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Moers
Die Hüter der Moerser Stadtkirche

Moers: Die Hüter der Moerser Stadtkirche
Horst Wiener (links) im Gespräch mit Besuchern der Stadtkirche. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Das renovierte Gotteshaus zieht viele Interessierte an. Ehrenamtler aus der Gemeinde stehen bereit, um Fragen zu beantworten, aber auch um nach dem rechten zu sehen. Von Anna Lena Lipka

"Die Kirche ist geöffnet" steht auf Fahnen vor der evangelischen Stadtkirche in Moers. Seit ihrer Wiedereröffnung im Mai des vergangenen Jahres öffnet sie regelmäßig außerhalb der Gottesdienstzeiten ihre Türen. Zusätzlich findet jeden Mittwochabend um 18.30 Uhr und jeden Freitag um drei nach 12 in verschiedenen Formen eine kleine Andacht mit Musik statt, währenddessen steht die Tür oft auch offen. In kleiner Runde, manchmal sind es nur vier Besucher, stört es nicht, wenn mal jemand währenddessen in der Kirche vorbeischaut.

Gisela Jung sitzt fast jeden Dienstag zwei Stunden lang in der Kirche und hat ein Auge auf die Besucher und das Gebäude. Sie ist eine von etwa 20 Ehrenamtlern, ohne die die Kirchenöffnung nicht möglich wäre. "Alleinlassen kann man sie nicht", sagt sie über ihre Kirche, obwohl dort noch nie jemand Schaden verursacht habe. "Es gibt kein Vandalismusproblem", sagt Pfarrer Wolfgang Döring. "Hier können sie auch nicht viel klauen", fügt Gisela Jung ihren Ausführungen hinzu, der Spendenkasten sei mehrere Zentner schwer. Trotzdem könne leicht etwas kaputtgehen.

Pfarrer Döring spricht von einem "großen Blumenstrauß an Gründen", aus denen Menschen in die geöffnete Kirche kommen. Einige suchten die Ruhe, wollten für sich sein und im Raum der Stille eine Kerze anzünden. Einige suchten das Gespräch, erzählten von erfahrenem Leid. Manche seien einfach am Bauwerk interessiert oder wollten sehen, was aus ihrer Kirche geworden ist.

Die Stadtkirche war immerhin jahrelang wegen Renovierung geschlossen. Gisela Jung hat auch schon Menschen vom gesamten Niederrhein und einige Niederländer in der Kirche getroffen, ebenso Leute, die vor Jahrzehnten in dieser Kirche konfirmiert wurden. Und sie erzählt, dass besonders die Kinder über die Gräber staunen, die man unter einer Glasplatte im Boden sieht.

Manchmal kämen auch Menschen in die Kirche, die Hilfe suchten, erzählt Gisela Jung. Eine junge Frau zum Beispiel habe die Ehrenamtlerin einmal nach etwas Geld gefragt. Geld für Hilfesuchende gebe es in der Kirche nicht, wohl aber eine Notfallmappe, in der Ansprechpartner für alle Eventualitäten verzeichnet seien. Auch die Caritas steht drin, zu der Gisela Jung die Frau geschickt hat. Sie wertet es als ein gutes Zeichen, dass die Frau nicht wiedergekommen ist.

Kirchenwächter Horst Wiener erzählt von einem Muslim, der erst vorsichtig gefragt habe, ob er die Kirche betreten dürfe. Anschließend habe Horst Wiener sich eine halbe Stunde mit dem Mann unterhalten. "Man muss mit den Menschen reden", beschreibt er seine Tätigkeit in der Stadtkirche, "und man braucht ein bisschen Humor."

An den Markttagen Dienstag und Freitag sowie samstags ist die Stadtkirche von 11 bis 15 Uhr geöffnet, mittwochs gehen um 17 Uhr die Türen auf. Jetzt in den Ferien könne es allerdings manchmal vorkommen, dass sich kein Kirchenwächter in die Liste einträgt, sagt Gisela Jung. Es seien auch einige Berufstätige unter den Ehrenamtlern, berichtet Pfarrer Döring. Es gebe immer wieder Neuanfragen, aber auch Menschen wie Gisela Jung und Horst Wiener, die seit dem Anfang dabei sind und Freude daran haben, ihre Kirche zugänglich zu machen. Horst Wiener fasst seine Motivation in einem knappen Satz zusammen: "Ich bin Moerser."

Pfarrer Döring findet es wichtig, dass regelmäßig die Türen offen stehen. "Die Kirche ist offen für jede und jeden, egal, welche Konfession oder Motivation er oder sie hat", sagt er. "Jeder ist willkommen."

Quelle: RP
 
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