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Moers
Euthanasie in Moers wird nun erforscht

Moers: Euthanasie in Moers wird nun erforscht
In der oberen Reihe: Christoph Spilling, Dr. Bernhard Schmidt, Thomas Ohl, untere Reihe: Ehepaar Fritz und Gisela Pausewang FOTO: Klaus Dieker
Moers. Die Ermordung Behinderter während der Nazi-Zeit ist in Moers weitgehend unerforscht. Von Pauline von Lehmden

1936 hat Fritz Pausewang seinen Patenonkel Erich Pausewang das letzte Mal gesehen. Damals besuchte er ihn in der "Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau", in die sein Onkel ausgrund einer Hirnhautentzündung eingewiesen worden war. In der Todesmitteilung, die vom Standesamt Brandenburg kommt, steht, dass Erich Pausewangs Todesursache "Erypsel", eine Hautentzündung, war. Dass dies die richtige Todesursache ist, hat die Familie Pausewang nie geglaubt. Für sie war es offensichtlich, dass Erich Pausewang der Euthanasie zum Opfer gefallen ist.

Euthanasie - das ist ein Euphemismus für die Ermordung vieler Menschen mit Krankheiten wie Schizophrenie oder Epilepsie, Menschen mit "schweren angeborenen Leiden".

Der Fall Erich Pausewang ist nur einer von 30 bekannten Moerser Euthanasie Fällen, die nun weiter erforscht werden sollen. "Noch immer ist das Thema Euthanasie den Menschen nicht ganz so vertraut", erklärt Thomas Ohl, stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Erinnern für die Zukunft". Gemeinsam mit dem Stadtarchivar Christoph Schilling und Bernhard Schmidt von der NS-Dokumentationsstelle will er die Fälle in Moers erforschen und Stolpersteine für die Opfer legen. "Wir haben ein großes Interesse daran, die Steine möglichst genau zu verlegen", so Schilling, "Es ist wichtig jedem Opfer ein Gesicht zu geben, sei es mit einem Foto oder eben mit den Steinen. Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel". Der erste dieser Steine soll voraussichtlich schon dieses Jahr verlegt werden. Er erinnert an Karin Alt, ein kleines Mädchen, das nach knapp drei Jahren in einer sogenannten "Kinderfachabteilung" ermordet wurde.

Auch eine Dauerausstellung mit den gesammelten Erkenntnissen ist geplant. Sie soll im Alten Landratsamt präsentiert werden, das saniert werden soll. "Wir wollen einfach, dass Menschen wieder aufmerksam werden. Euthanasie hat es natürlich auch in Moers gegeben und das ist erschreckend. Mit so einer Ausstellung wollen wir auch jungen Leuten zeigen, wie verheerend Rasismus ist", sagt Schmidt.

Bürger, denen Geschichten im Zusammenhang mit Euthanasie oder Zwangssterilisierung im Umkreis oder der eigenen Familie bekannt sind, können sich bei Bernhard Schmidt, bernhard.schmidt@moers.de, Telefonnummer 02841 201728, melden.

Quelle: RP
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