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Moers
Die Abschiedssinfonie

Moers: Die Abschiedssinfonie
Reiner Michalke, Leiter des Moers Festivals. FOTO: Maja Hitij
Moers. Reiner Michalke, Leiter des Moers Festivals, hat nach Streitigkeiten um die vorzeitige Entlassung aus seinem Vertrag gebeten. Von Anja Katzke

Dass 2017 ein Moers Festival stattfinden wird, darin sind sich die Kulturverantwortlichen in der Grafenstadt weitestgehend einig. Wer dieses Festival künstlerisch leiten wird, ist offen. Es wird nicht Reiner Michalke sein. Er hat in der vergangenen Woche den Aufsichtsrat der Moers Kultur GmbH um die vorzeitige Entlassung aus seinem bis 2020 laufenden Vertrag gebeten. Das Gremium nahm das Rücktrittangebot des langjährigen künstlerischen Leiters an. Das bestätigte Dirk Hohensträter, Geschäftsführer der Moers Kultur GmbH, auf Anfrage unserer Zeitung. Damit endet in der Grafenstadt eine Ära, die in den vergangenen Monaten mehr durch Querelen um das finanziell angeschlagene Moers Festival geprägt war als durch Innovation.

Dabei schien noch vor der Sommerpause für das Moers Festival alles auf einem guten Weg zu sein. In einer großen Runde mit Bürgermeister Christoph Fleischhauer, den Fraktionen, dem Geschäftsführer sowie dem künstlerischen Leiter hatte man sich nach der Krise ausgesprochen. Reiner Michalke legte ein Konzept vor, wie das Moers Festival aufgestellt werden könnte.

Über seine Beweggründe äußerte sich Reiner Michalke auf Anfrage gestern nicht, erklärte nur, dass er mit "der Gegenseite" Stillschweigen vereinbart hätte. Wie interne Kreise berichten, soll es im Verlauf der vergangenen Woche wieder zu Streitigkeiten im Aufsichtsrat gekommen sein, in der sich Michalke aus Sicht von Beobachtern in eine Position hinein manövriert habe, aus der er nicht mehr herausgefunden habe. Grund soll ein Wertgutachten zur Festivalhalle gewesen sein, das Geschäftsführer Hohensträter mit einem Wirtschaftsprüfer im Aufsichtsrat vorgestellt hatte.

Es muss zu Vorwürfen gegen den Geschäftsführer gekommen sein, so dass eine weitere Zusammenarbeit am Ende nicht mehr möglich gewesen sei. "Ich finde es bitter und traurig, dass die Situation so eskaliert ist und es keine Möglichkeit mehr gab, zu einer Verständigung zu kommen", sagte gestern Siegmund Ehrmann, SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Aufsichtsrat der Moers Kultur GmbH. Er bestätigte aber auch, dass sich Michalke letztendlich verstiegen habe. "Ich hoffe, dass wir Bund, Land und Kunststiftung NRW überzeugen können, dass es uns gelingt, mit einer neuen künstlerischen Leitung das Niveau des Festivals zu halten. Deshalb brauchen wir jetzt ein eindeutiges Bekenntnis für das Moers Festival."

Claudia van Dyck, CDU-Aufsichtsratsmitglied, erklärte zu den aktuellen Geschehnissen: "Wir waren auf einem guten Weg. Es ist für uns nicht erklärlich, was in der Zwischenzeit passiert ist, dass es dieses Ende genommen hat." Die Gespräche seien in den letzten Wochen auf allen Ebenen gut angelaufen. Alle seien sich einig gewesen, dass es zwischen Moers Kultur GmbH und Festivalhalle eine Trennung geben und die Halle in eine andere Trägerschaft übergehen müsse. "Es hatten sich alle zusammengesetzt, um Konzepte zu entwickeln, wie die Wirtschaftlichkeit wieder hergestellt werden könnte", erklärte Claudia van Dyck. Mark Rosendahl, SPD-Fraktionschef, bedauerte gestern, dass "die Zeit mit Reiner Michalke zu Ende geht". Es sei jetzt notwendig, schleunigst einen neuen künstlerischen Leiter zu finden.

Die Suche wird jetzt beginnen. Dirk Hohensträter teilte gestern mit, dass für September ein Workshop terminiert sei. Themen seien die Vakanz in der künstlerischen Leitung, Konzepte für die Weiterentwicklung des Moers Festivals und die Einbindung von wichtigen Partnern. "Unser Ziel ist es, die Gesellschaft zu retten. Ich bin zuversichtlich, dass wir das Festival langfristig und wirtschaftlich aufstellen können." Zurzeit sei dank des Garantievertrags die Liquidität gesichert. Auch hätten bereits Gespräche mit Bund und Land stattgefunden.

Quelle: RP
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