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Einfach Energie Enni Und Rheinische Post Erklären Energiethemen Kinderleicht (teil 8)
Fernkraftwerke - Wärme per Rohrpost

Einfach Energie Enni Und Rheinische Post Erklären Energiethemen Kinderleicht (teil 8): Fernkraftwerke - Wärme per Rohrpost
Ganz schön groß: So sieht eine Turbine im Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof aus. FOTO: KWA
Moers. Wie kommt der Strom in die Steckdose? Wo geht das Wasser hin, wenn es die Toilette hinuntergespült wird? Was sind das für schimmernde Platten, die man auf den Dächern mancher Häuser sieht? Und wo kommt hier in Moers das Trinkwasser her? All diesen Fragen wird in der zehnteiligen Reihe "Einfach Energie" mithilfe der Enni kindgerecht und unterhaltsam auf den Grund gegangen. Von Laura Conrath

 Der Herbst hält langsam Einzug und es wird teilweise richtig kalt, vor allem nachts. Die ersten machen schon ihre Heizung an, andere warten mit Kuscheldecken und Wollpullis lieber noch bis November oder Dezember mit dem Heizen. Doch woher kommt eigentlich die Wärme in unseren Heizungen?

Es gibt viele Arten von Heizungen. Man kann zum Beispiel mit Öl, Gas, elektrischer Energie und sogar Holzpellets das Haus mit Wärme versorgen. Diese Heizungstypen sind im Haus selber installiert und bieten so eine individuelle Wärmeversorgung. Wir wollen euch heute aber eine haushaltsübergreifende Heizungsart vorstellen, bei der die Wärme nicht bei euch zuhause produziert wird, sondern in einem Kraftwerk mehrere Kilometer von euch entfernt. Wie die so genannte Fernwärme funktionieren kann, das erklären wir euch jetzt.

Im Abfallentsorgungszentrum (AEZ) Asdonkshof in Kamp-Lintfort wird unter technischen Höchstleistungen und mit einem Blick auf den Umweltschutz aus Abfall Strom und Wärme hergestellt. Diese Art Wärme zu produzieren ist sehr nachhaltig, da anfallende Abfälle aus Haushalten und Industrien, Sondermüll und Gelber-Sack-Müll ausgenommen, in etwas Neues und Brauchbares umgewandelt werden. Der Müll wird sozusagen recycelt.

Wenn ihr also in Kamp-Lintfort und in der Umgebung wohnt und eure Tonnen geleert werden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Müllauto den Abfall in das AEZ Asdonkshof bringt. Schaut euch nun einmal die Grafik an. Sie veranschaulicht euch den Weg des Mülls, der von links nach rechts durch das dargestellte Kraftwerk führt.

Im AEZ Asdonkshof angekommen, werden die Abfälle erst einmal in einem Bunker gesammelt. Von da aus werden sie in zwei Kesseln bei 1000 Grad verbrannt. Stoffe, die von Wert sind, wie zum Beispiel Eisen, werden hinterher in der Asche aussortiert. Durch die Verbrennung steigt Rauchgas auf, das an einem mit Wasser gefüllten Rohrsystem vorbei geleitet wird.

Die Rauchgase erhitzen dann das Wasser in den Rohren. Wie beim Spaghettikochen bei euch zuhause, wird das Wasser zu Dampf. Dieser ist 400 Grad heiß und hat einen Druck von etwa 40 Bar. Stellt euch einmal einen Fahrradreifen vor. Dieser Reifen hat zwar nur zwei Bar an Druck, aber trotzdem ist er durch die Luft in ihm so stabil, dass zwei davon stark genug sind, euch zu halten. Der Druck in den Rohren des AEZ Asdonkshof ist also zwanzigmal so hoch.

Mit der Energie des Dampfes wird eine Turbine angetrieben, ähnlich einer sehr schnell drehenden Windmühle. Die Turbine bewegt sich, so entsteht Bewegungsenergie, die wiederum durch einen Generator in Strom umgewandelt wird. Dieses Prinzip braucht man auch beim Fahrradfahren: So funktioniert ein Dynamo. Wind- und Wasserkraftwerke funktionieren ähnlich.

Im AEZ Asdonkshof wird allerdings nicht nur Strom erzeugt, sondern auch Wärme. Dafür wird an der Turbine ein Teil des Dampfes abgenommen und für die Fernwärme weiterverwendet. Wie viel Strom und wie viel Wärme produziert werden, das hängt davon ab, wie viel jeweils benötigt werden. Jetzt im Herbst und im kommenden Winter brauchen wir mehr Wärme, also geht mehr Dampf in das Rohr für die Fernwärme. Diesen Prozess nennt man Kraft-Wärme-Kopplung.

Wurde der Dampf also für die Fernwärme abgezwackt, dann wandert er durch einen so genannten Rohrbündel-Wärmetauscher. Dort erhitzt er Wasser auf 120 Grad und dieses wird dann durch ein kilometerlanges Rohrsystem unterirdisch auf die Reise zu euch nach Hause geschickt. Dort befindet sich ein Wärmetauscher, der das Wasser nach dem langen Weg auf die gewünschte Temperatur bringt. Das nicht mehr benötigte Wasser hat eine Temperatur von etwa 60 Grad und wird dem AEZ Asdonkshof wieder zugeführt. So entsteht ein Kreislauf.

Dass das Wasser auf seiner langen Reise an Temperatur verliert, ist ein negativer Aspekt, der von Verbrauchern kritisiert wird, jedoch durch eine gute Isolierung stark minimiert wird. Doch die Fernwärme hat auch viele, vor allem ökologische, Vorteile. So wird der anfallende Müll sinnvoll wiederverwendet und die Wärme bei der Müllverbrennung nicht "in die Luft geblasen", sondern als Strom und Wärme zu euch nach Hause gebracht. Das ist umweltschonend, nachhaltig und zukunftsorientiert. Dadurch, dass viele Menschen davon Nutzen tragen, ist diese Art von Wärmeerzeugung auch noch kostengünstig.

Quelle: RP
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