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Moers
Erfinder setzt Kumpel ein Denkmal

Moers: Erfinder setzt Kumpel ein Denkmal
Enthüllung der Statue "Kumpel Anton" am Saarplatz in Meerbeck. Rechts hinter der Steele schaut Hans Lechtenböhmer zu. FOTO: Dieker
Moers. Er liegt auf dem Rücken, der Presslufthammer in seinen Armen ist fast genau so groß wie der Mensch, der da den linken Fuß gegen einen Pfeiler stützt, damit er nicht abrutscht. Von oben und unten drohen massige Körper den kleinen Mann zu zerquetschen. Von Jürgen Stock

So eindrucksvoll hat der 90-jährige Hans Lechtenböhmer in seinem Denkmal "Kumpel Anton" das Schaffen unter Tage in Szene gesetzt. Gestern hat der langjährige Chef der Legi-Werke die Statue auf dem Meerbecker Saarplatz im Schatten einer alten Kastanie enthüllt: ein Geschenk, das Lechtenböhmer dem Verein "100 Jahre Kolonie Meerbeck" zu seinem eigenen Geburtstag machte.

Vielen Moersern ist Lechtenböhmer als Erfinder des Legi-Zauns und als erfolgreicher Unternehmer bekannt geworden. Die enge Beziehung des Meerbeckers zum Bergbau kennen aber meist nur gute Freunde und Mitarbeiter. Fünf Jahre lang musste Lechtenböhmer nach dem Krieg in einem sibirischen Erzbergwerk als Kriegsgefangener schuften. 1953 gelang ihm dann eine Erfindung, mit der er wahrscheinlich vielen Bergleuten das Leben rettete: Er erfand den feuersicheren Drahtverhau, der die bis dahin üblichen Holzkonstruktionen überflüssig machte. Wie sehr er dem Bergbau bis heute verbunden blieb, zeigte sich auch bei der gestrigen Einweihung und Segnung. Als der Knappenchor die Szene betritt, erkennt Lechtenböhmer viele Freunde wieder: "Hans, Erich, wisst ihr noch? Flöz Anna, 90 Zentimeter hoch. Kohle schlagen in Staub und Dunkelheit. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen."

Frank Liebert vom Moerser SCI erinnert sich beim Festakt an den Tag, als Lechtenböhmer ihn im November des vergangenen Jahres anrief. "Ob ich mal zu ihm kommen könne, er habe da was. Als ich dann in sein Büro kam und den Entwurf sah, war ich überwältigt. Ich hatte eine Seite an Lechtenböhmer entdeckt, die ich noch nicht kannte: die des Künstlers."

Er selbst habe die Idee zur Anfertigung des Kunstwerks bekommen, als er in der Zeitung über das Handlungskonzept "Neu: Meerbeck" gelesen habe, berichtet Lechtenböhmer. In den kommenden Jahren soll mit Landesmitteln die Infrastruktur des Stadtteils erneuert werden. Dabei habe er sich gefragt, ob man vielleicht einmal die Menschen vergessen werde, die diesen Stadtteil aufgebaut hätten. "Haltet mir Meerbeck in Erinnerung und den Kumpel in Ehren", ruft Lechtenböhmer den zahlreichen Besuchern zu, die an diesem Tag gekommen sind, um der Einweihung auf dem Saarplatz beizuwohnen. Keinen besseren Platz als diesen habe man für das Denkmal finden können, sagt Ibrahim Yetim, stellvertretender Bürgermeister und selbst einmal Bergmann auf der Zeche Lohberg. Er verweist auf die nahegelegene Boulebahn mit ihrem überdachten Sitzplatz. Auch das sei ehrenamtlich geschaffen worden, merkt Yetim an. "Gerade im Bergbau war der Gemeinschaftssinn unter den Kumpeln immer besonders hoch."

Quelle: RP
 
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