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Moers
Der Quad-Meister vom Rathaus

Moers. Beim Einkaufen, in der Nachbarschaft oder bei der Arbeit: Überall wird der neue Hausmeister angesprochen. Von Laura Harlos

Die Hausmeister-Parklücke füllt die AEON Cobra im Wert von 11.000 Euro noch nicht einmal zur Hälfte. Doch auch wenn das Fahrzeug von Dorian Wessels nicht die "fetteste Karre" auf dem Parkplatz des Moerser Rathauses ist - ein Hingucker ist das weiße Quad allemal.

"Jeder dreht sich um, wenn ich mit meinem Quad durch die Stadt fahre", sagt der 37-Jährige, "definitiv mehr Frauen als Männer." Seit Anfang des Jahres ist er als Hausmeister-Springer im Rathaus sowie in Schulen und Sporthallen unterwegs. Mit seinem 30-PS-Quad fährt Wessels jeden Tag -und bei jedem Wetter.

"Ob Moped, Roller oder Panzer: Mir war in erster Linie wichtig, dass er mobil ist", erzählt Sascha Gäßner, Abteilungsleiter Gebäudemanagement, über das Bewerbungsgespräch. "Aber als Dorian von seinem Quad erzählte, war ich natürlich neugierig und wollte einmal gucken. Das erregt Aufmerksamkeit."

Auch bei anderen Arbeitskollegen weckte das Gefährt Neugierde. "Gefühlt will das halbe Rathaus mit mir eine Runde drehen", sagt Wessels. Ob es bereits einen internen Terminkalender für die beliebte Quadfahrt gibt, will der gebürtige Moerser nicht verraten. Aber in der kommenden Woche habe er schon einer Kollegin versprochen, mit ihr eine Runde zu drehen.

Nicht nur am Arbeitsplatz, auch beim Einkauf sprechen die Menschen Wessels auf sein Fahrzeug an. "Als ich letztens aus dem Supermarkt kam, saßen Kinder auf meinem Quad, und die Mütter haben Fotos gemacht", erzählt er. So etwas passiere ihm ständig. In seiner Nachbarschaft, in Schwafheim, wissen alle, wann er kommt und geht. "Wenn ich Gas gebe, es wieder wegnehme und dann noch einmal anziehe, knallt es ganz schön." Und das kurz vor Dienstbeginn, morgens um 4.30 Uhr.

Dorian Wessels liebt die Geschwindigkeit, den Adrenalinkick und die "PS-Power". An seinem Hausmeister-Job schätzt er das genaue Gegenteil: "Hier habe ich einen festen Ablauf und Strukturen, das ist mein Ausgleich." Von den riesigen Rennmaschinen auf zwei Rädern verabschiedete Wessels sich bereits vor Jahren - wegen seines Sohns. Neben der klassischen "Familienkutsche", die seine Frau fährt, steht deswegen seit zwei Jahren das Quad in der Garage. Rund 100 Kilometer pro Stunde schafft das "Baby" und ist damit auch für die Fahrt auf der Autobahn zugelassen. Auch am freien Wochenende kann und will der 37-Jährige nicht auf Pferdestärken verzichten. "Wir haben zwei Hunde, Katzen, Fische und zwei Pferde", erzählt Wessels, "meine Frau kümmert sich um alle unter der Woche - Samstag und Sonntag gehe ich dann in den Stall und reite aus."

Quelle: RP
 
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