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Ostern 2015 Grafschafter Gartenträume
Eine Familie lernt das Kleingärtnern

Ostern 2015 Grafschafter Gartenträume: Eine Familie lernt das Kleingärtnern
Auch Henry hilft schon fleißig mit, wenn seine Eltern, Sabrina und Max Potocnik, im Kleingarten ihren grünen Daumen testen. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Die Potocniks können es kaum erwarten, Zwiebeln und Samen in die Erde ihrer gepachteten Parzelle zu bekommen. Von Jürgen Stock

Der Wind fegt dunkle Wolkengebilde über den Himmel. Zwischendurch ein kurzer Lichtblick, der nicht lang genug ist, um als Sonnenstrahl durchgehen zu können. Immer wieder prasseln kalte Schauer auf die 400 Quadratmeter Erde nieder, die Familie Potocnik in der Kleingartenanlage Rheim in Repelen bewirtschaftet. Kein Zweifel: Der April hätte schöner anfangen können als mit einem im Sturm abgeknickten Sonnenschirm und einem zerstörten Gewächshaus auf dem Nachbargrundstück. Doch die Eheleute Max (29) und Sabrina (7) lassen sich davon ebenso wenig entmutigen wie die Kinder Henry (7) und Jonas (vier Monate), der munter in die Wolken kräht. "Wegen des schlechten Wetters haben wir bis jetzt hier nichts machen können, aber jetzt können wir kaum erwarten, dass es endlich im Garten losgeht", sagt Sabrina Potocnik.

Vor einem Jahr hat die junge Familie, die in Alt-Homberg in einem Mehrfamilienhaus zur Miete wohnt, den Kleingarten in der Anlage Rheim angemietet. "Wir haben die Anzeige für den Kleingarten auf dem Kleinanzeigenmarkt von Ebay gelesen und uns beim Verein beworben", berichtet Ehemann Max Potocnik. Im Vorstellungsgespräch mussten die Potocniks einräumen, dass sie vom Gärtnern im Allgemeinen und vom Kleingärtnern im Besonderen eigentlich keine Ahnung hatten. "Ich habe es geschafft, selbst Kakteen vertrocknen zu lassen, das haben wir im Gespräch auch ganz offen zugegeben", sagt Sabrina Potocnik.

Trotzdem hielten sie kurze Zeit später den Pachtvertrag nebst einem umfangreichen Regelwerk in Händen, in dem die Pflichten der Vereinsmitglieder penibel geregelt sind. "Die Vereine bevorzugen junge Familien", erläutert Matthias Dittmann, Vorsitzender des Moerser Kleingärtnerverbands, in dem die zehn Schrebergarten-Vereine der Stadt zusammengeschlossen sind. Bundesweit leiden die Vereine unter fortschreitender Vergreisung. Oft sind die Parzellen seit Jahrzehnten in einer Hand und bleiben dort nicht selten so lange, wie der Pächter gesundheitlich in der Lage ist, seinen Garten zu bestellen.

Eigentlich ein Paradox. Denn der erste Schrebergarten in Leipzig wurde auf einer ehemaligen Spielwiese für die Kinder von Fabrikarbeitern angelegt. Ein Lehrer, der dort die Aufsicht hatte, kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die Idee, auf der Wiese Gärten anzulegen. Was zunächst eine Beschäftigungsmöglichkeit für die Kinder sein sollte, entwickelten sich rasch vom Kinderbeet zum Familiengarten, der später in Krisenzeiten auch dazu diente, die Versorgung der Städter mit Lebensmittel sicher zu stellen. Junge Familien wie die Potocniks sind in Kleingartenanlagen selten geworden. "Außer uns hat hier noch eine Familie Kinder, und die ziehen bald weg", berichtet Sabrina Potocnik.

Gleichwohl haben sich die Homberger von Anfang an wohlgefühlt in ihrem neuen Domizil im Grünen. Die Nachbarn nahmen die Neuankömmlinge unter ihre Fittiche und gaben Tipps, wo sie nur konnten. Wann sie was auszupflanzen hatten, was wozu passte und so weiter.

Dabei hatten die Eltern diese Parzelle eigentlich vor allem wegen der Rasenfläche gewählt, auf der ihre Kinder genug Platz zum Spielen haben sollten. Ein Sandkasten neben dem 24 Quadratmeter großen Häuschen ist bereits angelegt, eine Schaukel soll noch folgen. Beschwerden wegen tobender Kinder habe es noch nicht gegeben. Offenbar freuen sich die Nachbarn über das junge Leben, das in der Anlage Einzug hält.

Inzwischen ist der Garten für die Potocniks nicht nur die künftige Spielwiese für die Kinder. Fürs Frühjahr haben die Eheleute schon einen genauen Plan gemacht, wann sie Johannis- und Stachelbeersträucher pflanzen oder Kartoffeln ausbringen wollen. Jetzt muss noch das Wetter mitspielen, dann geht es los.

Wenn irgend möglich, möchten die Potocnik hier ihren Feierabend verbringen. An Urlaub denken sie erst mal nicht. Max Potocnik: "Hier sind wir doch auch weg von zu Hause. Für uns ist das hier unser Urlaub."

Quelle: RP
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