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Klingelbeutel
Die Kirchengemeinde ist kein Quelle-Katalog

Moers. Neulich habe ich einen Geburtstagsbesuch gemacht bei einem weit über 80-Jährigen. Es war mein erster Kontakt mit ihm. Ich wurde von seiner Ehefrau freundlich hereingebeten und nach der Gratulation unterhielten wir uns angeregt. Im Laufe des Gesprächs kam die Sprache darauf, dass der Jubilar keine Einladung zu seiner Jubelkonfirmation von der Kirchengemeinde bekommen hätte. "Darüber sei er doch sehr enttäuscht gewesen", teilte mir seine Ehefrau mit. Und sie könne nicht verstehen, dass ein Gemeindeglied, das so lange schon dort wohnt, nicht eingeladen werde. Ich bin mir nicht sicher, ob sie meinen Einwand gehört hat, dass die Jubelkonfirmanden ihre Feier und damit auch die Einladung selber organiseren. Auf jeden Fall kam dann der für mich entscheidende Satz: "Von jedem Versandhaus bekommt man regelmäßig Post und es wird einem gratuliert! - Warum nicht von der Kirche?" Meine Antwort war: "Weil wir kein Versandhaus sind!" Mit dem Bild des Versandhauses wurde mir klar, was diese beiden von uns als Gemeinde erwarten: Kirche als Dienstleistungsbetrieb mit Rundumbetreuung. Von Frank Rusch

Das kann eine Gemeinde nicht leisten, dass will ich als einer, der in Gemeinde mitarbeitet, nicht leisten. Mein Bild von kirchlicher Gemeinschaft sieht anders aus: Jedem ist sein Glaube und seine Zugehörigkeit zu dieser Gemeinde so wichtig, dass man sich von sich aus aufmacht und teilnimmt. Wir haben als Gemeinde nicht zu verkaufen, wir haben dafür eine Menge anzubieten an den unterschiedlichen Übergangspunkten im Leben wie auch im Alltag. Bei uns gibt's auch keine Rabatte oder Treueaktionen, bei uns hat der Mensch an sich schon seinen Wert als von Gott geliebtes Wesen. Ich bin der Dame sehr dankbar für ihren Vergleich mit dem Versandhaus, weil ich annehme, dass viele Menschen in der Gemeinde so denken. Und es ist wichtig zu wissen, dass viele so denken, denn wir sind gerade dabei, unsere Gemeinde umzustrukturieren. Wir wollen erreichen, dass möglichst viel von der zukünftigen Arbeit in der Gemeinde ehrenamtlich geleistet wird. Das ist ein steiniger Weg, weil viel Motivation dazu nötig ist. Ich hoffe trotzdem, dass wir viele neue Menschen finden, denen das Gemeinsame in der Kirchengemeinde so wichtig ist, dass sie sich mit ihren Gaben dabei beteiligen. Dabei kann der Vers aus 1. Petrus 2, 5 helfen: "Lasst euch selbst als lebendige Steine zu einem geistigen Haus erbauen!"

PFARRER FRANK RUSCH, EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE NEUKIRCHEN

Quelle: RP
 
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