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Moers
Die heilende Kraft der "Fliegenden Gärten"

Moers. Mit einer Pflanzaktion haben die Verantwortlichen der Flüchtlingsunterkunft "Moers II" die Bewohner zusammengebracht. Von Jutta Langhoff

"Fliegende Gärten", das sind hüfthohe Holzkisten mit einer oben eingehängten Plastikwanne, in der Blumen, Kräuter und andere Pflanzen prächtig gedeihen können. Doch für die insgesamt 87 Männer, Frauen und Kinder aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Irak, die seit dem 15. Februar dieses Jahres in einem Teil der ehemaligen Tannenbergschule wohnen, sind sie mehr. Für sie sind sie eine "sinngebende, gemeinsame Beschäftigung", wie es die Leiterin der Unterkunft Dörte Dreher-Peiß jetzt bei einem öffentlichen Besuchstermin vor Ort bezeichnete: "Die hier untergebrachten Familien werden demnächst in längerfristige Unterkünfte in ganz Nordrhein-Westfalen umziehen, wissen aber noch nicht, wann und wo das sein wird. Wir wollten ihnen in dieser Zeit eine Beschäftigung anbieten, die ihrer Wartezeit einen Sinn gibt und sie, - wenn auch nur zeitweise - zu einer Gemeinschaft zusammenführt", erklärte sie weiter. "Ich denke, diese Absicht ist uns gelungen."

Das ist sie in der Tat. In den liebevoll gebauten und bepflanzten Gartenkästen gedeihen bereits unzählige junge Sprösslinge, die nicht nur schön aussehen, sondern darüber hinaus auch noch für Tees, zum Würzen von Speisen, Färben von Stoffen oder einfach nur als duftende Heimaterinnerung verwendet werden können. Den pflanzlichen Grundstock für die Gärten hatte ein Gärtner aus Straelen gespendet, einige Pflanzen wurden jedoch auch von den Bewohnern selber aus Samen gezüchtet. "Es war wirklich erstaunlich", erinnerte sich Dörte Dreher-Peiß. "Die Männer kannten fast alle Kräuter und wussten auch, wie man sie in der Küche verwendet." Daneben seien sie für die Holzbauarbeiten zuständig gewesen. Die Frauen und Mädchen hätten dagegen eher etwas über die heilenden und kosmetischen Wirkungen der Pflanzen gewusst, und welche Teile für die Gewinnung von Farben geeignet sind.

Auf diese Weise hatte die anfänglich reine Bau- und Pflanzaktion anschließend noch eine Reihe weiterer gemeinsamer Tätigkeiten, wie Stofffärbeversuche mit anderen Pflanzenfarben, die Zubereitung verschiedener Kräutermischungen und die Herstellung von kleinen Körner- und Duftkissen nach sich gezogen. Den hauptsächlichen Gemeinschaftsmittelpunkt bildete außer diversen sportlichen Aktivitäten jedoch weiterhin die Betreuung der "Fliegenden Gärten".

"Eigentlich sollten sie jetzt, da sie so gut wie fertig sind, am kommenden Sonntag nur ganz intern ein hier geplantes Fest zum afghanischen und iranischen Neujahrsbeginn bereichern", berichtete Leiterin Dörte Dreher-Peiß. "Doch dann fanden wir sie so schön, dass wir beschlossen haben, sie auch den Menschen draußen zu zeigen. Dafür hatten die Kinder sie bei der Präsentation jetzt zusätzlich mit selbst gebastelten Papierketten und bunt bemalten Ostereiern geschmückt. Gleichzeitig wollten die Bewohner damit eine kulturübergreifende Verbindung zwischen ihrem muslimischen Neujahrsbeginn und dem hiesigen christlichen Osterfest symbolisieren, und was vielleicht ebenso wichtig ist, den Menschen hierzulande ihren Dank auszusprechen, und ihre Integrationsbereitschaft bekunden.

Die Flüchtlingsnotunterkunft "Moers II" ist eine Einrichtung des Caritas Verbandes Moers-Xanten. Die von den dortigen Bewohnern gebauten "Fliegenden Gärten" sind 120 Zentimeter lang und circa 65 Zentimeter hoch und können im bepflanzten Zustand für 100 Euro käuflich erworben werden.

Quelle: RP
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