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Moers
Evangelische Kitas in Moers vor dem Aus

Moers: Evangelische Kitas in Moers vor dem Aus
Erst ging es nur um die Aufgabe des Gebäudes. Jetzt könnte sich die Kirchen auch als Träger aus der Kita "Kleine Allee" zurückziehen. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Moers. Sieben evangelische Kirchengemeinden schlagen Alarm: Sie können sich ihre Tagesstätten nicht länger leisten. Von Jürgen Stock

Das Ende der Kindertagesstätte "Kleine Allee" ist beschlossene Sache. Die evangelische Kirchengemeinde muss das Grundstück verkaufen, um ihren Haushalt auszugleichen. Doch jetzt ist klar. Die Kirchengemeinde Moers wird sich möglicherweise auch aus der Trägerschaft zurückziehen - und nicht nur sie alleine. Sieben evangelische Kirchengemeinden haben gestern eine Erklärung vorgestellt, in der sie ihre Absicht bekunden, sich zum Kindergartenjahr 2017/18 aus der Trägerschaft für Kindertageseinrichtungen zurückzuziehen. Betroffen wären acht Einrichtungen in Moers, Asberg, Hochstraß, Repelen, Eick, Kapellen und Schwafheim.

Als Begründung dafür nannte Pfarrer Torsten Maes gestern die chronische Unterfinanzierung der Tagesstätten als Folge des vor acht Jahren eingeführten Kindergartenbildungsgesetzes (KiBiz). Das Problem treffe die evangelischen Kindergärten nicht alleine, betonte gestern die Beigeordnete Kornelia zum Kolk: "Bei diesem Problem sitzt die Stadt mit allen Trägern in einem Boot."

Anders als kirchliche oder freie Träger ist die Stadt aber verpflichtet, für alle Kinder zwischen einem und sechs Jahren einen Kita-Platz anzubieten. Zögen sich die kirchlichen oder die freien Träger zurück, müsste die Stadt selbst für ein entsprechendes Angebot sorgen. Die Stadt vermutet, dass die Situation bei den zehn Kindergärten in katholischer Trägerschaft ähnlich ist wie bei denen in evangelischer Hand. Wenn Kornelia zum Kolk daher betont, dass der Stadt an einem vielfältigen Trägerangebot gelegen ist, hat das auch handfeste wirtschaftliche Gründe. Zum Kolk kündigte an, dass sie den politischen Gremien jetzt mehrere Vorschläge zur Beratung vorlegen werde.

Sowohl die Kommune als auch die Vertreter der Kirchengemeinde sehen die Ursache für die gegenwärtige Notlage in einem Webfehler des KiBiz. Damals seien die Kosten, die das Land erstattet, auf 1,5 Prozent pro Jahr begrenzt worden. Die tatsächliche Steigerungsrate - etwa für Personal, Energie oder Gebäudeunterhalt habe aber erheblich höher gelegen. Maes: "Der gesetzliche Kostenanteil evangelisch kirchlicher Träger nach KiBiz beträgt zwölf Prozent. Die tatsächlichen Kosten betragen aber je nach Einrichtung zwischen 15 und 24 Prozent."

Viele Kirchengemeinden steuerten so, wären sie Wirtschaftsunternehmen, auf eine Insolvenz zu, betonte Gert Becker, Presbyter aus Hochstraß. "Wir haben bei uns schon den Organisten und Bürokräfte eingespart. Wir müssten eigentlich auch noch die Küsterin entlassen, was arbeitsrechtlich aber nicht möglich ist", sagte Becker. Allein in Hochstraß liege das Defizit bei 30.000 Euro jährlich.

Das Problem für die kirchlichen Träger: Nur fünf Prozent ihrer Einnahmen sind frei verfügbar. Der größte Teil davon muss inzwischen für den Unterhalt der Kindertagesstätten aufgewendet werden. Im Fall der Moerser Gemeinde sind das knapp 170.000 von 280.000 Euro. Was in die Kitas fließt, stehe für die Jugend- und Seniorenarbeit nicht mehr zur Verfügung.

Würden sich die kirchlichen Träger komplett aus der Kita-Arbeit zurückziehen,träfe das die Kommune hart. Der kommunale Kostenanteil pro Einrichtung würde dann von 32,5 auf 51 Prozent wachsen.

Doch so weit wird es wohl nicht kommen. Einerseits gibt es auf Landesebene Bestrebungen, das KiBiz-Gesetz zu kippen, andererseits sind die Gemeinden gesprächsbereit. Maes: "Wir stehen loyal zur Stadt."

Quelle: RP
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