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Moers
Fabian ist nicht da, aber immer präsent

Moers: Fabian ist nicht da, aber immer präsent
Claudia und Jürgen Jantz haben ihren Sohn auf tragische Weise verloren. Den bunten Vogel hatte er kurz vor seinem Tod auf Papier entworfen. FOTO: arfi
Moers. Der Sohn von Claudia und Dieter Jantz verunglückte 2004 mit 15 Jahren. Um damit leben zu können, gründeten sie die Selbsthilfegruppe "Verwaiste Eltern". Die Aktion "Bewegen hilft" von Guido Lohmann wird ihre Arbeit unterstützen. Von Peter Gottschlich

Claudia und Dieter Jantz können sich genau an jede Minute des 30. Dezembers 2004 erinnern. An diesem Donnerstag klingelte um Mitternacht das Telefon der Wesel-Obrighovener. "Mein Bruder aus Shanghai war am Apparat", sagt Claudia Jantz. "Er hat uns gesagt, dass unser Sohn Fabian tot sei. Schlafwandelnd sei er von einem Balkon aus dem 21. Stockwerk seiner Wohnung gefallen. Von einem Moment auf den anderen war unser bisheriges Familienleben vorbei." Claudia und Dieter Jantz setzten alle Hebel in Bewegung, um so schnell wie möglich nach Shanghai zu kommen, wo Fabian und sein jüngerer Bruder Julian über den Jahreswechsel bei Onkel, Tante und Cousin Urlaub machten. Schon um 16 Uhr saßen sie im Flieger, um am 31. Dezember Shanghai zu erreichen. "Wir konnten Fabian noch sehen und uns verabschieden", erzählt Dieter Jantz. "Das hat uns im Nachhinein mehr geholfen, als wenn wir uns in unserer Fantasie hätten vorstellen müssen, welche Verletzungen Fabian hatte. So konnten wir auch ein Stück begreifen, dass unser Sohn ,wirklich' tot ist."

Als ihr Sohn starb, änderte sich für Claudia und Dieter Jantz das Leben, wie auch für ihren zweiten Sohn Julian, der nicht nur seinen drei Jahr älteren Bruder verlor, sondern auch Eltern erlebte, die sich stark veränderten. "Nichts blieb mehr so, wie es einmal war", sagt Claudia Jantz. "Es ist wie ein zerrissenes Herz - irreversibel. Wir hatten das Gefühl, verrückt zu werden. Die Trauer um unseren verstorbenen Sohn war so intensiv, dass wir das Gefühl hatten, kaum einer versteht uns." So suchten sie den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe verwaister Eltern in Dinslaken. "Dort hatten wir das Gefühl, verstanden zu werden", sagt Dieter Jantz. "Die anderen nickten, weil sie sie als verwaiste Eltern das Schicksal nachvollziehen konnten. Das war sehr angenehm, selbst wenn es am Anfang schwerfiel, über den Tod des eigenen Kindes zu sprechen." Für Fabian richteten sie eine Bilderecke ein, die ihn beispielsweise bei seinem Lieblingshobby Leichtathletik zeigt. Außerdem ließen sie von Fabians Freunden im Kunstunterricht einen Fantasievogel bauen, den er im Stil der Figuren von Niki de Saint Phalles entworfen hatte. "Fabian ist nicht mehr da, aber immer präsent", sagt die Mutter. Der bunte Fantasievogel ist heute Symbol der Selbsthilfegruppe "Verwaister Eltern in Wesel und Umgebung", die Claudia und Dieter Jantz 2006 gründeten.

Heute besuchen zwischen acht und 14 Personen die monatlichen Treffen, die meisten als Paare. Einige kommen nur ein oder zweimal, andere über Jahre. "Mehr als 100 verwaiste Eltern haben in den zehn Jahren die Gruppe besucht", sagt Dieter Jantz. "Die meisten stammen aus dem Raum zwischen Moers und Kleve, Borken und Oberhausen. Zum Worldwide Candle Lightning Day, dem Weltgedenktag für verstorbene Kinder am zweiten Sonntag im Dezember, veranstalten wir mit anderen Gruppen eine Gedenkandacht."

Kontakt Telefon, 0281 56828, oder E-Mail "kontakt@verwaiste-eltern-wesel.de" .Internet: verwaiste-eltern-wesel.de.

Quelle: RP
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