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Moers
Die Humorica feuert ihren Hoppeditz

Moers. Ordensträger hatten am Wochenende damit gedroht, ihre Auszeichnungen zurückzugeben. Daraufhin schließt der Humorica-Vorstand den langjährigen Hoppeditz, Reiner Schmitz, wegen vereinsschädigenden Verhaltens aus Von Jürgen Stock

Die Auseinandersetzung um die als fremdenfeindlich empfundene Rede des Humorica-Hoppeditz Reiner Schmitz vom vergangenen Dienstag hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Gestern teilte Humorica Präsident Lothar Eichner in einer Pressemitteilung den Satz mit, der spätesterns seit Sonntag wohl nicht mehr zu vermeiden war: "Die Moerser Karnevalsgesellschaft Humorica 69 e.V. hat sich von Reiner Schmitz getrennt." Mit Datum von heute soll dem langjährigen Hoppeditz nach einstimmigem Vorstandsbeschluss der Rauswurf mitgeteilt werden.

Die Begründung dafür liest sich so verunglückt wie die ganze Affäre bisher. Wörtlich heißt es : "Nach unseren Bemühungen, eine für alle einvernehmliche Lösung, wie auch eine Entschuldigung von Herrn Reiner Schmitz zu erlangen war leider nicht möglich, daher war der Schritt eines Ausschlusses aus der Gesellschaft unumgänglich."

Zur Erinnerung: Am 8. November nahm Schmitz sich, wie schon in den Jahren zuvor, die Asylpolitik in Deutschland zur Brust. Er sprach von "schleichender Überfremdung" in Moers, stellte die Frage: "Haben wir nicht wirklich Asylanten satt?", und reimte: "Erst kürzlich wurd' in Moers ein Asylant erschossen, weil er mit Messer auf Polizisten hat eingedroschen".

Während der Sitzung schüttelten zwar einige Karnevalisten den Kopf, doch niemand verließ den Saal. Am Ende gab es sogar Beifall für die Rede des Hoppeditz, die erst zum Politikum wurde, als unsere Redaktion über ihren Inhalt berichtete.

Als erster kündigte Amar Azzoug vom Bunten Tisch an, dass er den renommierten Schlossorden, den die Humorica seit 44 Jahren verleiht, zurückgeben werde, obwohl sich die Karnevalsgesellschaft nach anfänglichem Herumlavieren schon von Schmitz distanziert hatte. Als schließlich auch noch der stellvertretende Bürgermeister und Humorica-Senator Ibrahim Yetim, der zudem für die SPD den Vorsitz im Integrationsausschuss des Landtags innehat, beim Prinzenempfang im Rathaus den Rücktritt des Hoppeditz forderte, war klar, dass der Rauswurf des streitbaren Senioren nur eine Frage der Zeit sein würde.

Zu einem letzten Showdown kam es dann am Sonntag im Neukirchener Tagungshotel "Lindenhof", das dem Schlossordensträger Elmar Welling gehört. Dort versammelten sich etwa 25 Schlossordensträger einschließlich Reiner Schmitz sowie der Humorica-Vorstand.

"Das war ein Tribunal", erinnert sich Schmitz gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Er habe Amar Azzoug per Handschlag sein Bedauern ausgesprochen, doch der habe auf einer öffentlichen Entschuldigung bestanden. "Das Wort ,Entschuldigung' wird mir aber niemals über die Lippen gehen", betont Schmitz. Gegen ihn sei "ein erbärmliches Kesseltreiben" in Gang gesetzt worden, das zum Ziel gehabt habe, "einen Querdenker mundtot" zu machen. Nach eigenem Bekunden fühlte Schmitz sich in seiner Haltung über zustimmende Mails die er "massenhaft" erhalten habe bestärkt. Die große Mehrheit der versammelten Schlossordensträger dagegen gab ein ein Schriftstück in Auftrag, das dem Vernehmen nach am gestrigen Montags noch einmal verschärft wurde. Darin heißt es: "Wir bedauern es zutiefst, dass die durch ein Mitglied unseres Kreises gemachten fremdenfeindlichen Äußerungen, durch die sich Menschen beleidigt und erniedrigt gefühlt haben, in solch einer Weise getätigt wurden. Ein erfahrener Politiker und Karnevalist, der selbst für sein soziales Engagement einst zum Träger des Schlossordens ernannt wurde, sollte sich über die Tragweite seiner Wortwahl bewusst sein. (...) Wir begrüßen den Beschluss der KG Humorica, Reiner Schmitz die Kündigung seiner Vereinsmitgliedschaft nahezulegen und ihn andernfalls auszuschließen. Auch wir fordern Reiner Schmitz, der selbst uns seinen Text nicht zur Verfügung stellte und sich nahezu eine Woche lang nicht in der Öffentlichkeit entschuldigt hat, auf, den Schlossorden zurückzugeben."

Auch gegen die CDU wurden aus Kreisen der Schlossordensträger intern Vorwürfe laut: Sie habe sich nicht entschieden genug von Schmitz, der Vorstandsmitglied in der Senioren-Union ist, abgegrenzt. Dazu der Fraktionsvorsitzende Ingo Brohl: "Ich kenne Schmitz seit Jahren. Seine Wortwahl war menschenverachtend und volksverhetzend, das geht gar nicht, aber ich weiß auch, dass Schmitz kein Rechtsradikaler ist." Eine reine Personaldebatte greife ihm zu kurz: "Wir müssen sehen, was da im Karneval schief gelaufen ist". Schließlich habe Schmitz ähnliche Äußerungen schon früher getan, ohne dass jemand Anstoß genommen hätte. Er werde jetzt das Gespräch mit der Senioren-Union suchen und sich mit Schmitz "auf einen Kaffee" treffen.

Dagegen findet Guido Lohmann, dass Schmitz sich als Gesprächspartner disqualifiziert habe: "Das war nicht Volkes Stimme die da gesprochen hat, und so etwas darf auch nicht salonfähig werden."

Quelle: RP
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