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Moers
Dringend gesucht: Vormünder

Moers. Der Sozialdienst katholischer Frauen bildet zum zweiten Mal aus. Ursula Hermann ist ein Vormund des ersten Jahrgangs. Von Elena Erbrich

Angesichts immer nötiger werdender Vormundschaften appelliert der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) an die Moerser, ehrenamtlich tätig zu werden. Er bietet jetzt wieder eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Vormund für Kinder und Jugendliche an. Vor einem Jahr startete die erste Ausbildungsphase des Projekts, das der Sozialdienst mit dem Jugendamt des Kreises Wesel initiiert hatte. Nun gibt es ab Ende Oktober einen nächsten Jahrgang.

Ursula Hermann gehört zu den Vormündern des ersten Durchlaufs. Seit Mitte August ist sie Vormund eines 14-jährigen Jungen aus Neukirchen-Vluyn. Im Oktober letzten Jahres begann ihre Vorbereitung auf dieses Ehrenamt. "Zunächst war ich skeptisch, weil ich die Probleme kenne, die es bei Kindern geben kann", sagt die dreifache Mutter aus Moers. Doch durch den Zuspruch und die Unterstützung von Jutta Hartings vom Sozialdienst katholischer Frauen traute sie sich das Ehrenamt doch zu. "Seit sechs Jahren betreue ich auch eine 36-jährige Autistin und es macht mir sehr viel Spaß, mit ihr Zeit zu verbringen."

Nach den vier Seminarabenden, die Hermann auf ihr Amt vorbereiteten, ging es dann auf die Suche nach einem Mündel. Dann dauerte es noch mal vier Monate, bis Hermann die Vormundschaft übernehmen konnte. "Das muss ja erst einmal ein Richter entscheiden und das dauert", sagt Hartings, die Leiterin des Projekts. Hermann löste damit den Amtsvormund des Jugendamts ab. Nun hat sie viel Verantwortung für den 14-Jährigen, aber sie will auch Zeit mit ihm verbringen, für ihn da sein. "Er hat das Down-Syndrom und ist auf dem Stand eines Fünfjährigen. Er kann auch nicht sprechen", erklärt die 55-Jährige. "Jetzt bin ich gerade dabei, ihm einem Talker zu besorgen, das ist eine Kommunikationshilfe." Als Vormund ist Hermann nicht für die tägliche Erziehung zuständig. Sie bestimmt jedoch, wo der Junge wohnt, zur Schule geht oder, wenn er mal ins Krankenhaus muss, in welches er eingewiesen wird. Sie haftet aber nicht für ihn. Ein- bis zweimal im Monat trifft sich Hermann mit dem 14-Jährigen. "Wir gehen dann zum Beispiel auf den Spielplatz und ich bin jederzeit für ihn erreichbar."

"Die Vormünder sollen ein stabilisierendes Element im Leben der Kinder und Jugendlichen sein", sagt Hartings. "In vielen Fällen haben die Kinder keinen Kontakt zu ihren Eltern und die Bezugspersonen im Heim wechseln auch oftmals. Da ist es wichtig, nicht sofort wieder aus dem Leben des Kindes zu verschwinden."

Ein Vormund darf in Deutschland maximal 50 Mündel betreuen. Jedes davon sollte er mindestens einmal im Monat besuchen. "Das ist schwer zu schaffen. Mit den ehrenamtlichen Vormündern wollen wir helfen", sagt Hartings. Beim ersten Durchlauf hat Hartings elf Personen geschult, die nun Vormund sind. Nun hofft sie auf weitere engagierte Moerser.

Quelle: RP
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