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Moers
Die Kneipe und der Lärm: Ein Thema mit Geschichte

Moers. Die Furcht des Röhren-Betreibers vor eventuellen Beschwerden über Lärm hat ein historisches Vorbild, das in Moers bereits zur Stadtgeschichte gehört. Als Burkhard Hennen, Poncho Schumacher und der spätere Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Rainer Lindemann, 1968 ihre Kneipe in der Weygoldstraße in den Räumen einer von den Nazis "arisierten" ehemaligen Hutfabrik eröffneten, hatte das Trio einen prominenten Nachbarn. Unmittelbar gegenüber wohnte der damalige Bürgermeister, Albin Neuse (SPD). Während seine Genossen dem kulturellen Experiment gegenüber in Teilen mit einem gewissen Wohlwollen gegenüberstanden, konnte Neuse nicht nur nichts mit dem alternativen Flair gegenüber anfangen, er fühlte sich auch durch Gespräche vor der Kneipe, sowie an- und abfahrende Autos nachhaltig in seiner Nachtruhe gestört. Da aber auch das von ihm des Öfteren ins Feld geschickte Ordnungsamt auf Dauer nichts gegen die Lärmquelle ausrichten konnte und mit einem Vorstoß, das Lokal per Gerichtsbeschluss schließen zu lassen, scheiterte, ließ er die Öffnungszeiten der Kneipe auf 22 Uhr festlegen.

Das hätte das Todesurteil für das Lokal bedeutet. Doch die Betreiber fanden einen Ausweg. Sie gründeten einen Verein, der sich in der Röhre niederließ und von der Öffnungszeitenbeschränkung nicht betroffen war. Irgendwann durfte die Röhre, dann wieder ganz normal bis ein Uhr nachts geöffnet haben. Da hatte Hennen aber schon die Wirtsschürze an den Nagel gehängt und kümmerte sich nur noch um das Kulturprogramm und das Jazz-Festival. Jahre später sollte der ehemalige "Röhren"-Gastronom für seine Verdienste um das Kulturleben der Stadt den Ehrenring des Rates erhalten.

(ock)
 
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