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Moers
Ein Rundgang durch die Welt des Darms

Moers: Ein Rundgang durch die Welt des Darms
Zwei Chefärzte im begehbaren Darm: Von links Dr. Christoph Vogt (Innere Medizin) und sein Kollege von der inneren Chirurgie Dr. Heinz-Otto Lindner. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Das Moerser St. Josef Krankenhaus lud gestern zum siebten Darmtag ein. Zu den verschiedenen Vorträgen sorgte das begehbare Darmmodell für eine anschauliche wie nachhaltige Vermittlung von Informationen. Von Sabine Hannemann

Das Darmzentrum des Moerser St. Josef Krankenhauses geht neue Wege beim Kampf gegen den Darmkrebs. Zum ersten Mal kam dabei gestern auch ein begehbares Darm-Modell zum Einsatz. Die Informationsveranstaltung selbst fand bereits zum siebten Mal statt.

"Wir rechnen mit bis zu 300 Besuchern", sagte Dr. Christoph Vogt, Chefarzt Innere Medizin, vor Beginn der vierstündigen Veranstaltung. Während der Leiter des Darmzentrums Sinn und Zweck der Darmkrebsvorsorge dem Publikum erklärte, referierte Dr. Heinz-Otto Lindner, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie über die operative Behandlung von Darmerkrankungen.

Im Mittelpunkt stand für viele Besucher das begehbare übergroße Darmmodell, das an verschiedenen Passagen über die Entstehung und Behandlung von chronischen Darmerkrankungen informiert. Filmbeiträge erläutern beispielsweise, wie ein Darmpolyp als Vorstufe zu einer Darmkrebserkrankung entsteht, wie er schonend operativ und schmerzfrei abgetragen wird. Optisch bedrohlich wirkt an anderer Stelle des Modells die Darstellung eines Karzinoms. Jährlich erkranken 70 000 Menschen in Deutschland neu an Darmkrebs, 30 000 sterben daran. Intensive Aufklärung ist umso wichtiger "weil der Darmkrebs sich leider nicht ankündigt", sagt Chefarzt Vogt. Wahrnehmbare Symptome wie plötzlicher Durchfall oder Verstopfungen seien bereits Spätzeichen. Früherkennung und Vorsorge mit Hilfe regelmäßiger Untersuchungen ist der Trumpf, mit dem sich punkten lässt. Vogt: "Darmkrebs ist heilbar, je früher er erkannt und interdisziplinär behandelt wird."

Anders als bei anderen Krebsarten ist die Zahl der Todesfälle aufgrund der Vorsorge rückläufig. Seit 2002 bieten die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) kostenfreie Darmkrebsvorsorgeprogramme an. Deutschland ist das einzige Land mit einem derartigen Angebot. "Männer sind dabei richtige Vorsorgemuffel", meint Vogt. Eine Nachlässigkeit, die sich schwer rächt, wie Krankheitsverläufe zeigen. Vogt gibt Entwarnung. "Die Untersuchungsmethoden haben sich geändert. Eine Darmspiegelung hat den Schrecken an sich verloren. Sie bleibt jedoch bei Männern ein Tabuthema."

Das St.-Josef-Krankenhaus gründete 2007 ein Darmzentrum, das aktuell auf der höchsten Qualitätsstufe von der Deutschen Krebsgesellschaft bereits rezertifiziert ist. In der Begründung wurden, so Vogt, die herausragenden Operationsergebnisse und die interdisziplinäre Zusammenarbeit herausgestellt. Jährlich werden im Moerser Darmzentrum vom St. Josef Krankenhaus 65 Patienten mit Dick- und Mastdarmkrebs behandelt. "Die individuelle bestmögliche Begleitung der Darmkrebspatienten sichert die sogenannte Tumorkonferenz. Die Kooperation aller Beteiligten bis in kleinste Glied ist wichtig", sagt Lindner.

(RP/rl)
 
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