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Moers
Ein 225-Tonnen-Trafo auf Achse

Moers: Ein 225-Tonnen-Trafo auf Achse
Der Schwertransport mit dem Trafo rollte in der Nacht auf Dienstag im Schritttempo aus Utfort zum Niag-Bahnhof an der Klever Straße. FOTO: Christoph Reichwein
Moers. Der Stromnetzbetreiber Amprion ersetzt betagte Stromwandler im Umspannwerk Utfort. Die neuen sollen leiser sein und die Anwohner weniger stören. Der Verein "Moers unter Hochspannung" wirft Amprion eine "Aufrüstung" vor. Von Peter Gottschlich

Um Punkt 21 Uhr setzte sich am Utforter Umspannwerk ein Transformator-Transport in Bewegung. Der Stromwandler war zwischen zwei drehbaren Rollschemeln eingespannt, die jeweils neun Achsen hatten. Schließlich wiegt er 225 Tonnen, davon 30 Tonnen alleine das im Transformator befindliche Öl. Eine vierachsige Zugmaschine zog, eine dreiachsige schob von hinten. So rollte bei strömendem Regen ein graugrünes Ungetüm in die Liebrechtstraße, das 65 Meter lang, fünf Meter hoch und 420 Tonnen schwer war.

Ein Polizeiauto und zwei Wagen des schwäbischen Schwertransportunternehmens Kübler begleiteten es, um es in schnellem Schritttempo über den Kreisverkehr an der Rathausstraße, die Oderstraße und die Rheinbergerstraße zum Niag-Bahnhof an der Klever Straße zu bringen. Nachdem das Ungetüm nach 45 Minuten hindernisfrei und nahezu unbemerkt am ersten Ziel angekommen war, wurde es in seine Einzelteile zerlegt. Ein Kran sollte am Dienstag den Transformator auf einen Spezialwaggon heben, damit er nach Vöhringen bei Rottweil transportiert werden konnte. Denn im Schwarzwald beginnt für den Stromwandler, der vier Jahrzehnte alt ist, ein zweites Leben. Er soll dort ein Ersatztransformator sein.

Mit diesem Transport geht der Wandel des Utforter Umspannwerkes in die heiße Phase. "Die Transporte sind Teil der Sanierung der Anlage", sagt Amprion-Pressesprecher Andreas Preuß. "Die endgültigen Termine stehen noch nicht fest. Die drei bestehenden Transformatorenpole der Trafobank werden altersbedingt durch drei neue ersetzt. Die neuen Transformatoren sind deutlich leiser als die bestehenden. Dazu entstehen im Jahr 2016 neue Lärmschutzwände."

Hartmut Hohmann, der zusammen mit Volker Marschmann die Bürgerinitiative und den Verein "Moers unter Hochspannung" gründete, sieht die Sache anders. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich am tiefen, dumpfen Grundton etwas ändert", sagt der Sozialdemokrat, der nahe des Umspannwerkes in der Rominter Heide wohnt. "Man muss jetzt hören, ob es wirklich leiser wird."

Für ihn ist der Tausch der Trafos mehr als eine Sanierung. "Amprion rüstet auf dem Gelände auf und will damit Fakten schaffen." Je mehr in das bestehende Umspannwerk investiert werde, desto schwieriger sei es, es einmal auf eine Fläche zur A 57 hin zu verlagern, wie es "Moers unter Hochspannung" fordere.

Auch werde es mit den neuen Stromwandlern leichter, die Spannung des Stromnetzes von 220 auf 320 Kilovolt zu erhöhen, was in den nächsten Jahren geplant ist. Dann würden die Strommasten von 45 auf 75 Meter erhöht, an denen sich mehr Kabel befinden würden. Das Hochspannungsnetz auszubauen, sei zum Beispiel über dem Kindergarten Bauklötzchen und der Regenbogen-Grundschule unzulässig. "Es gibt eine UN-Konvention zum Schutz der Kinder, nach der ein solcher Leitungsbau nicht erlaubt ist", unterstreicht Hartmut Hohmann.

Wie der Verein "Moers unter Hochspannung" fordert er, die neuen Hochspannungsleitungen unterirdisch zu verlegen, wie es bereits im weiteren Verlauf der Trasse vorgesehen sei, wenn sie bei Walsum den Rhein quert. "Voraussichtlich liegen dort die Kabel auf einer Breite von 25 Metern nebeneinander", berichtet Andreas Preuß. "Zurzeit beginn im westfälischen Raesfeld ein Versuch, ob das mit Wechselstrom funktioniert. Einen kurzen Wechsel auf Hochspannungsgleichstrom wird es nicht geben."

Quelle: RP
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