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Moers
Entsetzen über Leid auf dem Mittelmeer

Moers: Entsetzen über Leid auf dem Mittelmeer
Gerettet: Menschen, die auf einem übervollen Boot übers Mittelmeer geflüchtet sind, zeigen sich erleichtert über ihre "Entdeckung". Die Bilder stammen von einer Rettungsaktion der CS Caprice. Das Schiff gehört der North American Maritime (NAMMA). FOTO: privat
Moers. Der evangelische Kirchenkreis Moers hält eine enge Verbindungen zur Deutschen Seemannsmission. Die Helfer auf See sind oft überfordert, wenn sie Menschen helfen, die aus ihrer Heimat fliehen, um nach Europa zu gelangen.

"Ich möchte nie mehr mit meinem Schiff über Kinderrucksäcke fahren", sagt ein Seemann, der im Mittelmeer Dienst tut. Nicht nur die Besatzungen der Marine, die auch in den vergangenen Tagen wieder mit übervollen Flüchtlingsbooten und den Toten des vor Libyen gekenterten Holzfloßes fertig werden mussten, sind mit dem Leid konfrontiert, sondern auch die Seeleute auf Handelsschiffen.

Sie sehen Leichen im Wasser schwimmen, Kleidungsstücke und Habseligkeiten von Flüchtlingen. Vor ihren Augen ertrinken Menschen oder sterben nach erfolgreicher Rettung unterkühlt an Bord. Zusätzlich zu dem Schock, den diese Erlebnisse auslösen, haben sie ein schlechtes Gewissen, nicht früher zur Stelle gewesen zu sein. Auf diese Situation weist die Deutsche Seemannsmission jetzt in ihrer aktuellen Publikation "Lass fallen Anker" hin. Nach Angabe der Zeitung haben Seeleute der Handelsschifffahrt mehr als 5000 Flüchtlinge gerettet.

"Was wir von der Seemannsmission hören, hat uns entsetzt", sagt Ferdinand Isigkeit, Superintendent des Kirchenkreises Moers. "Diese Seite der Flüchtlingskatastrophe ist bislang kaum im Blick gewesen. Und sie macht erneut deutlich, dass dringend politische und humanitäre Schritte unternommen werden müssen, damit kein Mensch mehr flüchten muss und dass, wenn eine Flucht unvermeidbar ist, das Leid minimiert wird."

Denn: Wo die Seeleute helfen können, sind sie mit Aufgaben konfrontiert, die sie überfordern. Die Handelsschiffe sind nicht für die Aufnahme vieler Menschen ausgelegt, es fehlt an sanitären Einrichtungen.

Die aufgenommenen Flüchtlinge leiden zum Teil unter schlimmen Traumata, und die Besatzungen müssen sich ohne Fachwissen um sie kümmern. Obwohl sie zur Rettung von Schiffbrüchigen verpflichtet sind, werden sie bisweilen an Land als Schlepper diskriminiert, und ihnen dann droht juristischer Ärger.

Die Seemannsmission ist die weltweit arbeitende Evangelische Seelsorge und Diakonie für Seeleute. Unter anderem in Alexandria, Genua und Piräus steht die Seemannsmission den Seeleuten im Rahmen ihrer Möglichkeiten seelsorgerlich zur Seite. "Ich war selbst vor vielen Jahren in Alexandria im Dienst der Seemannsmission tätig", sagt Rainer Tyrakowski-Freese, Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie - Diakonisches Werk im Kirchenkreis Moers. "Ich habe damals vielen Seefahrern bei ihren Problemen zur Seite stehen können. Was sich aber zurzeit tut, sowohl, was das Leid der Flüchtlinge betrifft, wie auch die Überforderung derer, die helfen wollen, bedarf der sofortigen politischen Lösung."

Der Kirchenkreis Moers steht in langer Verbundenheit zur Deutschen Seemannsmisssion. So war zum Beispiel der ehemalige Superintendent Jürgen Thiesbonenkamp in Westafrika als Seemanspastor tätig, Rainer Tyrakowski-Frees verrichtete im Auftrag der Seemannsmission Dienst in Alexandria. Das Jugendzentrum Tempel der Evangelischen Friedenskirchengemeinde hatte über Jahrzehnte eine Patenschaft mit der Seemannsmission in Antwerpen. Und die Diakonie des Kirchenkreises hatte in früheren Aktionen Wintermäntel für Seeleute im Hafen von Antwerpen gesammelt. Die Duisburger Station der Seemannsmission besucht jedes Jahr rund 400 Küstenmotorschiffe

Unter www.seemannsmission.org lässt sich auch die Zeitschrift "Lass fallen Anker" einsehen.

Quelle: RP
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