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Moers/Duisburg
Ein halbes Jahrhundert schnelle Kajaks

Moers/Duisburg: Ein halbes Jahrhundert schnelle Kajaks
Links: Klaus Lettmann 1963 - in diesem Jahr gewann er die Weltmeisterschaft in der Wildwasserabfahrt. Oben: Sein Sohn Jochen gewann bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona die Bronzemedaille. Unten: Firmengründer Klaus Lettmann (Mitte) mit den aktuellen Geschäftsführern Jochen und Martina Lettmann.
Moers/Duisburg. Das Unternehmen Lettmann setzt seit 50 Jahren auf Geschwindigkeit und neue Wege. Gründer Klaus Lettmann "erpaddelte" sich in einem Lettmann-Kajak den Weltmeistertitel, Sohn Jochen Lettmann war Olympiadritter. Von Peter Gottschlich

"Kajakfahren ist der einzige Sport in der Welt, bei dem man sich in unberührter Natur befindet. Wanderer haben einen Pfad, der fest ist. Kanufahrer haben einen Weg, der jeden Tag neu ist, weil er sich durch das Wasser immer ändert." So beschreibt Jochen Lettmann die Faszination des Kanusports, die Herausforderung, sich immer neue Wege zu "erpaddeln". Neue Wege zu "erpaddeln" ist ein Grundsatz des Unternehmens Lettmann, das von ihm und seiner Schwester Martina Lettmann geführt wird. In diesem Jahr feiert es seinen 50. Geburtstag.

Klaus Lettmann, der Vater der heutigen Geschäftsführer, gewann 1963 die Weltmeisterschaft in der Wildwasserabfahrt, die auf der Lieser im österreichischen Bundesland Kärnten ausgetragen wurde. Danach ging er neue Wege, um Kajaks schneller zu machen. Er baute ein Kajak, bei dem der breiteste Punkt hinter dem Paddler lag. "Dadurch war es hydrodynamischer, entsprach besser der Stromlinie", blickt der heute 76-Jährige zurück. Die neue Form des Bootes erhielt allerdings nicht seinen Namen, sondern ging als "Schwedenform" in die Geschichte ein.

Zwei Jahre später machte der Duisburger sich mit der Kanuherstellung selbstständig. Einzige Mitarbeiterin war seine Frau Annemarie. "Gestartet haben wir in einer Garage in Beeckerwerth", erzählt der Gründer. Die Kajaks bauten die beiden aus Glasfaser und Polyester, ähnlich wie die heutigen Wettkampfboote, wobei heute meistens Carbonfaser die Glasfaser ersetzt.

1968 zog das junge Unternehmen in eine kleine Halle nach Laar um. Klaus Lettmann entwickelte das Slalomboot "Olymp", das durch seine kompakte und hydrodynamisch günstige Form gleichzeitig handlich und schnell war. "Dieses Boot wurde 1971 von über 20 Firmen in Lizenz gebaut", erinnert sich Klaus Lettmann. 1972 wechselte das Unternehmen nach Moers ins Gewerbegebiet an der Franz-Haniel-Straße, um mehr Boote bauen zu können. Denn mittlerweile waren Lettmann-Kajaks nicht mehr nur in Deutschland gefragt, sondern in ganz Westeuropa, und später in der ganzen Welt. Klaus Lettmann erfand noch mehrere Dinge rund um den Kanusport, zum Beispiel den Kajaksport-Gepäckdeckel oder das Schaumkernpaddel. Zudem vererbte er die Leidenschaft für das Kanufahren an seine Kinder Martina und Jochen, die seit 1984 und 1985 im Unternehmen arbeiten. Seit 2004 sind sie Geschäftsführer der Lettmann GmbH. "Wir stellen 2000 Kajaks im Jahr her, zumeist auf Bestellung", sagt Martina Lettman. Dazu bietet das Unternehmen, das 18 Mitarbeiter hat, an der Franz-Haniel-Straße alles für den Kajaksport an, von Helmen über Paddeldecken bis zu wasserdichten Kleidersäcken.

Für Jochen Lettmann gab es eine fünfjährige berufliche Unterbrechung, als er in den 90er-Jahren als Soldat in einer Sportfördergruppe der Bundeswehr im allgäuischen Sonthofen diente. Dort konnte der heute 46-Jährige das machen, was er am liebsten macht: Kanufahren. Dabei war er sehr erfolgreich. Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona paddelte er auf der Wildwasser-Slalomstrecke in den Pyrenäen zur Bronzemedaille. 1995 wurde er Weltmeister und 1996 Europameister. "Im Kajak nehme ich jeden Tag einen neuen Weg", blickt Jochen Lettmann gerne auf diese Zeit zurück.

Quelle: RP
 
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