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Rheurdt
Die Europa-Meister vom Niederrhein

Rheurdt. Zur DLRG Rheurdt-Schaephuysen gehört ein IRB Lifesaving Team, das perfekt das Rettungsbootsfahren beherrscht. Nach der gewonnenen IRB-Europa-Meisterschaft bereiten sich die Teammitglieder jetzt auf die Weltmeisterschaft vor. Von Peter Gottschlich

Es sieht spektakulär aus, wenn Benedikt van Vliet ein rotes Schlauchboot über Wellen schießen lässt, in dem er hinten links sitzt. Damit das Boot im Gleichgewicht bleibt, sitzt Maike Ebeling vorne rechts. Dann bremst der 29-jährige Moerser das Boot schlagartig ab, dreht es nach links, um zusammen ein Teammitglied, das das Opfer spielt, ins Boot zu ziehen. Dann fahren alle drei zurück zum Strand, wo Benedikt van Vliet vom Boot springt und durch das Ziel läuft. "In Australien und Neuseeland sind die IRB-Sportler bekannt wie in Deutschland die Fußballer Manuel Neuer oder Thomas Müller", sagt die 31-jährige Rheurdterin Maike Ebeling. "Dort werden die IRB-Wettbewerbe im Fernsehen übertragen, hier nicht." Ist der IRB-Sport in Deutschland doch eine Sportart, die nur in Fachkreisen bekannt ist.

Dabei steht IRB für "inflatable rescue boat", übersetzt aufblasbares Rettungsboot oder Rettungsschlauchboot. Rheurdt, die kleinste Gemeinde am Niederrhein, ist eine Hochburg der Kunst, ein solches Rettungsboot im Team zu beherrschen. Das IRB Lifesaving Team der DLRG Rheurdt-Schaephuysen gewinnt seit 2012 jedes Jahr den Deutschlandpokal, die Deutsche Meisterschaft der Rettungsschwimmer. Im September 2017 wurde es als erstes deutsches Team Europameister. Außerdem holte es bei der Weltmeisterschaft 2016 den fünften Platz. "Die ersten Plätze gehen immer an Teams aus Australien und Neuseeland", sagt der Rheurdter DLRG-Vorsitzende Andreas Mölders. Dabei kommen die bis zu 15 Rettungsschwimmer, die das Lifesaving Team bilden, nicht nur vom Stützpunkt Rheurdt, wo Benedikt van Vliet und Maike Ebeling im Hallenbad trainieren, sondern aus fast ganz Deutschland. Das gilt auch für das fünfköpfige Team, das im November 2018 zur Weltmeisterschaft in Adelaide in Australien fliegt. Eric Friess lebt in Heidelberg, Isabel Schönhofen in Trier, Wiebke Seifert in Wolfenbüttel bei Hannover, Sebastian Apitz in Hamburg und Benedikt van Vliet in Moers. Das Team wird unterstützt von Physiotherapeuten, einer Ökotrophologin und einer Ärztin. Anfang September trifft es sich für eine Woche in Prerow bei Wismar, um tagsüber als Rettungsschwimmer eingesetzt zu sein und abends gemeinsam zu trainieren. "Bei Wellengängen, bei denen sich niemand aufs Wasser traut, sind wir unterwegs", sagt Teamsprecher und Trainer Benedikt van Vliet mit einem Schmunzeln. "Etwas Adrenalin ist gut, zu viel aber schlecht. Es darf nicht gefährlich sein, auch wenn es spektakulär aussieht." Sein Vater Ronald van Vliet, der Wettkampfrichter bei den IRB-Meisterschaften ist, ergänzt: "Es gibt ein mehrseitiges Regelwerk. Wer zu gefährlich unterwegs ist, wird disqualifiziert." Das Team hat sich für die Weltmeisterschaft viel vorgenommen. "Wir wollen Dritter werden", sagt Benedikt van Vliet und hofft: "Es wäre schön, einen Sponsor zu finden. Wir sind eine nicht-olympische Sportart. Unsere Reisen zu den Wettkämpfen haben wir selbst zu finanzieren. Leben zu retten, ist ganz schön teuer."

Quelle: RP
 
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