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Unsere Woche
Ein Zeichen gegen den Weihnachtskommerz

Moers. Als am Mittwoch im Rat über die Verlängerung des Moerser Weihnachtsmarktes um drei Tage abgestimmt wurde, da hoben fast alle Mitglieder, quer durch die Fraktionen, zustimmend die Hand. Nur einer stellte sich quer: Ralph Messerschmidt von den Grünen verweigerte dem Antrag der Moers Marketing sein Ja. Von Josef Pogorzalek

Spielverderber, dachte ich im ersten Augenblick. Aber die Begründung des Politikers brachte mich ins Grübeln. Man sollte die Totensonntagsruhe respektieren, sagte Messerschmidt. Und er erteilte dem Weihnachtskommerz, der schon im Frühherbst in den Geschäften einsetzt, eine Abfuhr.

Und hat Messerschmidt nicht Recht? Im Antrag der Moers Marketing zur Verlängerung des Marktes war von der Konkurrenz der Städte in der Region die Rede, von Kaufkraft, Kundenfrequenzen und von dem Geld, das Besucher in der Stadt lassen. In der biblischen Weihnachtsgeschichte ist davon, soweit ich mich erinnere, eher wenig vorhanden. Aber was soll's, vielleicht eröffnen wir den Weihnachtsmarkt demnächst parallel zum Start des Lebkuchenverkaufs im September? Dann könnten wir noch mehr Reibach machen.

Auch mit der Mahnung, den Totensonntag zu ehren, liegt Messerschmidt nicht falsch. Wenn der Weihnachtsmarkt am Montag danach eröffnet, werden Aussteller den Sonntag noch zum Standaufbau nutzen. Auch wenn die Moers Marketing dies kontrollieren will, wird es ihr sehr schwer fallen, es ganz zu verhindern.

Messerschmidts Nein zur Verlängerung des Weihnachtsmarkts war eigentlich ein starkes, einsames Zeichen. Eines, das man eher von einem Christdemokraten als von einem Grünen erwartet hätte. Um ehrlich zu sein, freue ich mich trotzdem auf drei Tage mehr Glühweinfreuden, White-Christmas-Gedudel und fetttriefende Bratwürstchen. Und auch die örtlichen Geschäfte und Lokale werden von meinem sauerverdienten Geld nicht wenig abbekommen. So bin ich eben. Aber sicherlich werden mir auch Ralph Messerschmidts mahnende Worte ab und zu durch den Kopf gehen. Dafür schon mal jetzt ein dickes Dankeschön.

Quelle: RP
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