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Moers
Die Herren des Maurischen Pavillons

Moers: Die Herren des Maurischen Pavillons
Seit sieben Jahren wohnen Christian Gutmann (links) und Andreas Engelen im "Maurischen Pavillon" in Schaephuysen. FOTO: Christoph Reichwein
Moers. Andreas Engelen und Christian Gutmann haben dem ehemaligen Teehaus aus dem 19. Jahrhundert neues Leben eingehaucht. Von Stefan Gilsbach

"Was ist das eigentlich für ein Gebäude?" Diese Frage haben sich schon viele Autofahrer gestellt, die auf der L 140 zwischen Vluyn und Schaephuysen unterwegs waren. Auf der einen Seite, weitgehend von Buschwerk verdeckt, steht die bekannte Leyenburg. Doch dieses Objekt auf der anderen Seite, das ein wenig aussieht, als hätte ein heimischer Baumeister vom Taj Mahal geträumt?

Inzwischen ist der Begriff "Maurischer Pavillon" vielen Menschen in der Gegend geläufig. Man liest ihn auf Plakaten oder in Ankündigungen der Presse. Das Gebäude ist wieder Teil der kulturellen Landschaft geworden. Dabei hatten seine neuen Bewohner das gar nicht so geplant.

Andreas Engelen begrüßt die Besucher am Tor, das auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes liegt, er geht voraus durch den Garten. Von der Seite betrachtet wirkt das Gebäude größer. Von der Straße aus, besonders wenn der Blick direkt durch die Fenster des Wohnraums geht, glaubt man fast, mehr als ein Mann könnte dort kaum stehen und sich um die eigene Achse drehen.

Drinnen ist es dann doch geräumiger als erwartet. Ein ausgesprochen schönes Wohnzimmer haben Andreas Engelen und Christian Gutmann hier eingerichtet. Man staunt über die Harmonie des Mobiliars, der Gemälde, des Kamins. Ist das etwa noch die originale Ausstattung? "Nein", sagt Andreas Engelen. "Die Möbel haben wir zusammengesucht, beispielsweise auf Ebay. Vor allem englische Sachen." Tatsächlich würde man sich nur wenig wundern, beträte die Heldin eines Jane-Austen-Romans das Zimmer und böte der Runde Tee an. Nicht vollgestopft, sondern wie von selbst gewachsen solle die Einrichtung aussehen, "als wäre sie so vererbt worden". Nicht einmal der Klingelzug für eine imaginäre Dienerschaft fehlt neben dem Kamin.

Vor sieben Jahren entdeckten Engelen und Gutmann den Pavillon. Damals war dieser eine Kuriosität im Winterschlaf. "Nur die äußere Hülle stand noch", erinnert sich Engelen. Alles schien nach jemandem zu rufen, der das verwunschene Grundstück wach küsst. Eigentümer ist die Gutsverwaltung Bloemersheim. Mit der Familie von der Leyen kamen die Interessenten zu einer Übereinkunft, ein Pachtvertrag wurde geschlossen. "Der Baron hatte schon vorher Anfragen bekommen", weiß Engelen. Doch habe es sozusagen nie "gepasst".

Vor rund fünf Jahren sind die neuen Pächter eingezogen. Seither haben sie über das Haus und seine Geschichte einiges herausgefunden. "Wir haben in den Archiven gegraben, der Bau war ein Gesellschaftshaus oder Teehaus, etwa um 1850 errichtet, mit indischem Einfluss." Einst seien hier Südfrüchte gezüchtet worden, eine kleine Orangerie gewissermaßen. Was die Wiederherstellung des Gartens betrifft, habe Baron Friedrich von der Leyen sich sehr unterstützend gezeigt, etwa mit Kontakten zu Gartenfachleuten geholfen.

Im Treppenhaus zum oberen Geschoss, wo eine eindrucksvolle Holzdecke zu sehen ist, steht noch Baumaterial - ganz fertig sind Engelen und Gutmann mit den Arbeiten im Gebäude noch nicht. Doch inzwischen empfangen sie regelmäßig die Öffentlichkeit auf dem Grundstück, jüngst etwa bei der Premiere des "Handmade"-Marktes.

Das habe sich mit der Zeit entwickelt, erzählen die beiden Bewohner. Das Gebäude erwecke halt Interesse, so seien Kontakte entstanden, interessante Gespräche, Ideen, schließlich Lesungen, Kabarettabende, kleine Konzerte und so fort. Mittlerweile gibt es eine eigene Internet-Adresse:

www.maurischer-pavillon.de

Quelle: RP
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