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Moers
Eine kleine Geige möcht' ich haben

Moers. Die "Flitzebögen" sind das junge Musikschul-Streicherorchester. Wer sich bewährt, kann ins große Ensemble aufsteigen. Von Jutta Langhoff

"Herr Gmiat?" "Ja bitte?" "Ich möchte gerne zu Ihren Flitzebögen." "Ach ja, kommen Sie mit!" Hartmut Gmiat öffnete die Tür zum Kammermusiksaal der Moerser Musikschule und machte eine ausladende Handbewegung. "Hier proben wir." Wollen Sie die ganze Zeit dabei sein?": "Wenn ich darf?" "Ja gerne", nickte er. "Heute ist unser letzter Probentermin im Jahr. Da laden wir immer die Eltern zu ein."

Hartmut Gmiat leitet die "Flitzebögen", das junge Streicherensemble der Moerser Musikschule, seit viereinhalb Jahren. Seine Mitglieder sind zwischen sechs und zwölf Jahre alt und wechseln, wenn sie gut sind, später in das von Musikschulleiter Georg Kresimon geleitete große Moerser Musikschul-Orchester. Bis dahin üben die kleinen Streicher einmal wöchentlich dienstags bei Hartmut Gmiat das Zusammenspiel ihrer Instrumente.

Dass an diesem Dienstag nur zwölf Schüler da waren, war eine Ausnahme. Normalerweise kommen immer alle. "Das macht mir einfach Spaß. Ich habe seit zweieinhalb Jahren Unterricht und bin jetzt schon ein Jahr dabei", erklärte die zehnjährige Mia stolz. Wie alle anderen war sie beim Spielen hoch konzentriert, nur mit den unter ihrem Stuhl deponierten Noten klappte es nicht so richtig. Anfangs noch ordentlich gestapelt, gerieten sie nach jedem neuen Lied immer mehr in Unordnung, so dass ihr ihre Nachbarin schließlich bei der Suche behilflich sein musste.

Für die ebenfalls zehnjährige Nina war die Probe am Dienstag erst ihre dritte. Sie wollte anfangs eigentlich nicht so gerne in einer Gruppe spielen, hatte ihre Meinung dann aber schon nach dem ersten Versuch geändert: "Ich habe es probiert, und jetzt möchte ich es." Insgesamt acht Lieder ließ Hartmut Gmiat seine "Flitzebögen" an diesem Nachmittag spielen, wobei nicht jedes auf Anhieb klappte. Bei dem Kirchenlied "Gloria in excelsis Deo", musste der letzte Teil noch einmal wiederholt werden: "So jetzt erst mal alle die Geige runter", ordnete von seinem Flügel auf der Bühne aus an: "Alle! Und jetzt auf die Konzertmeisterin achten! Wenn die ihren Bogen hebt, seid Ihr gleich danach dran. Jetzt los, eins zwei drei." Diesmal klang es perfekt, und auch das folgende, von einer der Geigerinnen gewünschte "Schneeflöckchen, Weißröckchen" konnte sich hören lassen. "Hat noch jemand einen Liedwunsch?" Ja, Mia wünschte sich "Ihr Kinderlein kommet" -"Gut. Bitte wieder gucken! Alle! Sind immer noch nicht alle. Ja, jetzt ist es schon besser. Also bitte, Frau Konzertmeisterin."

"Er hat wirklich ein tolles Händchen für den Gruppenunterricht", stellte der zwischenzeitlich hereingekommene Georg Kresimon anerkennend fest. "Die Kinder merken irgendwie, dass er sie mag. Neulich ist er sogar ein Wochenende mit ihnen in eine Jugendherberge nach Wegberg gefahren." "Mit oder ohne Instrumente?" "Mit natürlich. Wir haben jeden Tag von morgens bis abends geprobt", beantwortet Hartmut Gmiat die Frage selber und rief seine "Flitzebögen" anschließend noch einmal zu einer abschließenden Bogenrunde von "Oh Tannenbaum" und "Alle Jahre wieder" zusammen. Dann war es Zeit für den Abschied: "Danke an euch alle. Grüßt eure Eltern. Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder."

Die Moerser Musikschule bietet neben dem jungen Streicher-Ensemble "Die Flitzebögen" noch zahlreiche weitere musikalische Gruppenaktivitäten für Kinder an. Die Teilnahme daran ist für interne Schüler kostenlos. Externe zahlen zwölf Euro im Monat. Weitere Angaben dazu gibt es im Internet unter www.musikschule.de

"Eine kleine Geige möcht' ich haben" lautet der Titel eines Kinderliedes von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) nach einer Melodie von Franz Lachner (1804-1890).

Quelle: RP
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