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Moers
Enni sagt wildem Müll den Kampf an

Moers. 150 Tonnen Müll wurden in Moers im vergangenen Jahr nicht korrekt entsorgt. Die Enni kümmert sich um diesen "wilden" Müll. Die Kosten gehen in die Hunderttausende. Von Josef Pogorzalek

Sauerei! Schon wieder hat jemand Müll am Laakweg in Schwafheim abgeladen: Zwei Blaue Säcke mit Gartenabfall. Das ist allerdings vergleichsweise harmlos zu dem, was Hans Jürgen Quante dort schon früher gesehen hat, alte Radios oder Sperrmüll etwa. Quante wohnt in Schwafheim, seine Walkingrunden führen ihn regelmäßig auf den Laakweg, der vom Friedhof hinaus in die Felder führt. Ein beliebter Platz zum Abladen "wilden Mülls". Einmal hat Quante einen Mann auf frischer Tat ertappt. "Es war ein älterer Herr, er hat gezittert wie Espenlaub." Quante hätte ihn anzeigen können, ließ es dann aber bleiben.

Der Unbekannte hatte Grasschnitt abgeladen. Nur drei Euro hätte er dafür zahlen müssen, hätte er den Abfall bei der Enni am Jostenhof abgegeben. Bei einer Anzeige hätte dem Mann dagegen eine empfindliche Geldbuße gedroht. 25 Mal, so Enni-Vorstand Lutz Hormes, seien in diesem Jahr Bürger angeschrieben und auf ihr "Fehlverhalten" hingewiesen worden. Siebenmal wurden Müllsünder belangt, die Bußgelder lagen zwischen 150 und 300 Euro. Ein Duisburger, der eine ganze Lkw-Ladung mit unterschiedlichen Abfällen in der Nähe des Schwafheimer Waldsees entsorgt hatte, wurde mit 750 Euro Strafe zur Kasse gebeten. Verstoße gegen das Abfallgesetz meldet die Enni dem Fachdienst Umwelt des Kreises gemeldet, der diese weiter verfolgt. Die Enni selbst beschäftigt einen Mitarbeiter, der vier- bis fünfmal wöchentlich die bekannten Orte aufsucht, an denen Müll wild entsorgt wird: die Halde Rheinpreußen, das Schwafheimer Feld, die Römerstraße am Baerler Busch, den Parkplatz Waldsee und andere abgeschiedene Plätze. Der Mitarbeiter suche im Müll gezielt Hinweise auf die Verursacher, sagt Lutz Hormes.

Die Enni setzt allerdings weniger auf Verfolgung der Müllsünder als auf Aufklärung. "Die große Keule nützt nichts. Wir wollen an das Bewusstsein der Menschen appellieren", sagt Hormes. "Wilder Müll erzeugt ein Bild, das niemand gerne sieht: Eine unaufgeräumte, dreckige Stadt." Und Enni-Pressesprecherin Katja Nießen ist sicher: "Müll wird oft aus Unbedarftheit wild entsorgt. Das sind keine bösen Menschen." Viele wüssten schlicht nicht, dass zum Beispiel alte Fernseher oder Sperrgut kostenlos am Jostenhof abgegeben werden können.

Dabei lässt Hormes keinen Zweifel daran: Wilder Müll sei keine Lappalie. An die 150 Tonnen davon sei im vergangenen Jahr in Moers angefallen. Rund 65 Euro pro Tonne habe die Entsorgung beim AEZ Asdonkshof gekostet, 315.000 Euro musste die Enni für Personal und Fahrzeuge aufwenden, um wilden Müll aufzusammeln. Im Rahmen ihrer Aktion "Sauberes Moers" hat sich die Enni verpflichtet, gemeldeten wilden Müll innerhalb eines Tages abzuholen. Das sei wichtig, sagt Enni-Abfallexpertin Claudia Jaeckel. "Wo einmal Müll liegt, kommt schnell weiterer dazu."

Wilder Müll, das sind meist Hausmüll, Sperrgut, Altreifen oder blaue Säcke mit Schutt. Oft werden auch Altöl in Kanistern oder leere Propangasflaschen abgestellt. Auf einem privaten Acker im Norden von Moers wurden sogar mal asbesthaltige Schamottsteine gefunden. In die Abteilung "Kurioses" fallen mehrere blaue Säcke mit abgeschnittenen Schweinepfoten, die jemand irgendwo in der Gegend "deponiert" hatte.

Ein großes Problem stelle Hausmüll dar, der häufig in Abfallbehältern auf Friedhöfen lande, sagt Hormes: eine Art privater "Müllgebührenoptimierung" zu Lasten der Allgemeinheit. Auch achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen oder Kaugummis zählt die Enni zum wilden Müll. Mit einer Aktion zur Moerser Kirmes im Herbst will die Enni Raucher und Gummikauer für das Problem sensibilisieren. Vergangene Aktionen, zum Beispiel zur Grillsaison im Stadtpark, hätten gezeigt, so Katja Nießen: "Die Leute sind sehr einsichtig. Aufklärung ist der richtige Weg."

Quelle: RP
 
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