem Libanon stammt. Und wie fänden es Kellys Eltern, deren Eltern aus Ghana und Kamerun stammen, wenn sie einen Weißen zum Freund hätte? Für die Großeltern sei selbst diese Verbindung nicht einfach gewesen, erzählt Kelly. Die deutschen Besucher erinnern daran, dass es vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland sogar noch ein Tabu war, einen Christen der anderen Konfession zu heiraten. Ein Familienvater aus Syrien erzählt, dass gemischt-religiöse Ehen in der arabischen Welt momentan stark diskutiert würden. Er selbst und seine Frau finden, dass eine Ehe nur funktionieren kann, wenn beide aus dem gleichen Kulturkreis stammen. Dass die Geschlechterrollen in der westlichen und der arabischen Welt teils stark auseinander klaffen, ist etwas, was als Unterschied zunächst hingenommen werden muss. Wichtig ist, da sind sich alle einig, dass man im Gespräch bleiben sollte. Nicht immer schafft es die Liebe, die Grenzen zwischen den Kulturen zu durchbrechen."Angst ist wie eine Wand - nur wenn wir sie mit Liebe durchbrechen, können wir miteinander neue Erfahrungen machen", sagt die 18-jährige Kelly in Anlehnung an Nelson Mandela. Beim Bunten Tisch geht man dabei mit gutem Beispiel voran - beim Essen, Lachen und Diskutieren.

Quelle: RP
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