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Moers
Ein Journalist spielt mit dem Feuer

Moers: Ein Journalist spielt mit dem Feuer
RP-Redakteur Josef Pogorzalek bei seiner Feuerprobe, Hubertus Wawra schaut zu. Fazit: Es ist fast wie beim Zahnarzt - Kopf in den Nacken, Mund weit auf, dann die Erwartung, dass es gleich wehtut. Aber das tut es nicht! FOTO: Klaus Dieker
Moers. Wie schluckt man eigentlich Feuer? Und wie fühlt sich ein Trapezkünstler in luftiger Höhe? Der Zirkus Flic Flac ließ uns Manegenluft schnuppern - und artistische Selbstversuche unternehmen. Von Josef Pogorzalek

Hubertus Wawra klopft mir anerkennend auf den Rücken "Nicht schlecht!" Finde ich auch. Ich habe die brennende Fackel im Mund gelöscht. Das Feuer war in meinem Mund! Ich kann es selbst kaum glauben. Zwar sah meine Premiere als Feuerschlucker nicht so geschmeidig aus wie das, was Wawra mir gezeigt hatte. Aber ich habe es geschafft, irgendwie.

Wawra ist der "Master of Hellfire". Im Zirkus Flic Flac zieht er sich selbst und das Publikum durch den Kakao. "Ich brenne und schieße Leute mit dem Flammenwerfer ab", beschreibt er seinen Job. Jetzt bringt er mir das Feuerschlucken bei. "Jounalistentraining" nennt sich das kleine Artistik-Praktikum, zu dem der in Moers gastierende Zirkus eingeladen hat.

Links: Auf dem Trapez in sieben Metern Höhe - danke, nie wieder! FOTO: Dieker, Klaus (kdi)

"Eigentlich bin ich Komiker, das Feuerschlucken mache ich nur so nebenbei", behauptet Wawra. Dabei hält der 41-Jährige sogar einen Weltrekord: 39 brennende Fackeln hat er innerhalb von 30 Sekunden "geschluckt". Die Leidenschaft fürs Feuer habe ihn schon als Kind gepackt. Im thüringischen Schmalkalden aufgewachsen, baute Wawra sein Abitur und lernte Hotelkaufmann - um schließlich doch Artist zu werden. 2003 heuerte er erstmals bei Flic Flac an.

Jetzt aber ran an die Fackel. Rechtes Bein nach vorne, Kopf in den Nacken, die Stange, an der die (an der Spitze 300 Grad heiße) Flamme 20, 30 Zentimeter hoch züngelt, im richtigen Winkel an den Mund und später hinein führen. Und ab einem gewissen Punkt nur noch ausatmen; das ist wichtig, sonst gibt's schlimme Verletzungen. Meine Hand zittert, ich muss höllisch aufpassen, mir nicht die Lippen oder den Gaumen zu verbrennen. Aber nach einigen ängstlichen Anläufen habe ich die Feuerprobe bestanden. Ich dachte immer, Feuerschlucker spülten den Mund mit einer schützenden Substanz aus. Von wegen! Es ist alles eine Frage der Technik. Im Grunde ist das Feuerschlucken ein geschicktes Feuerauspusten. Mehr wird nicht verraten. Wir Artisten halten zusammen.

Nach dem Feuerschlucken darf ich ans Trapez. Nicolai Kuntz führt zunächst ein paar einfache Übungen daran vor. Der 23-Jährige der bei Flic Flac auch mit dem Diavolo jongliert, ist ein echtes Zirkuskind. Schon seine Mutter war zunächst Artistin und arbeitete dann an der Zirkuskasse. "Ich bin hier aufgewachsen und habe die zirkuseigene Schule besucht", erzählt Kuntz.

Die Trapezstange hängt in sieben Metern Höhe. Schon das Hochklettern an einem Seil wird für mich (obschon Kuntz mir per Seilzug hilft) zur Tortur. Später werde ich meine Hände eine Zeit lang kaum bewegen können. Auf dem Trapez darf ich mich setzen, hinstellen, hin und her schaukeln. Das Zirkuszelt schwingt auf und ab. Wow! "So, und jetzt mal nach hintern fallen lassen und mit den Knien einhängen", ruft mir Kuntz von unten zu. Ich weiß genau, wenn ich das mache, finde ich mich demnächst beim Orthopäden wieder. Also Dankeschön! Trapez ist definitiv nichts für mich.

Zum Abschluss geht's in den "Globe of Speed". So heißt die 6,50 Meter große Stahlkugel, in der während der Vorstellung bis zu acht Motorradfahrer in einer irrwitzigen Choreographie mit bis zu 70 km/h durcheinander flitzen. Der Weltrekord liegt bei zehn Fahrern, die Flic-Flac-Jungs arbeiten gerade an einer Verbesserung auf elf. "Es ist ein ganz normaler Job", versichert mir einer aus dieser Truppe der Wahnsinnigen. Aus versicherungstechnischen Gründen darf ich nicht (mit-) fahren, mich aber in die Kugel stellen, während Alejandro aus Argentinien und Yompi aus Kolumbien auf ihren Bikes Gas geben und mich umschwirren wie wildgewordene Riesenhummeln.

Das Gefühl ist, Entschuldigung, mir fällt nichts anderes ein: einfach geil. "In die Kugel geht's du nicht!", hatte mir meine besorgte Frau morgens noch auf dem Weg in die Redaktion aufgetragen. Gelegentlich ist es gut, nicht auf die Gattin zu hören.

Quelle: RP
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