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FDP-Nachwuchs: "Kleingeld abschaffen"

Moers: FDP-Nachwuchs: "Kleingeld abschaffen"
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Moers. Klever Einzelhändler geben keine Ein- oder Zwei-Cent-Münzen mehr aus. Auch in Moers findet die Idee Anklang. Von Josef Pogorzalek

Ein- und Zweicentmünzen erlauben es, uns mit 9,99-Euro-Preisen zu veralbern und sorgen für Staus an der Kasse. Motto: "Haben Sie es nicht kleiner?" oder, noch besser: "Warten Sie mal, ich hab's passend . . ." Höchste Zeit, das Klimpergeld abzuschaffen, oder? Dass es auch ohne die manchmal lästigen kleinen Münzen gut klappen kann, zeigen Länder wie Irland, Belgien, Finnland oder auch Holland, wo der Einzelhandel schon seit 2004 auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen weitgehend verzichtet. Neuerdings streben Einzelhändler in Kleve dem Vorbild des Nachbarlands nach und runden die Rechnungen an der Kasse auf fünf Cent auf oder ab.

Moers solle diesem Beispiel folgen, schlagen die hiesigen Jungliberalen vor. "Der Verbraucher hat weniger Kleingeld im Portemonnaie und der gesamte Ablauf an der Kasse wird entzerrt", sagt der FDP-Nachwuchs. "Auch die Einzelhändler, vor allem die Mittelständler unter ihnen, werden massiv entlastet. Es müssen keine großen Mengen an Kleinstmünzen als Wechselgeld vorgehalten werden müssen, Kleingeld muss nicht gerollt und zur Bank gebracht werden." Klingt gut, aber nicht gut genug, um den Handelsverband Niederrhein zu überzeugen. Er spricht sich derzeit weder für noch gegen die Kleinstmünzen aus. "Wir beobachten, wie sich das in Kleve entwickelt", sagte gestern Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Verbandes. Unter den Verbandsmitgliedern seien die Meinungen gespalten. Bei den Preisen für "hochwertigen Konsumgüter", wie etwa Waschmaschinen oder Kleidung, gehe es in der Regel ohnehin nicht um Cent-Beträge. "Bei Lebensmitteln und Genussmitteln spielt aber tatsächlich jeder Cent eine Rolle."

Beim Werbering Moers wurde das Thema bisher noch nicht diskutiert. Der stellvertretende Vorsitzende Roland Brökelschen ist persönlich aber überzeugt: "Die Centmünzen braucht kein Mensch. Sie machen nur das Portemonnaie voll." Er findet es andererseits gut, wenn Centbeträge an Kassen in Sammeldosen gesammelt und dann sozialen Zwecken zukommen.

Bommann bezeichnete den Klever Vorstoß als einen "Marketing-Gag". Es sei bezeichnend, dass nur ein Teil der Händler sich daran beteilige. Gut 70 von insgesamt 150 Mitgliedern des Klever City Netzwerks machen mit. Vor allem Ketten und große Unternehmen zögern noch. Zudem könne der Verzicht auf die Kleinstmünzen nur auf freiwilliger Basis erfolgen, sagte Bommann. Und nicht nur der Einzelhändler müsse sich darauf einlassen. "Auch als Kunde kann man das mögen oder nicht."

Die Klever Kunden mögen es offenbar. Die Akzeptanz sei hoch, sagte Ute Marks vom Klever City Netzwerk. "Es gibt kaum Widerstände." Wer wolle, könne natürlich weiterhin auch mit den kleinen Centmünzen bezahlen. "Sie sind natürlich weiterhin offizielles Zahlungsmittel."

Ein Grund für die Klever Einzelhändler, den Münzverkehr einzudämmen, sind die Gebühren, die viele Kreditinstitute für eingeliefertes Münzgeld erheben. Hintergrund ist eine EU-Verordnung, nach der das Münzgeld auch Echtheit geprüft werden muss. Das führt natürlich zu erhöhtem Aufwand. Die Sparkasse Kleve kassiere ab dem 50. Exemplar je einen Cent pro Münze, sagte Marks.

Die Moerser haben es in dieser Hinsicht noch vergleichsweise gut. Die Sparkasse am Niederrhein und die Volksbank Niederrhein erheben nach eigenen Angaben bislang keine speziellen "Münzen-Gebühren" für ihre Kunden. Bis auf ganz wenige Ausnahmen mit großen Geschäftskunden, mit denen Einzelvereinbarungen geschlossen werden, sagt Volksbank-Pressesprecher Kurt Kröll.

Sein Sparkassen-Kollege Jörg Zimmer betont: "Das ist ein Service, den wir für unsere Kunden kostenlos anbieten." Er unterstreicht gleichwohl, dass der Aufwand rund um das Münzgeld tatsächlich sehr groß sei. Wie die meisten Geldinstitute beauftragt die Sparkasse einen Dienstleister mit der Zählung und Prüfung der vielen Tonnen von Münzen, die im Jahresverlauf eingeliefert werden.

Quelle: RP
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